Pflanzliche Arzneimittel
Wirksam, aber harmlos?
Pflanzliche Arzneimittel stehen im Ruf, wirksam, aber harmlos zu sein. »Natur pur« – das klingt so, als gäbe es weit und breit keine
Gefahren und keine Nebenwirkungen.
Das ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Denn jedes Mittel, das eine Wirkung hat, kann auch
Nebenwirkungen haben.
Wirkung und Nebenwirkung
Erst in den letzten Jahren hat die Wissenschaft angefangen, sich genauer mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von pflanzlichen
Arzneimitteln zu beschäftigen. Manches »sanfte Kraut«, das jahrzehntelang bedenkenlos verwendet wurde, hat sich als nicht ganz so
harmlos herausgestellt.
Nutzen und Risiko
Letztlich geht es bei jedem Arzneimittel – egal ob es ein konventionelles Medikament, ein Kraut, ein Naturheilmittel oder ein
homöopathisches Mittel ist – um die Frage: Welchen Nutzen und welche Risiken und Nebenwirkungen hat es? Nach wie vor sind seriöse
Belege über die therapeutische Wirksamkeit von häufig verwendeten Naturheilmitteln dürftig.
Chinesische Medizin
Warnung vor allen pflanzlichen Arzneimitteln der traditionellen chinesischen Medizin: Sie
wissen nie, was Sie da schlucken! Diese Mittel enthalten häufig nicht deklarierte Giftstoffe, wie Arsen, Blei, Quecksilber, oder
heimlich beigemischte konventionelle Wirkstoffe, wie Kortison oder das Rheumamittel Indometacin, oder Schlaf- und Beruhigungsmittel
vom Typ der Benzodiazepine, oder Krebs erregende Stoffe.
In Belgien erlitten 100 Frauen schwere Nierenschäden, weil sie tibetanischen Schlankheitsmitteln vertrauten.
Im Frühjahr 2002 gab es Warnungen der amerikanischen und kanadischen Gesundheitsbehörden wegen gefährlicher Beimischungen.
Nebenwirkungen pflanzlicher Mittel
Purpursonnenhutkraut (= Echinacin)
Enthalten z.B. in Echinacea-ratiopharm, Echinacin Madaus, Echinacin Saft,
Esberitox, u.v.a. Dieser Wirkstoff zur Steigerung der Abwehrkräfte galt lange Zeit als so harmlos, dass sogar die Injektionen
rezeptfrei waren. Nach und nach stellte sich heraus, dass lebensbedrohliche Immunreaktionen auftreten können. Die Injektionsform wurde
1996 vom Markt genommen, Tropfen und Tabletten dürfen aber nach wie vor verwendet werden. Auch bei diesen Mitteln sind
Überempfindlichkeitsreaktionen möglich.
Aloe, Faulbaumrinde, Kreuzdornbeere, Rhabarberwurzel, Sennes-Früchte
Enthalten in zahlreichen Abführmitteln. Bei
länger dauernder Verwendung kann der Darm irreparabel geschädigt werden. Nicht länger als zwei Wochen verwenden!
Ätherische Öle in Eukalyptus, Kampfer, Kiefernnadel, Menthol, Teebaumöl
Diese Stoffe sind in zahlreichen
Husten-, Bronchitis- und Erkältungsmitteln zum Einreiben, Inhalieren und als Bad enthalten. Um Mund und Nase geschmiert, kann das bei
Säuglingen und Kleinkindern zu Atemstillstand führen.
Traubensilberkerze (= Cimicifuga)
Enthalten z. B. in Cimisan, Remifemin, u.a. Dieses Naturheilmittel hat
östrogenartige Wirkungen. Frauen mit hormonabhängigen Tumoren dürfen solche Mittel nicht nehmen.
Johanniskraut (= Hypericum perforatum)
Enthalten z. B. in Esbericum, Felis, Hyperforat, Jarsin,
Johanniskraut-ratiopharm, Kira, Klosterfrau Johanniskraut Dragees, Laif, u.v.a. Das gegen Depressionen, Verstimmungen und
Schlafstörungen verwendete Johanniskraut kann Leberschäden und erhöhte Lichtempfindlichkeit verursachen und kann bei gleichzeitiger
Einnahme einige wichtige Medikamente weniger wirksam machen, z.B. die Antibabypille, das Virusmittel Crixivan, das zur Aids-Behandlung
verwendet wird, oder Sandimmun, das bei Organtransplantationen verwendet wird.
Arnika
Enthalten in vielen beliebten Einreibemitteln bei Muskel-, Gelenks- und Venenschmerzen. Verursacht häufig
allergische Hauterscheinungen (Rötungen, Bläschen).
Bergamottöl
Enthalten in vielen beliebten Einreibemitteln bei Muskel- und Gelenksschmerzen. Es erhöht die
Lichtempfindlichkeit der Haut. Erhöhte Gefahr von Sonnenbrand.
Schöllkraut
Enthalten z. B. in Aristochol Konzentrat u. a. Dieses krampflösende Mittel, das auch gegen
Leber- und
Gallenbeschwerden verwendet wird, steht im Verdacht, als Nebenwirkung Hepatitis (akute Gelbsucht) zu verursachen.
Kava Kava
Medikamente mit diesem Inhaltsstoff wurden im Jahr 2002 wegen der Gefahr lebensbedrohlicher
Leberschäden aus dem Handel genommen.