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Neues zu bekannten Medikamenten


Schlankheitsmittel Alli und Xenical

Alli und Xenical sind Medikamente zum Abnehmen. Beide enthalten in unterschiedlicher Dosis den Wirkstoff Orlistat: Das verschreibungspflichtige Xenical 120 Milligramm, das frei verkäufliche Alli 60 Milligramm. Die amerikanische Arzneimittelbehörde hate nun eine Warnung verschickt, dass diese Medikamente als Nebenwirkung die Leber schädigen können. Anzeichen dafür sind gelbe Augen und gelbe Haut, dunkler Urin, heller Stuhlgang und Appetitlosigkeit. (FDA MedWatch, 27.05.2010)


Schmerzmittel Tramadol (enthalten in Generika mit dem Namen Tramadol + Firmenbezeichnung)

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Ärzte davor gewarnt, Tramadol an Patienten zu verschreiben, die in der Vergangenheit Suizidversuche unternommen oder Drogen missbraucht haben. Auch Patienten, die Beruhigungsmittel oder Antidepressiva einnehmen, die extrem viel Alkohol konsumieren oder an Depressionen oder Gefühlsstörungen leiden, sollten kein Tramadol verwenden. Für Schmerzpatienten ohne Missbrauchsrisiko kann dieses Mittel jedoch sinnvoll sein. (FDA MedWatch, Mai 2010)


Blutgerinnungsmittel Aggrenox

Aggrenox enthält die Wirkstoffe ASS (Azetylsalizylsäure) und Dipyridamol und wird zur Vorbeugung von erneuten Schlaganfällen verwendet. Der Hersteller Boehringer Ingelheim behauptet, Aggrenox wirke besser als die alleinige Behandlung mit ASS (Azetylsalizylsäure) Eine neue Studie, bis heute nicht vollständig veröffentlichte Studie hat jedoch gezeigt, dass das nicht stimmt. Es gilt also: Nach wie vor bleibt die alleinige Behandlung mit ASS (Azetylsalizylsäure) die beste Behandlungsmöglichkeit. (blitz-a-t, 03.05.2010)


Antidepressiva und Aspirin

Patienten, die zusätzlich zu Antidepressiva vom Typ der SSRI (z.B. Cipramil, Generika mit dem Namen Citalopram + Firmenbezeichnung, Cipralex, Fluctin, Generika mit dem Namen Fluaxetin + Firmenbezeichnung, Fevarin, Seroxat, Generika mit dem Namen Paroxetin + Firmenbezeichnung, Gladem, Sertralin Hexal, Zoloft) auch das Schmerzmittel Aspirin (oder andere Schmerzmittel mit dem Wirkstoff ASS) einnehmen, haben ein 28fach erhöhtes Risiko von Blutungen im Magen-Darmbereich, Nasenblutungen oder Blutergüssen. Das Risiko lebensgefährlicher innerer Blutungen ist ebenfalls stark erhöht. In den Beipacktexten fehlen diese Hinweise. (Worst Pills, Best Pills, April 2010)


Cholesterinsenker Simvastatin

Die amerikanische Arzneimittelbehörde hat an alle Ärzte die Warnung verschickt, dass beim Cholesterinsenker Simvastatin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Sim oder Simvastatin + Firmenbezeichnung; Zocor) im Vergleich zu anderen Cholesterinsenkern vom Wirkstofftyp der Statine ein erhöhtes Risiko lebensbedrohlicher Muskelschäden (= Rhabdomyolyse) besteht. (FDA, Division of Drug Information, 19.03.2010)


Einreibemittel Diclofenac (Voltaren und andere)

Die Meinung, dass Medikamente zum Einschmieren generell weniger Nebenwirkungen haben als Mittel zum Schlucken, ist weit verbreitet – aber falsch. Salben und Cremen beispielsweise, die den Rheumawirkstoff Diclofenac enthalten (z.B. Arthrex Schmerzgel, Deflamat, Diclofenac + Herstellernamen bzw. Voltaren Emulgel, Schmerzgel und -Pflaster) dringen über die Haut so weit in den Körper ein, dass dieselben Nebenwirkungen auftreten können, die bei der Pillenform dieses Mittels auftreten können: Herzprobleme, Blutungen im Verdauungstrakt und – noch wenig bekannt - Leberschädigung durch Vergiftung. Die Verwendung des Einreibemittels kann sogar zu Leberversagen und zum Tod führen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat die Hersteller solcher Mittel angewiesen, auf den Beipackzetteln vor dieser Gefahr zu warnen. (Worst Pills, Best Pills Newsletter, 02.03.2010)


Antidepressivum Paroxetin (enthalten z.B. in Seroxat und Generika mit dem Namen Paroxetin + Firmenbezeichnung)

Manche an Brustkrebs erkrankte Frauen, die an Depressionen leiden, erhalten – neben dem Krebsmittel Tamoxifen – das Antidepressivum Paroxetin. Dieser Wirkstoff soll die rasche Wiederaufnahme des Botenstoffes Serotonin an den Nervenzellen des Gehirns verhindern und damit Depressionen abwehren. Nun hat sich herausgestellt, dass Paroxetin die Wirkung des Krebsmittels Tamoxifen beeinflusst und es dadurch vermehrt zu Brustkrebssterbefällen kommt. Je länger Patientinnen Paroxetin erhalten, umso größer ist das Risiko, an Krebs zu sterben. (British Medical Journal 2010;340: c693)


Neuroleptikum Olanzapin (enthalten z.B. in Zyprexa)

Das atypische Neuroleptikum Olanzapin, enthalten in Zyprexa, wird bei Schizophrenie und manisch-depressiven Störungen verwendet. Für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, die das Mittel mehr als 24 Wochen erhalten, besteht ein erhöhtes Risiko, an Gewicht zuzunehmen. Auch die Triglyzeridwerte steigen deutlich an. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA rät deshalb allen Ärztinnen und Ärzten dringend, die beiden Werte laufend zu kontrollieren und nach Möglichkeit ein anderes Mittel zu verschreiben. Kinder unter 13 sollten nicht mit Zyprexa behandelt werden. (FDA MedWatch, 30. 01. 10)


HIV-Mittel Didanosin (enthalten z.B. in Videx)

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA macht darauf aufmerksam, dass es bei der Anwendung von Videx (Wirkstoff Didanosin) gegen HIV-Infektion und Aids in seltenen Fällen zu einem riskanten Bluthochdruck in der Pfortader der Leber kommt, der im Extremfall zu einer tödlichen Blutung verursacht. Zwar überwiegt der Nutzen des Medikaments nach wie vor die möglichen Risiken, aber die Entscheidung für das Mittel sollten Arzt und Patient nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken gemeinsam treffen. (FDA MedWatch, 30.01.10)


Schlankheitsmittel Reductil in Europa vom Markt gezogen

Endlich! Die Schlankheitspille Reductil (mit dem darin enthaltenen Wirkstoff Sibutramin) wurd im Januar 2010 vom Markt gezogen. Die Begründung: Die Risiken überwiegen den Nutzen. In Bittere Pillen hatten wir das Medikament von Anfang an als „wenig zweckmäßig“ eingestuft und hinzugefügt: Zweifelhafter therapeutischer Nutzen. Hohes Risiko an Nebenwirkungen.“ Im Text hatten wir sogar noch deutlicher vor einer Verwendung gewarnt: „Wegen der gravierenden Nebenwirkungen raten wir von einer Verwendung ab.“ In den USA darf Reductil nach wie vor verwendet werden.


Grippemittel Oseltamivir (enthalten z.B. in Tamiflu)

Im Zusammenhang mit der Schweinegrippenwelle ließen viele Staaten vorbeugend Tamiflu einlagern, um bei einer unkontrollierbaren Ausbreitung schwere Grippekomplikationen und Spitalsaufenthalte zu verringern. Als Basis für diese Entscheidungen diente hauptsächlich eine Überblicksstudie, deren Autoren mit einer einzigen Ausnahme Angestellte oder Berater des Oseltamivir-Herstellers Roche waren. Die Studie bescheinigte diesem Grippemittel, dass es Komplikationen der unteren Atemwege um 55% und Hospitalisierungen um 59% verringere. Eine neue, industrieunabhängige Überblicksstudie der medizinischen Fachgesellschaft Cochrane kommt nun zu einem ganz anderen Urteil: Es lässt sich kein eindeutig positiver Einfluss von Tamiflu auf die Krankheitskomplikationen nachweisen.
Recherchen der Fachzeitschrift British Medical Journal und des TV-Senders Channel4 deckten nun auf, dass bei der industriegeförderten Studie die Marketingabteilung des Pharmakonzerns Roche das Ergebnis entscheidend beeinflusst hatte. (blitz-a-t, 22.12.2009)


Osteoporosemittel vom Typ der Biphosphonate

Bei Osteoporose werden unter anderem auch Medikamente vom Typ der Biphosphonate verschrieben (z.B. in Actomel; in Generika mit dem Namen Alendron oder Alendronsäure + Firmenname; Ostac; Didronel und Generika mit dem Namen Etidronel + Firmenname), weil sie üblicherweise das Risiko von Knochenbrüchen senken. In letzter Zeit tauchten in medizinischen Veröffentlichungen jedoch Hinweise auf, dass bei einer kleinen Gruppe von Frauen, die solche Mittel längere als sieben Jahren einnehmen, untypische Brüche des Oberschenkelhalses mit Verdickungen an der Bruchstelle vorkommen können. Die Gründe dafür sind noch unbekannt. (Journal Watch General Medicine, 15. Dezember 2009)


Rheumamittel Voltaren Gel

Voltaren Emulgel oder Voltaren Schmerzgel kann die Leber schädigen. Die Ursache dafür ist der darin enthaltene Wirkstoff Diclofenac. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA weist darauf hin, dass im Lauf einer Behandlung mit derartigen Mitteln jederzeit Nebenwirkungen wie Leberentzündung mit und ohne Gelbsucht und sogar Leberzersetzungen und -versagen auftreten können. Die FDA empfiehlt, die Leberwerte vier bis acht Wochen nach Beginn einer Behandlung zu überprüfen und bei Langzeittherapien regelmäßig zu kontrollieren. (FDA Medwatch, 5.12.09)


Vergleich von Diabetesmitteln

In einer großen britischen Untersuchung an 90.000 Diabetes-Patienten wurden die Medikamenten-Verschreibungen und der Krankheitsverlauf über einen Zeitraum von sieben Jahren kontrolliert und erhoben, wie oft Herzinfarkt und Herzversagen aufgetreten waren. Darüber hinaus wurden alle Todesursachen geprüft. Es stellte sich heraus, dass sogenannte Sulfonylharnstoffe wie Glibencamid (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Glibenclamid + Firmenbzeichnung), Gliclazid (enthalten z.B. in Diamicron), Glimipirid (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Glimepirid+ Firmenbzeichnung) und Gliquidon (enthalten z.B. in Glurenorm) mehr lebensbedrohliche Risiken und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt mit sich brachten als die Behandlung mit dem Wirkstoff Metformin. Das deckt sich mit der Empfehlung der Amerikanischen Diabetes-Vereinigung, die Metformin für den Beginn einer Diabetes II-Therapie empfiehlt. (Physician’s First Watch, 4.12.09)


Epilespiemittel Valproat

Der Wirkstoff Valproat (enthalten z.B. in Valpo beta chrono, Valpro AZ, Valpro dura und Valproat + Firmenbezeichnung) wird meist bei Epilepsie oder kleinen Anfällen und Absencen verwendet. Nun warnt die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA Schwangere vor der Einnahme solcher Mittel, insbesondere wenn andere zur Verfügung stehen. Es besteht ein erhöhtes Risiko von Missbildungen beim werdenden Kind, wie offener Rücken, Gesichtsdefekte oder Missbildung der Herzgefäße. Frauen sollten diese Mittel nur anwenden, wenn sie für die Behandlung unerlässlich sind und mit dem Arzt mögliche Alternativen besprechen. Frauen, die keine Schwangerschaft planen, sollten wirksame Empfängnisverhütung anwenden, da die Gefahr im ersten Drittel der Schwangerschaft am höchsten ist. (FDA Medwatch, 3.12.2009)


Appetitzügler Sibutramin

Der Appetithemmer Sibutramin (enthalten z.B. in Reductil) soll die Lust auf Essen verringern und den Kalorienumsatz steigern. Das Mittel ist rezeptpflichtig und wird wegen gravierender Nebenwirkungen in den Bitteren Pillen abgelehnt. Nach Überprüfung einer neuen Studie an 10.000 Patienten warnt die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA vor möglichen Nebenwirkungen wie Herzproblemen und Gehirnschlag. Patienten, die bereits eine Herzmuskelerkrankung, Rhythmusstörungen, Herzversagen oder einen Gehirnschlag erlitten haben, sollten das Medikament nicht verwenden. (FDA Medwatch, 21.11.09). Die Redaktion der Berliner Fachzeitschrift „arznei-telegramm“ hält eine Marktrücknahme für “überfällig”. (Jg. 40, Heft 12/09, S. 110)


Thrombosemittel Clopidogrel

Wird das Thrombosemittel Clopidogrel (enthalten z.B. in Iscover, Plavix) gemeinsam mit dem Magensäurehemmer Omeprazol (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Omeprazol + Firmenbezeichnung) eingenommen, führt dies zu einer Verringerung der Wirksamkeit von Clopidogrel und damit zu einem verminderten Schutz vor Thrombosen. Das gilt auch dann, wenn man die beiden Mittel zu unterschiedlichen Zeitpunkten einnimmt. Weitere Wirkstoffe, die nicht gemeinsam mit Clopidogrel genommen werden sollten, sind etwa das Magenmittel Cimetidin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Cimetidin + Firmenbezeichnung), das Pilzmittel zum Schlucken Fluoconazol, das Antidepressivum Fluoxetin (enthalten z.B. in Fluctin), und das Pilzmittel Ketoconazol (enthalten z.B. in Terzolin) (FDA MedWatch, 17.11.09)


Zink in Nasenmitteln

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA weist darauf hin, dass der Inhaltsstoff Zink in Nasenmitteln möglicherweise bedenkliche Nebenwirkungen hat. Laut Meldungsregister verloren 130 Patienten nach Anwendung rezeptfrei erhältlicher Nasengels bzw. Nasengelsprays mit Zink für lange Zeit oder dauerhaft den Geruchssinn. In den meisten Fällen trat dieser Effekt gleich bei der ersten Anwendung auf. Hierzulande sind ebenfalls einige Nasensprays mit Zink rezeptfrei erhältlich, zum Beispiel Nasivin Zink. (FDA Medwatch, 3.12.09)


Antiepileptikum Neuropentin

Vor fünf Jahren zahlte der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer 430 Millionen Dollar, um die Einstellung eines amerikanischen Gerichtsverfahrens zu erreichen. Wegen illegaler Vermarktungsmethoden beim Antiepileptikum Gabapentin (enthalten z.B. in Neuropentin) – Pfizer hatte das Medikament auch zur Migränevorbeugung beworben, obwohl es dafür gar nicht zugelassen war - hatten US-Staatsanwälte mit Ermittlungen begonnen. Damalige Gerichtsgutachter veröffentlichten nun Details über die von der Firma organisierten Studienmanipulationen, mit denen Pfizer den angeblichen Erfolg des Mittels propagierte und Nebenwirkungen verharmloste. Im September 2009 wurde Pfizer in einem US-Gerichtsverfahren wegen illegaler Marketingpraktiken und Schmiergeldzahlungen bei mehreren Mitteln zu einer Zahlung von 2,3 Milliarden Dollar verdonnert. Für den Pharmariesen rechnen sich derartige Praktiken trotzdem. Die Strafzahlungen machen bloß ein Prozent des Firmenumsatzes aus. (arznei-telegramm 2009, 40/12, S.109)


Mittel gegen Blutmangel Aranesp

Schon im Bittere Pillen-Newsletter 2 warnten wir vor dem bei Krebstherapien oder Nierenversagen häufig verwendetem Mittel Aranesp (Wirkstoff Darbepoetin), weil es bei hoher Dosierung das Krebsrisiko erhöht. Bei einer neuen Untersuchung an rund 4000 Patienten mit Diabetes Typ-2, chronischer Nierenerkrankung und moderater Blutarmut, die mit Aranesp behandelt wurden, zeigte sich ein erhöhtes Risiko von Schlaganfällen. Schlussfolgerung: Der Nutzen dieses Mittels ist geringer als die Risiken. (Physician’s First Watch, 2.11.09)


Krebs- und Rheumamittel Mabthera

In den USA wurde als Nebenwirkung von Mabthera der dritte Fall einer schweren Erkrankung des zentralen Nervensystems (PML) gemeldet. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA weist darauf hin, dass an eine solche Nebenwirkungen gedacht werden sollte, falls nach Einnahme des Mittels neurologische Symptome auftreten. (FDA Medwatch, 23. Oktober 2009)


Impfstoff Gardasil

Der Impfstoff gegen eine Infektion mit HPV (= humanen Papillomaviren, die Genitalwarzen und abnorme Veränderungen des Gebärmutterhalses verursachen können), bietet vier Jahre lang Schutz vor Genitalwarzen und Schutz vor nur bestimmten Zellveränderungen am Gebärmutterhals. Eine Impfung ist jedoch nur sinnvoll bei Mädchen und Frauen im Alter zwischen 9 und 26 Jahren, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten und noch nicht mit HPV infiziert sind. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA meldet nun, dass Gardasil auch geeignet ist, Genitalwarzen bei Jungen zwischen 9 und 26 Jahren zu verhindern. Die Impfung ist jedoch abschreckend teuer. (Physicians First Watch, 19.10.09)


Parkinsonmittel Sifrol

Die EU hat für alle EU-Staaten eine neue Darreichungsform des Parkinson-Mittels Sifrol (mit dem Wirkstoff Pramipexol) zugelassen: Statt der üblichen Dosis von 3 x täglich eine Tablette genügt bei frühem und fortgeschrittenem Parkinson eine langsam wirkende Retard-Tablette, die nur einmal täglich eingenommen werden muss, was die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöht. Das Mittel Sifrol ist seit 1997 bei Parkinson und seit 2006 auch beim Restless Legs Syndrom zugelassen. (Pmlive, 14.10.09)


Schmerzmittel Voltaren Gel

Eine neue amerikanische Untersuchung an 385 Patienten mit Arthritis an der Hand oder am Knie ergab, dass der Wirkstoff Diclophenac (z.B. in Voltaren Emulgel, Voltaren Schmerzgel), viermal täglich aufgebracht, Schmerzen und Steifheit geringfügig lindern kann. (Journal Watch General Medicine, 6.10.09)


Diabetesmittel Byetta

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat alle Ärzte und Ärztinnen darauf hingewiesen, dass das Diabetesmittel Byetta (Wirkstoff Exenatide) als Nebenwirkung schwere Nierenprobleme nzw- -schäden verursachen kann. (FDA-Medwatch, 2.11.2009)


SSRI-Antidepressiva wie Sertralin und Citalopram sind für Schwangere riskant

Die Antidepressiva Sertralin (enthalten z.B. in Gladem, Sertralin Hexal, Zoloft) und Citalopram (enthalten z.B. in Cipramil , Generika mit dem Namen Citalopram + Firmenbezeichnung) und bringen für Schwangere besondere Risken mit sich: Werden diese Mittel im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen, steigt das Risiko für Herzdefekte beim werdenden Kind, wenn auch gering. Das stellte sich bei der Überprüfung der Daten von 490.000 Kindern, die zwischen 1996 und 2003 in Dänemark geboren wurden, heraus. Andere Antidepressiva vom selben Wirkstofftyp SSRI (= Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) erhöhen das Risiko nicht. (Physician’s First Watch, 25.09.2009)


Diabetesmittel Lantus

Im Newsletter Nr. 12 haben wir von den möglichen Zusammenhängen zwischen dem künstlichen Insulin Glargin (enthalten z.B. in Lantus) und der Entwicklung einer Krebserkrankung berichtet: Eine deutsche Studie hatte ergeben, dass das Risiko einer Krebserkrankung unter Glargin abhängig von der Dosis anstieg. Eine Stellungnahme der US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA weist nun darauf hin, dass diese Studie nicht nach dem Zufallsprinzip durchgeführt wurde und daher nur begrenzt aussagefähig sei. Auch weitere internationale Studien seien widersprüchlich, so dass keine klaren Aussagen getroffen werden können. Die FDA rät Patienten, das Medikament nicht abzusetzen, ohne ärztlichen Rat eingeholt zu haben. Weitere Studien werden gefordert. (Worst Pills, Best Pills Newsletter, Oktober 2009)


Antibabypille Qlaira

Seit einem halben Jahr ist die neueste – und teuerste – “Anti-Baby-Pille” in Deutschland zugelassen. Auf der Webseite des Herstellers Bayer wird sie als „Pille mit dem natürlichen Östrogen“ beworben. Dabei handelt es sich um einen Marketing-Gag: Anders als die Konkurrenzprodukte, die alle das Östrogen Ethinylestradiol enthalten, besteht Qlaira aus Estradiolvalerat, das erst im Körper in das natürlich vorkommende Hormon Estradiol umgewandelt wird; zusätzlich enthält diese Pille außerdem das synthetische Gestagen Dienogest. Ob diese angebliche „Natürlichkeit“ von Vorteil ist, bleibt fraglich. Denn Qlaira wurde zugelassen, bevor noch die Studien vollständig veröffentlich sind, die über Nutzen und Schaden Auskunft geben sollen. Ist es verträglicher als andere Pillen? Löst es weniger von den typischen Nebenwirkungen aus, wie z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Spannungen in der Brust, Zwischenblutungen, schmerzhafte oder entfallende Regelblutungen, Akne, Übelkeit und emotionale Labilität? All das ist nicht bekannt!

Ebenso wenig lässt sich derzeit beurteilen, wie hoch das Thromboserisiko ist. Aus der Produktinformation der Firma aber geht hervor, dass Qlaira möglicherweise weniger zuverlässig verhütet – ein besonderer Nutzen ist also nicht zu erkennen. Experten raten von der Einnahme ab. Laut Heilmittelwerbegesetz darf für verschreibungspflichtige Mittel nur in Fachkreisen geworben werden. Durch die aufwendig gestaltete Online-Werbung wird dies unterlaufen, und Juristen beklagen, dass hier die Aufsichtsbehörden der Länder versagen. (arznei-telegramm 2009, S. 62-63)


Multiple Sklerose-Medikament Tysabri

Bei Patienten, die an einer schweren, schubförmig verlaufenden Form der Multiplen Sklerose (MS) erkrankt sind, hat sich der Antikörper Tysabri (Wirkstoff Natalizumab) bewährt – und wurde für den Hersteller Biogen Intec sowie dessen Geschäftspartner Elan ein großer Gewinnbringer. Allerdings häufen sich seit der Zulassung 2006 international Meldungen über eine lebensbedrohliche Nebenwirkung: aggressive Viruserkrankungen im Gehirn (Progressive Multifokale Leukenenzephalopathie, PML). Tysabri hemmt das Immunsystem besonders im Gehirn. Das ist gegen die zerstörerischen Folgen von MS beabsichtigt, begünstigt aber auch, dass Viren sich vermehren. Das Risiko für PML liegt laut Hersteller Biogen Intec bei 1:1000, aber es steigt offenbar mit der Anzahl der Injektionen. Die Zulassungsbehörden untersuchen derzeit, ob das Risiko den Nutzen des Medikaments überwiegt und ob es länger als zwei Jahre verabreicht werden kann. (Medwatch, 23.09.2009)


Antibabypillen Yasmin und Yaz

Mitte September 2009 starb eine junge Schweizerin an einer Lungenembolie. Dieser Tod könnte ernsthafte Folgen für Bayer-Schering zur Folge haben, denn die Arzneimittelbehörde Swissmedic prüft nun, ob ein Zusammenhang mit der Einnahme der Antibabypille Yaz dieses Konzerns besteht. Der Umsatzrenner Yaz ist erst seit kurzem auf dem Markt und zählt zur Produktfamilie Yasmin. (Die Welt-Online, 28.9.2009)
Die Einnahme der relativ neuen Antibabypille Yasmin ist gegenüber älteren Präparaten vom Hersteller Bayer mit einem fast doppelten Thrombosenrisiko verbunden. Bayer hat mit Yasmin im letzten Jahr 1,2 Milliarden Euro erlöst. Die Werbung für Yasmin zielt auf Lifestyle und umwirbt besonders junge Frauen, sie verspricht Gewichtsabnahme und eine Wirkung gegen Akne. Die erste Packung wird gar in einer schicken silbernen Schachtel mit Schminkpinsel angeboten. Von erhöhter Gefahr erfahren Kundinnen nichts. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in Deutschland sieben Todesfälle im Zusammenhang mit Yasmin registriert. In den USA werden bis zu 50 Todesfälle mit Yasmin in Verbindung gebracht, inzwischen wurden mehrere Sammelklagen eingereicht. In den USA musste Bayer inzwischen 20 Millionen $ Strafe für falsche Versprechungen in Werbespots bezahlen. Seitdem in der Schweiz eine Reihe schwerer Erkrankungen nach Yasmin-Einnahme bekannt wurden, wird die Forderung nach einem Verbot diskutiert. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert, die Antibabypillen Yasmin, Yasminelle und Petibelle vom Markt zu nehmen. (Presseinfo 01.09.09)


Brustkrebsmittel Tamoxifen

Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs erhalten als Behandlung üblicherweise das Medikament Tamoxifen, damit der Krebs nicht Metastasen in Knochen, Leber oder Lunge bilden kann. Eine Studie des US-amerikanischen „Cancer Research Center“ in Seattle an mehr als 1000 Frauen zwischen 40 und 79 Jahren stellte fest, dass jene, die Tamoxifen länger als fünf Jahre einnahmen, das vierfache Risiko hatten, an der anderen Brust einen aggressiven, Hormon-unabhängigen Tumor zu entwickeln. Eine kürzere Einnahme von Tamoxifen erhöht das Risiko nicht und ist unbedenklich. Insgesamt jedoch senkt die Tamoxifen-Therapie durch Verhinderung der Metastasenbildung das Sterberisiko. (PMLIVE, 26.08.2009)


Alzheimer-Mittel Aricept, Exelon, Reminyl

Bekommen Alzheimer-Kranke Medikamente wie Donezepil (z.B. in Aricept), Rivastigmin (z.B. in Exelon) oder Galantamin (z.B. in Reminyl), steigt die Gefahr von Schwächezuständen und Ohnmachten um 76 Prozent. In der Folge müssen Betroffene oft im Krankenhaus aufgenommen werden, weil der Herzschlag verlangsamt ist, ein Herzschrittmacher eingesetzt oder ein Knochenbruch behandelt werden muss. Die Wirksamkeit dieser Mittel ist überdies fraglich. (Worst Pills Best Pills, August 09)


Rheumamittel Sulfasalazin (z.B. in Azulfidine RA)

In einem 24 Wochen dauernden Vergleich des Rheumamittels Sulfasalazin (enthalten z.B. in Azulfidine RA) mit dem standardisierten chinesischen Pflanzenmittel, TwHF (Tripterygium wilfordii Hook F, auch bekannt als „thunder god vine“) an 120 Patienten konnte die chinesische Medizin punkten: TwHF verringerte die Rheumasymptome etwas besser (20%) als die Therapie mit Sulfasalazin. Die Nebenwirkungen unterschieden sich in den beiden Vergleichsgruppen nicht. (Physician’s First Watch, 20.08.09)


Immunsuppressivum Cellcept

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Meldungen erhalten, dass bei Patienten, die gegen die Abstoßung eines Organimplantats das Medikament Cellcept erhielten, eine Art Anämie mit spezieller Verminderung roter Blutzellen aufgetreten ist: Typische Zeichen sind extreme Müdigkeit, Lethargie und besondere Blässe. Bei einigen Betroffenen ging der Zustand zurück, wenn Cellcept mit verringerter Dosis gegeben oder abgesetzt wurde. Allerdings birgt eine verringerte Dosis die Gefahr, dass das Implantat abgestoßen wird. (FDA Medwatch, 14.08.09)


Rheumamittel Enbrel, Humira, Remicade

Rheumamittel vom Typ der TNF-Blocker wie Etanercept (enthalten z.B. in Enbrel) oder Adalimumab (enthalten z.B. in Humira) bzw. Infliximab (enthalten z.B. in Remicade) können schwere Nebenwirkungen auslösen, weshalb sie nur angewendet werden sollen, wenn andere Rheumamittel nicht ausreichend wirken. Weil in der Folge von Behandlungen mit solchen Medikamenten 48 Fälle von Krebserkrankungen aufgetreten sind – die Hälfte davon Lymphome – hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA angeordnet, dass in den Beipackzetteln entsprechende Warnungen enthalten sein müssen. (FDA MedWatch, 04.08.09)


Magenmittel Famotidin

Wird Acetylsalicylsäure (ASS, enthalten z.B. in Aspirin) zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingenommen, steigt das Risiko von Geschwüren im oberen Verdauungstrakt. Um dies zu verhindern, eignet sich Famotidin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Famotidin + Firmenbezeichnung) besser als sogenannte Protonenpumpenhemmer (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Omeprazol + Firmenbezeichnung). Das gilt laut einer neuen Studie an 400 Patienten auch für jene, die Acetylsalicylsäure nur in geringer Dosis einnehmen. (The Lancet, 11. Juli 2009 / 374, S. 119)


Insulinmittel Lantus (Wirkstoff Glargin)

Lantus ist das umsatzstärkste Insulinmedikament in Deutschland: Im Jahr 2008 wurden 1,5 Millionen Packungen verschrieben. In Bittere Pillen haben wir von Anfang – seit der Markteinführung im Jahr 2000- an darauf hingewiesen, dass bei diesem Medikament im Vergleich Humaninsulin-Medikamenten möglicherweise eine erhöhtes Krebsrisiko besteht. Eine statistische Untersuchung des Frankfurter Instituts für Qualität und Wissenschaft im Gesundheitswesen (IQWiG) mit Daten von 130.000 AOK-versicherten Diabetes- Patienten hat das jetzt bestätigt: Von 1000 Patienten, die mit Humaninsulin behandelt werden, erkranken innerhalb von 20 Monaten 41 an Krebs; bei Glargin sind es jedoch 45 Patienten. Das Krebsrisiko scheint mit der Dosis zu steigen. Zwei weitere medizinische Studien aus Schweden und Schottland deuten ebenfalls in diese Richtung. Die Glargin-Herstellerfirma Sanofi-Aventis versuchte den Verdacht mit irreführenden Presseaussendungen zu entkräften. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA empfiehlt weitere Studien zu einem möglichen Krebsrisiko. Die Redaktion der industrieunabhängigen Berliner Fachzeitschrift „arznei-telegramm“ fordert das Ruhen der Zulassung, so lange die Unbedenklichkeit des Kunstinsulins nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. (IQWiG Pressemitteilung 26.6.2009, arznei-telegramm 2009, Jg.40, Nr. 7, S. 67f)


Prostatamittel Alna und Generika mit dem Namen Tamsulosin + Firmenbezeichnung (Wirkstoff Tamsulosin)

Der Wirkstoff Tamsulosin wird als Mittel gegen Prostatavergrößerung verwendet. Männer, die mit diesem Medikament behandelt werden und eine Operation zur Verbesserung von Grauem Star (=Katarakt-Operation) durchführen lassen wollen, sollten unbedingt den Operateur/die Operateurin davon informieren – weil ein erhöhtes Risiko schwerer Augenschäden wie etwa Netzhautablösung besteht. Durch medikamentöse und mechanische Maßnahmen sowie bestimmte Operationstechniken kann dieses Risiko jedoch wieder verringert werden. Wenn das Medikament mindestens zwei Wochen vor der Operation abgesetzt wird, verringert sich das Risiko zwar ebenfalls, kann aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. (arznei-telegramm 2009, Jg. 40, Nr. 7, S. 66f)


Gefährliche Wechselwirkungen zwischen Epilepsie- und Schmerzmitteln

Epilepsiepatienten sind besonders anfällig für Verletzungen und benötigen deshalb öfter Schmerzmittel. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft macht darauf aufmerksam, dass das Schmerzmittel Tramadol (enthalten z.B. in Tramal oder Generika mit dem Namen Tramadol + Firmenbezeichnung) die Wirkung des Epilepsiemittels Lamotrigin (enthalten z.,B. in Lamictal sowie Generika mit dem Namen Lamotrigin + Firmenbezeichnung) verstärkt und zu Doppelbildern, Iriszittern, gestörten Bewegungsabläufen, Übelkeit und Schläfrigkeit führen kann (arznei-telegramm 2009, Jg. 40, Nr. 7, S. 66)


Schmerzmittel Metamizol

Das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Metamizol (z. B. in Analgin, Berlosin, Novalgin, Novaminsulfon Lichtenstein, - ratiopharm) ist ausschließlich bei starken Schmerzen zugelassen – etwa akuten Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen sowie Koliken und Tumorschmerzen – und darf bei hohem Fieber nur verordnet werden, wenn kein anderes Mittel hilft. Da mit der ansteigenden Zahl von Verordnungen die Meldungen über schwerwiegende Nebenwirkungen zugenommen haben, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun eine Warnung verschickt. Eine mögliche Nebenwirkung von Metamizol ist die Entwicklung einer im schlimmsten Fall tödlichen Agranulozytose, die mit Fieber, Entzündungen der Schleimhäute und Verschlechterung des Allgemeinbefindens einher geht; bei hoher Dosierung steigt auch das Risiko eines Blutdruckabfalls, der tödlich verlaufen kann. (BfArM, Juni 2009)


Diabetesmittel vom Typ der Glinide (Repaglinid, Nateglinid)

Da immer noch Langzeitstudien fehlen, ist der Nutzen von Gliniden (Repaglinid z. B. in Novoform Tabletten, oder Nateglinid, z. B. in Starlix Filmtabletten) zur Therapie von Typ-2-Diabetes fraglich. Das stellte das Frankfurter Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG fest. Im Vergleich zu anderen Diabetesmitteln in Tablettenform wie etwa Metformin (enthalten z. B. in Diabetase, Glucophage, Mediabet, Meglucon, Mescorit, Generika mit dem Namen Metformin + Firmenbezeichnung, Siofor) oder Sulfonylharnstoffen (enthalten z. B. in Amaril, Azuglucon, Duraglucon N, Euglucon N, Generika mit den Namen Gliben oder Glibenclamid + Firmenbezeichnung, Glukovital, Manilil,Semi Euglucon N) schneiden Glinide nicht besser ab. (IQWiG Abschlussbericht, laut ärztliche praxis 05.06.09)


Aspirin zur Vorbeugung von Herzinfarkt

Eine neue englische Übersichtsarbeit stellt die Anwendung von Aspirin zur primären Vorbeugung von Herzerkrankungen in Frage: Es hat sich herausgestellt, dass bei denselben Personen, die ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben, bei Aspirin auch ein erhöhtes Blutungs-Risiko besteht. Medikamente, die Cholesterinwerte und Bluthochdruck senken, sind für die primäre Vorbeugung wahrscheinlich sicherer als Aspirin. Für die so genannte Sekundärprävention (= zur Verhinderung eines weiteren Infarkts) überwiegt jedoch der Vorteil von Aspirin das Blutungsrisiko. (heartwire, 3. Juni 2009)


Krebsmittel Zoledronat

(enthalten z.B. in Zometa)

Ein Beispiel dafür, wie aus ursprünglich negativen Ergebnissen eine Studie mit positivem Trend werden kann, ist eine österreichische Untersuchung von 1.800 Frauen mit hormonpositivem Brustkrebs, der noch keine Metastasen gebildet hat (die sogenannte ABCSG-12-Studie der Austrian Breast an Colorectal Cancer Study Group). Ursprünglich planten die beteiligten Mediziner, die Wirksamkeit der beiden Brustkrebsmittel Tamoxifen (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Tamoxifen + Firmenbezeichnung und Anastrozol (enthalten z.B. in Arimidex) zu vergleichen. In einer kleinen Teilstudie sollte auch die Wirkung von Zoledronat (enthalten z.B. in Zometa) auf die Knochendichte geprüft werden. Nachträglich, nach Studienende, wurden die Fragestellungen der Studie so verändert, dass sich eine teilweise positive Wirkung ergab. Die Behandlung mit Zoledronat wirkt jedoch nicht lebensverlängernd und hat außerdem keine Auswirkungen auf die Knochenmetastasen. Trotzdem gab die „Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie“ die Empfehlung ab, mit diesem Medikament zu behandeln. Die industrie-unabhängige Fachzeitschrift arznei-telegramm hingegen spricht sich gegen eine Verwendung bei Frauen mit nichtmetastasierendem Brustkrebs außerhalb von klinischen Studien aus. (arznei-telegramm Jg. 40, 4/2009, S.38f)


Knochenschäden durch Osteoporosmittel Ibandronat

(enthalten z.B. in Bonviva)

Dem deutschen „Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte“ liegen bereits 889 Berichte über Knochenschäden (Knochennekrosen) bei Verwendung von Osteoporosemitteln vom Typ der Bisphosphonate. Neuerdings wird von Schäden an Kieferknochen bei wiederholter Behandlung mit Bonviva berichtet. Der Nutzen dieses Mittels für Frauen mit hohem Risiko für Knochenbrüche ist nicht gesichert. (arznei-telegramm, Jg. 40, 4/2009, S. 39)


Brustkrebsmittel Tamoxifen

(enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Tamoxifen + Firmenbezeichnung)

Das Krebsmittel Tamoxifen wird erst im Körper zu wirksamen Molekülen umgewandelt. Dazu braucht es das Enzym CYP2D6. Manchen Menschen fehlt dieses Enzym, wodurch die Wirksamkeit von Tamoxifen beeinträchtigt ist. Es gibt aber auch Medikamente, die dieses Enzym unterdrücken. Dazu gehören insbesondere Antidepressiva, die Patienten mit Brustkrebs häufig einnehmen. An der Spitze liegen: Fluoxetin (enthalten z.B. in Fluctin, Fluoxetin-ratiopharm), Paroxetin (enthalten z.B. in Seroxat, Tagonis), aber auch Sertralin (enthalten z.B. in Gladem, Zoloft), Citalopram (enthalten z.B. in Cipramil). Auch manche Herzmittel, Pilzmittel, Schmerzmittel sowie Allergiemittel können das Enzym an seiner Wirkung hindern und damit die Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigen. (Worst Pills Best Pills Newsletter 1.3.2009)


Erhöhtes Suizidrisiko bei Antidepressiva vom Typ der SSRI

(enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Citalopram + Firmenbezeichnung, Fluctin, Seroxat)

Die Überprüfung von 8 Studien mit insgesamt 200.000 Patienten mit Depressionen hat ergeben, dass durch die Behandlung mit Antidepressiva vom Typ der SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) die Suizidrate bei Erwachsenen sinkt, bei Jugendlichen hingegen deutlich steigt. Derartige Antidepressiva sollten deshalb bei Jugendlichen nur bei sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken verwendet werden. (Canadian Medical Asssociation Journal 2009, 3. Febr.; 180 (3): 291-197)


Erhöhte Gewaltbereitschaft durch Antidepressiva vom Typ der SSRI

(enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Citalopram + Firmenbezeichnung, Fluctin, Paroxetin, Seroxat, Zoloft)

Psychiater übersehen häufig, dass Antidepressiva vom Typ der SSRI Aggressivität und Gewaltbereitschaft fördern können. Die Bewertung der Nutzen-Risiko-Bilanz wird durch Datenmanipulationen von Firmen und mit ihnen verbundenen Medizinern erschwert: Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnte bereits 2005 vor impulsiven, gefährlichen Handlungen bei Kindern und Jugendlichen, die Antidepressiva vom Typ der SSRI einnehmen. Eine Analyse britischer Autoren zum Gewaltpotenzial des Mittels Paroxetin bei 15.500 Kindern und Erwachsenen ergab, dass „feindseliges Verhalten“ gegenüber Plazebo auf das Doppelte steigt; bei Zoloft-Anwendern tritt um 8 mal häufiger aggressives Verhalten auf (8% gegen 1 %bei Plazebo). Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich das häufiger als bei Erwachsenen (arznei-telegramm, Jg 40, 4/ 2009)


FSME trotz Zeckenimpfung

Ein Schweizer Pilzesammler, der vor sechs Jahren eine FSME-Impfung korrekt erhalten hatte, kam mit typischen Symptomen einer Meningoenzephalitis ins Krankenhaus, und musste fünf Tage lang intensivmedizinisch behandelt werden. Der Verdacht auf FSME bestätigte sich, nach der Behandlung erholte sich der Patient wieder vollständig. Dieser Fall belegt, dass der Impfschutz der Zeckenimpfung bei Personen über 50 weniger zuverlässig ist als bei jüngeren. Bei Hochrisikopersonen, die sich viel im Freien aufhalten, sollte der Schutz durch eine entsprechende Blutuntersuchung einen Monat nach der letzten Impfung überprüft werden. (Schweizerisches Medizinisches Forum 9/2009, S. 307-308)


Missbrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln vom Typ der Benzodiazepine

(enthalten z.B. in Dalmadorm, Generika mit den Namen Flunitrazepam oder Nitrazepam + Firmenbezeichnung, Radedorm, Temesta)

Es gibt in Deutschland wesentlich mehr Menschen, die von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine abhängig sind, als bisher bekannt. Schuld daran sind offenbar die Ärzte, die die medizinischen Leitlinien nicht beachten und zwei von drei Rezepten privat ausstellen. Privatrezepte verschleiern das wahre Ausmaß des Missbrauchs, denn sie gehen nicht in die Verordnungsstatistik ein. Das Hamburger Institut für Sucht- und Drogenforschung hat festgestellt, dass 1,5 Millionen Deutsche Rezepte für süchtig machende Mittel erhalten, und zwar für einen längeren Zeitraum, als in den Leitlinien festgehalten ist. Für 130.000 Menschen bedeutet das schwere Abhängigkeit, aus der sie sich kaum selbst befreien können. Studienleiter Peter Raschke kritisiert das als „Beihilfe zur Sucht.“ (Ärztliche Praxis, 20.4.2009)


Epilepsiemittel mit dem Wirkstoff Valproinsäure sollte von Schwangeren nicht verwendet werden

(z. B. Convulex, Ergenyl, Orfiril)

Schwangere, die ein Epilepsiemittel mit dem Wirkstoff Valproinsäure einnehmen, riskieren damit, dass ihre Kinder einen geringeren Intelligenz-Wert erreichen - das zeigte sich bei der Untersuchung von 260 einjährigen Kindern. Da Valproidinsäure auch zu Missbildungen führen kann, sollten Frauen, die schwanger werden können, diese Mittel nicht erhalten. (Physician’s First Watch, 16.04.09)


Pegyliertes Interferon alfa 2b

Auf der Jahrestagung der EASL (European Association für the Study of the Liver) wurden zwei Studien des Kompetenznetzes Hepatitis vorgestellt, die von 2003 bis 2006 durchgeführt worden waren. Die HCV-III-Studie - bei der Patienten von 72 Zentren beteiligt waren - sollte klären, ob bei akuter Hepatitis C die Behandlung sofort oder erst nach 12 Wochen einsetzen sollte, wenn es inzwischen nicht zu einer spontanen Ausheilung gekommen wäre. Die sofortige Therapie mit pegyliertem Interferon alfa 2b über 24 Wochen schnitt am besten ab. Die REDD-2/3-Studie sollte klären ob Patienten mit chronischer Hepatitis C und dem Genotyp 2 oder 3 auch mit kürzerer Therapie und reduzierter Medikamentendosis profitieren können. Das Ergebnis: Die 24-Wochen-Therapie ist in den meisten Fällen weiterhin angezeigt, die Dosis des Medikaments kann um ein Drittel verringert werden. (ärztliche praxis, News 10.5.09)


Xenical rezeptfrei =Alli

Seit April wird der Lipasehemmer Orlistat (z.B. in Xenical), der das Abnehmen erleichern soll, in halber Dosierung unter dem Namen Alli rezeptfrei angeboten, flankiert von einer massiven Marketingkampagne. Unter der Alli-Dosierung geht das Körpergewicht bei Body-Mass-Index zwischen 28/m2 und 43/m2 innerhalb von sechs Monaten um 2 bis 2,8 kg stärker zurück als unter Plazebo. Wird Orlistat abgesetzt, nimmt das Gewicht wieder zu – nach einem Jahr unterscheidet sich der Gewichtsverlust in nichts von dem bei Plazebo. Die Nebenwirkungen sind unangenehm: bei 10 Prozent kommt es zu öligem Stuhlabgang; häufig auch zu Bauchschmerzen und Stuhlinkontinenz. In den USA rät der Hersteller Alli-Anwendern deshalb, dunkle Hosen und Kleidung zum Wechseln bei sich zu tragen. Eine Alli-Packung zu € 59,90 reicht für 4 Wochen – Facit: man kann sich Geld und die unangenehmen Erfahrungen sparen, wenn man Alli nicht nimmt. (arznei-telegramm 2009, Jg. 40, Nr. 5)


Nahrungsergänzungsmittel Hydroxycut

Am 1. Mai hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA eine Warnung für sogenannte Hydroxcut-Präparate ausgesprochen und von einer Einnahme abgeraten. Hydroxycut-Mittel (unter einigen Namensvarianten) werden fälschlich als Schlankheitsmittel beworben und werden in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Der Warnung Vorangegangen waren Berichte über insgesamt 23 Fälle schwerer Leberschäden und einem Todesfall.


Cholesterinsenker vom Typ der Statine (enthalten z.B. in Simvastatin-ratiopharm; Sortis und anderen)

Patienten, die ihre Behandlung mit Statinen ernst nehmen und die Medikamente regelmäßig einnehmen, haben ein um 45 bzw. 51 Prozent geringeres allgemeines Sterberisiko. Das ergab eine Analyse der Krankengeschichten von nahezu 230.000 Personen mit und ohne Herzerkrankungen, die über vier bzw. fünf Jahre dauerte. Wahrscheinlich beruht der positive Effekt auf der entzündungs- und thrombosehemmenden Wirkung. (Archives of Internal Medicine 2009; 169:260-268)


Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen – Metoclopramid (enthalten z.B. in Gastrosil, MCP Stada)

Metroclopramid beschleunigt die Verdauung und wird als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. In Deutschland ist der Stoff in Form von Tabletten, Kapseln, Retardkapseln, Tropfen und Zäpfchen erhältlich, zum Beispiel: Cerucal, Gastronerton, Gastrosil, MCP AL, MCP Stada, MCP-beta, MCP von ct, MCP-Hexal, MCP-Isis,, MCP-ratiopharm, Paspertin. Nun hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) Ende Februar allen Herstellern von Mitteln, die Metroclopramid enthalten, vorgeschrieben eine Warnung auf dem Beipackzettel anzubringen: Patienten, die eine hohe Dosis oder das Mittel länger als drei Monate anwenden, seien in Gefahr. Das gelte vor allem für ältere Menschen, insbesondere Frauen. Wörtlich heißt es: Die Einnahme „sollte vermieden werden, bis auf die wenigen Fälle, in denen der Nutzen das Risiko überwiegt.“ (Physician’s First Watch, 27.02.09)


Antidepressivum Sertralin (enthalten z .B. in Gladem, Zoloft und anderen) am besten

Eine neue Übersichtsstudie untersuchte den Nutzen gängiger Antidepressiva an insgesamt fast 30.000 Patienten in den Jahren 1991 - 2007. Signifikant wirkungsvoller als andere waren die Wirkstoffe Escitalopram (enthalten z.B. in Citralex), Mirtazapin (enthalten z.B. in Remergil), Sertralin (enthalten z.B. in Gladem und Zoloft) und Venlafaxin (enthalten z.B. in Trevilor). Für den Beginn der Therapie bei mittlerer bis schwerer Depression scheint Sertralin das beste Mittel zu sein. (Lancet, Early online publication, 29.01.09)


Kopflausmittel Etopril: Feuer am Kopf

Einige Kinder und Erwachsene, die während der Behandlung mit dem Kopflausmittel Etopril einem Feuerzeug oder einer Kerze zu nahe kamen, erlitten schwere Verbrennungen, weil das Haar Feuer fing und nur schwer zu löschen war. Das berichtete das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Etopril enthält die Wirkstoffe Dimeticon und Cyclometicon. Die Berliner Fachzeitschrift „arznei-telegramm“ rät aus diesem Grund ab von der Verwendung von Etopril.
Auch bei anderen Kopflausmitteln wie Ducray Itax oder Nida besteht der Verdacht, dass sie leicht entflammbar sind. (blitz-a-t, 28.01.09)


Bisposphonate

Werden Bisphosphonate gegen Ostoeporose über einen längeren Zeitraum eingenommen, besteht die Gefahr, dass die Knochen weich werden und brechen können. Die Brüche entstehen an anderen Stellen als typische Osteoporosebrüche und es kann ihnen eine Phase monatelanger schwerer Schmerzen vorausgehen. Anders als andere Medikamente bleiben Bisphosponate noch Jahre nach ihrem Absetzen im Körper. Nach fünf Jahren Einnahme scheinen die Risiken ihren Nutzen zu überwiegen. Zum Schutz vor Osteoporose sollte man darauf achten, durch die Ernährung und eventuell zusätzliche Medikamente täglich folgende Mengen an Kalzium und Vitamin D einzunehmen: Kalzium: Frauen 1000 Milligramm, Männer 1500 Milligramm.
Vitamin D: 10 Mikrogramm ab dem Alter von 50 und 15-18 Mikrogramm ab einem Alter von 70. Diese Werte gelten sowohl für Männer als auch Frauen. (Worst Pills Best Pills Newsletter, Januar 2009)
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2008 einen Standard namens „FRAX“ entwickelt, der auf den persönlichen Risikofaktoren Betroffener beruht (www.NOF.org und www.shef.ac.uk/FRAX) und der US-amerikanischen Osteoporose-Foundation NOF als Grundlage für neue Leitlinien dient: Liegen keine Risikofaktoren vor, soll bei Frauen ab 65 und Männer ab 70 eine Untersuchung der Knochendichte durchgeführt werden. Liegen Risikofaktoren vor, sollte die Knochendichte bei Frauen schon nach dem Wechsel und bei Männern ab 50 untersucht werden. Auch nach einem Knochenbruch sollte eine entsprechende Untersuchung durchgeführt werden. In der Folge sollte jedes zweite Jahr ein Knochentest durchgeführt werden. (Clinician’s Guide to Prevention and Treatment of Osteoporosis 2008)


Warnung vor Aeromax, Serevent (Salmeterol) und Foradil (Formoterol)

Das Expertengremium der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt, bei Asthma bronchiale keine langwirksamen Betaantagonisten wie Aeromax, Serevent oder Foradil einzusetzen und plädiert für ein Verbot dieser Medikamente. Eine Übersichtsstudie, in der 61.000 Patienten einbezogen waren, hatte gezeigt, dass unter dieser Behandlung die Anzahl der Krankenhausaufenthalte, der Beatmungs-Notwendigkeit und auch der Todesraten deutlich anstieg. Die Anwendung einer Fixkombination mit Kortison, wie etwa in Viani (Someterol+Fluticason) und Symbicort (Formoterol+Budesonid), wird für akzeptabel erachtet. Die FDA ist nicht an die Bewertungen der Expertenkommissionen gebunden, sie hat noch keine Entscheidung gefällt. Ist bei Asthma eine Dauertherapie notwendig, gelten Kortikoide zum Inhalieren als Mittel der Wahl. (blitz-at, 12.12.2008)


Strattera (Atomoxetin) – vom lockeren Umgang mit Studiendaten

Zwischen 2004 und 2008 wurden der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA sechs Fälle von schweren Lebererkrankungen wie Hepatitis und Leberversagen bei Behandlung mit Strattera als Mittel gegen Überaktivitätstörung (ADHS) bei Kindern und Erwachsenen gemeldet. Ein betroffener Erwachsener war gestorben. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat ursprünglich von vier Todesfällen bei Kindern unterschiedlichen Alters berichtet, zwei aus dem Ausland. Nach einer Sendung des ZDF (Fronatal 21 am 9. Dezember 2008) gab der Leiter der Abteilung für Pharmakovigilanz im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung am 10.12.08 an, es handle sich tatsächlich nur um einen Todesfall; der 16-Jährige hätte Suizid begangen. Im Hinblick auf 237 Verdachtsberichte zu Strattera wiegelte er ab, das sei „nicht viel angesichts der Häufigkeit, mit der Strattera verschrieben wird.“ Im Gegensatz dazu warnt die amerikanische Arzneimittelbehörde Patienten und Ärzte, sie sollten während der Behandlung mit Strattera auf Symptome wie Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, dunklen Urin, Verfärbung von Augapfel und Haut oder unerklärliche „Grippesymptome“ achten und in diesem Fall die Behandlung abzubrechen. (Drug and Safety Newsletter, 2/1, 2009; blitz-a-t, 19.12.08)


Neuer Beweis: Hormontherapie nach den Wechseljahren erhöht das Brustkrebsrisiko

Die bekannte WHI-Studie (Womans-Health-Initiative), die Nutzen und Risiko einer Hormontherapie mit Kombinationsmittel (Östrogen und Gestagen) für Frauen nach dem Wechsel untersuchen sollte, wurde 2002 unter anderem deshalb abgebrochen, weil das Brustkrebsrisiko unter dieser Behandlung deutlich anstieg. Ein Forscherteam der University of California in Los Angeles beobachtete die 15.000 beteiligten Frauen weiter und verglich diese Gruppe mit weiteren 40.000 Frauen, denen freigestellt wurde, Hormone einzunehmen. Für die Risiken sensibilisiert, verzichtete ein Großteil der Teilnehmerinnen auf Hormone. In beiden Gruppen zeigten sich ähnliche Trends: Nach Abbruch der Hormontherapie sank die Zahl der Brustkrebserkrankungen um knapp ein Drittel pro Jahr. Bei Frauen, die sich trotz Risiko für eine Hormontherapie entschieden hatten, blieb das Risiko erhöht. Bei Hormoneinnahme von mehr als fünf Jahren verdoppelte sich das Risiko jährlich. Dies bestätigt: Hormontherapie mit Kombinationsmitteln, die Östrogen und Gestagen enthalten, erhöht eindeutig das Brustkrebsrisiko. Eine Therapie nur mit Östrogen hingegen beeinflusste das Brustkrebsrisiko nicht.. (New England Journal of Medicine 360 (2009) 573-587, Januar 2009)


Langzeitwirkung von HPV-Impfstoffen (Gardasil und Cervarix) noch unklar

Seit zwei Jahren sind Impfstoffe gegen humane Papillomviren (HPV; zugelassen sind Gardasil und Cervarix), die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, auf dem Markt. Ihr Nutzen ist umstritten und hat zu heftigen Diskussionen geführt. Für die Marktzulassung wurden die Impfstoffe ausgerechnet an jener Patientinnengruppe nicht untersucht, für die diese Impfung propagiert wird: vorpubertäre Mädchen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten.
Bis jetzt weiß man nicht, wie lange der Impfschutz tatsächlich wirkt, denn der Beobachtungszeitraum ist sehr kurz. Außerdem wirken die Impfungen nur gegen die HPV-Virentypen 16 und 18, doch Mischinfektionen mit weiteren der gefährlichen 13 bis 15 HPV-Virentypen sind häufiger als früher angenommen. Die Berliner Fachzeitschrift „arznei-telegramm“ hält deshalb die Bestrebungen, möglichst viele junge Mädchen zu impfen, für „nicht gerechtfertigt“ (arnei-telegramm 2008, Jg.39 Nr. 9/92, Nr. 12/125). Erst in 20 bis 30 Jahren wird man wirklich wissen, welche Wirkung die Impfung auf die Rate von Gebärmutterhalskrebs hat. (Ärztliche Praxis, 15.12.2008).
Eine medizinische Studie über Ursachen, Häufigkeit und Verlauf von HPV-Infektionen in Hawai hat einige unerwartete Ergebnisse erbracht. 972 Frauen zwischen 18 und 85 Jahren wurden untersucht und über einen längeren Zeitraum beobachtet: Ein Viertel von ihnen hatten zu Beginn der Studie eine HPV-Infektion. Das Infektionsrisiko erhöhte sich nicht nur bei steigender Anzahl der Geschlechtspartner, sondern auch bei Alkoholkonsum und Benützung von Hormon-Cremen sowie von Kondomen bei Sexualpartnern. Die meisten Infektionen heilten innerhalb von 6 Monaten von selbst. (Cancer Research 68, 8813-8824, 1.11.08)


Fixe Kombipräparate haben bei Asthma keinen Zusatznutzen

Das Kölner Institut für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Wirksamkeit von fixen Asthma-Wirkstoffkombinationen mit der von Einzelsubstanzen verglichen. Personen, die zusätzlich zur antientzündlichen, inhalativen Behandlung auch Beta-2-Sympathomimetika (Beta-2-Rezeptoragonisten benötigen, profitieren von Fixkombinationen dieser Wirkstoffe nicht, weder in bezug auf die Asthmasymptome, Arzt- und Krankenhausaufenthalte sowie Nebenwirkungen noch in bezug auf Lebensqualität und Belastbarkeit. Der Bericht beruht auf der Auswertung von 16 Studien. (Ärztliche Praxis, 6.11.08)


Osteoporose-Mittel erhöhen Risiko von Herzrhythmusstörungen

Bei Überprüfung zweier gängiger Osteoporose-Mittel – Alendronat (z.B. Fosamax oder Generika mit dem Namen Alendronsäure + Firmenbezeichnung) und Zoledronsäure (in Deutschland nur für krebsbedingten Knochenschwund zugelassen) – durch eine amerikanische Forschergruppe an rund 16.330 Patientinnen und Patienten stellte sich heraus, dass dadurch ein erhöhtes Risiko besteht, dass Herzrhythmusstörungen vom Typ des Vorhofflimmern auftritt. Vor Beginn einer Behandlung sollte deshalb das Risiko sorgfältig abgewogen werden. (CHEST Philadelphia, 24.11.08)


Anämiemittel Epopoetin (EPO; enthalten in Erypo) erhöht die Sterblichkeit

Schon seit Jahren ist bekannt, dass das Anämiemittel Epopoetin (EPO; enthalten in Erypo), das bei Chemeotherapie oder bei Dialyse-Patienten eingesetzt wird und als Dopingmittel bekannt ist, Thrombosen verursachen kann. Eine umfangreiche Übersicht an 13.900 Patienten hat nun ergeben, dass die EPO-Gabe die Sterblichkeit um 17 Prozent erhöht. Die Amerikanische Zulassungsbehörde hat deshalb verfügt, dass EPO bei Tumorpatienten nur noch verwendet werden darf, wenn diese eine Chemotherapie erhalten haben. (Cochrane Database of Systemic reviews 2; 2008;, 4.12.08)


Bluthochdruckbehandlung: am besten mit Diuretika beginnen

Im Rahmen der sogenannten ALLHAT-Studie an über 40.000 Bluthochdruck-Patienten bestätigte sich, dass am Beginn einer Blutdruckbehandlung Thiazid-Diuretika (z.B. in Generika mit dem Namen HTC + Firmenbezeichnung) stehen sollten. Bei dieser Behandlung treten im Vergleich zu Kalziumantagonisten seltener Herzversagen und im Vergleich zu ACE-Hemmern weniger Herzinfarkte auf. (Circulation 2008, online 08.11.08)


Ginkgo biloba (z.B. Cefavora, Tebonin) kann Demenz nicht vorbeugen

Lange galt Ginkgo biloba auch als Vorbeugungsmittel gegen Alzheimer und andere Demenzkrankheiten. Eine große Studie an über 3.000 Personen mit einem Durchschnittsalter von 79, die keine oder nur milde Demenzsymptome zeigten, hat diesen Mythos widerlegt: Die Hälfte aller Patienten erhielt zweimal täglich eine Standarddosis Ginkgo biloba, die andere nur ein Arzneimittel ohne Wirkstoff (Placebo). In den folgenden sechs Jahren wurde bei 523 Personen eine Demenzerkrankung diagnostiziert – ohne Unterschied in den beiden Gruppen. Auch in einer Teilgruppe von Patienten mit nur milden Symptomen hatte Ginkgo biloba keine Wirkung. Diese Ergebnisse decken sich auch mit denen einer Übersichtsstudie, in die 35 kleinere Studien eingeschlossen waren. (JAMA 2008, Nov. 19; 300:2253.) Einer der Autoren der Studie rät von der Verwendung von Ginkgo biloba-Mitteln ab und empfiehlt, das Geld „besser anzulegen.“ (Physician’s First Watch, 19.11.08)


Vitamin C- und Zinktabletten nicht zu empfehlen.

Jede/r vierte Deutsche nimmt Nahrungsergänzungsmittel ein, viele davon enthalten Vitamin C oder Zink. Eine Übersicht in der angesehenen Fachzeitschrift Cochrane-Review analysierte im Jahr 2007 die wichtigsten Studien zu Vitamin C und kam zu dem Schluss, dass eine Hochdosis-Vorbeugung von Erkältungskrankheiten oder Lungenentzündung sinnlos und nur unter folgenden Bedingungen gerechtfertigt sei: Bei sehr hoher körperlicher Belastung oder extremer Kälte. Eine weitere Übersicht zeigt – wie andere Übersichten auch - dass Zink-Lutschtabletten die Dauer von Erkältungen nicht verringern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät von der Einnahme ab. (Ärztliche Praxis, 24.10.08)


Ayurveda-Medikamente oft mit Schwermetallen hoch belastet

In Ayurveda-Präparaten sind häufig die Giftstoffe Blei, Quecksilber, Thallium und Arsen in bedenklichen Mengen enthalten - das gilt insbesondere für Mittel, die über das Internet vertrieben werden. Es handelt sich dabei nicht um Verunreinigungen, denn die Lehre der alten indischen Medizin sieht ausdrücklich den Gebrauch von Schwermetallen vor, um das „Gleichgewicht zwischen den Elementen“ herzustellen. (Medical News today, 14.10.08)


Zimtpräparate: abzuraten

Zimt hat den Ruf, den Blutzuckerspiegel zu senken. Zimtpräparate werden u.a. für Diabetes2-Patienten als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Zu Unrecht, erklärt die Deutsche Diabetes Gesellschaf (DDG), denn es gibt keine seriösen wissenschaftlichen Belege für eine Blutzuckersenkende Wirkung. Da Langzeiteffekte und Nebenwirkungen unbekannt sind, rät die DDG von der Einnahme von Zimtpräparaten ab. (DDG; idw-online.de, 1012.08)


Hormonersatztherapie I

Fördert Hormonersatztherapie Herzinfarkte? Es hängt von der Art der Anwendung ab. Werden die Mittel über die haut oder die Scheide aufgenommne, ist das Risiko geringer als bei der Einnahme. Die Beobachtung an nahezu 700.000 Frauen zwischen 51 und 69 in Dänemark über sechs Jahre (1995 bis2001) ergab insgesamt kein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko. Nur bei jüngeren Frauen zwischen 51 und 54, die in den Studienjahren Hormonersatzmittel (Östrogen und Progesteron) erhielten, stieg es um ein Viertel gegenüber Frauen, die keine bekamen. Auch mit der Dauer der Einnahme erhöhte das Risiko. Wurden die Hormone zyklisch genommen (Östrogen, gefolgt von einer Kombination von Östrogen mit Progesteron), fiel das Risiko. Ebenso, wenn das synthetische Hormon Tibolon genutzt wurde. Auch die Anwendung der Hormone mit Pflaster oder Gel oder in der Vagina senkte das Risiko. Ist ein Hormonersatz notwendig, ist also eine zyklische Einnahme bzw. die Anwendung an der Haut oder in der Vagina vorzuziehen. (Hormon therapy and risk of myocardial infarction: a national register study. European Heart Journal. doi: 10.1093/eurheartj/ehn408).


Hormonersatztherapie II

Hormonersatzmittel erhöhen das Risiko für Reflux. Das ergab eine Übersicht über die Daten von 12.000 Frauen nach der Menopause. (in: Archives of Internal Medicine 2008; 168 (16): 1798-1804)


Vitamin B

Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin B hält Alzheimer nicht auf. Patienten mit Morbus- Alzheimer weisen in der Regel erhöhte Homocystein-Werte im Blut auf. Da Gaben von Folsäure, Vitamin B6 und B12 die Homocystein-Konzentration im Blut senken können erhoffte man sich, mit entsprechender Nahrungsmittelergänzung den Verfall von Kognitiven Fähigkeiten bei Alzheimer-Patienten zu senken. Leider zeigte eine US-amerikanische Studie bei 406 Patienten, die hoch dosierte Vitamin-Supplemente erhielten, dass diese Hoffnung nicht aufgeht. Zusätzlich entwickelten Patienten, die Vitamine erhalten hatten, eher depressive Symptome. (in: JAMA 2008 Oct. 15; 300: 1774-1783)


ASS, ASS+Dipyramidol, Clopidogrel

Der Nutzen einer fixen Kombination von ASS (Acetylsalicylsäure) mit Dipyridamol (z.B. in Aggrenox) zur Vorbeugung von Schlaganfällen galt – im Vergleich mit einer Behandlung nur mit ASS (z.B. Acesal oder Generica mit dem Namen ASS+ Firmenbezeichnung oder Thrombo-ASS) – bisher als umstritten. Nun hat eine Meta-Studie an 20 Tausend Krankenhauspatienten ergeben, dass die fixe Kombination etwa gleich gut wirkt wie Clopidogrel (z.B. in Iscover und Plavix), und beide dem ASS kaum überlegen sind.


Cymbalta, Yentreve

Der Wirkstoff Duloxetin ist in Deutschland unter dem Namen Cymbalta als Antidepressivum und unter dem Namen Yentreve gegen Harninkontinenz zugelassen. Wegen möglicher Risiken, wie erhöhter Suizidgefahr, hat die US-Gesundheitsbehörde FDA – wie in den BIPI berichtet - die Zulassung gegen Harninkontinz verweigert. Nun meldet die FDA ein weiteres Risiko von Cymbalta: Harnverhalten. (Adverse Reporting System (AERS), January-March 2008, 09.09.08)


Ketoconazol

Bei Pilzmittel mit Ketoconazol, die auf die Haut aufgetragen werden (z.B. in Nizoral), sind als Nebenwirkung Verwirrung aufgetreten, meldet die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA und rät Patienten, die eine Creme mit Ketoconazol verschrieben bekommen haben, mit ihrem Arzt zu sprechen. (Adverse Reporting System (AERS), January-March 2008, 09.09.08)


Warfarin

Als Gerinnungshemmer wird Warfarin erfolgreich eingesetzt und schützt Patienten mit Vorhofflimmern vor einem Schlaganfall durch Gefäßverschluss. Allerdings kann sich durch Warfarin das Risiko erhöhen, dass ein Blutgefäß im Gehirn reißt und es zu einer Blutung kommt. (in: Neurology 2008; 71:1084-1089)


Vitamin C-Präparate könnten Chemotherapie behindern

Während natürliches Vitamin C unproblematisch ist, können Vitamin-C-Präparate die Wirksamkeit einer Reihe von Krebsmitteln erheblich beeinträchtigen – das haben Forscher aus den USA an Zell- und Tierversuchen herausgefunden. Sie meinen, das könnte auch für Menschen gelten und halten zusätzliche Vitamin-C-Einnahme bei Krebsbehandlung für problematisch.(in: Cancer Research 68, 8031-8038, 1. Oktober 2008)


Acomplia vom Markt genommen

Anfang November wurde das Schlankheitsmittel Acomplia wegen schwerer Nebenwirkungen (mehrere Todesfälle) weltweit vom Markt gezogen. In den USA war dem Mittel wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses gar keine Zulassung erteilt worden.


Clomifen

Ist die Unfruchtbarkeit bei Paaren nicht erklärbar, kann zu warten ebenso effektiv sein wie eine Behandlung mit Clomifen, das den Eisprung fördert, oder mit Insemination (Einbringen des männlichen Samens). Das ergab eine Studie, an der mehrere englische Zentren beteiligt waren: Es wurden drei Gruppen von je 193 Frauen verglichen - die einen bekamen eine Clomifen- Behandlung, die anderen eine Insemination ohne hormonelle Stimulierung; die Kontroll-Gruppe wurde nicht behandelt. Im Vergleich zu nur 17 und 14 Prozent, kam es in der Wartegruppe zu 23 Prozent Lebendgeburten. Allerdings fiel es den Frauen leichter, eine Behandlung zu ertragen, als einfach zu warten. (British Medical Journal 2008; 337: a716)


Topamax

Werdende Mütter, die im ersten Drittel der Schwangerschaft Topamax einnehmen – ein Mittel gegen Epilepsie und für die Migräne-Prophylaxe -, haben ein erhöhtes Risiko, ein Kind mit körperlichen Missbildungen auf die Welt zu bringen, insbesondere wenn Topamax mit Epilepsiemitteln, die Valproinsäure enthalten (z.B. Valproat plus Herstellername) , kombiniert wird. (Neurology, Bericht Physician’s First Watch, Juli 08)


Telmisartan

Der Angiotensin-Rezeptor-Blocker Telmisartan (z.B. in Kinzalmiono, Micardis) bringt keinen Überlebensvorteil. Er senkt zwar, wenn nach einem Schlaganfall eingenommen, den Blutdruck, nicht aber das Risiko, neuerlich einen Insult zu erleiden. Das ergab eine internaleVergleichstudie an 20.000 Patienten. Ein Beleg dafür, dass es dem Patienten nicht unbedingt zum Vorteil gereichen muss, wenn ein Risikofaktor gesenkt wird. (New England Journal of Medicine, August 08)


Telmisartan und Ramipiril

Eine Kombination der beiden Mittel bringt keinen Vorteil bei Proteinurie. Sowohl so genannte ACE-Hemmer als auch ARB (Angiotensin-Rezeptorblocker) können Eiweiß im Harn (Proteinurie) verringern. Lancet veröffentlicht nun eine über fünf Jahre laufende Studie (ONTARGET, in die nahezu 26.000 Patienten über 55 mit Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes oder Organschäden einbezogen waren. Es zeigte sich, dass die jeweils alleinigen Gabe von Ramipril (z.B. in Ramipril + Herstellernamen) oder Telmisartan (z.B. in Kinzalmono, Micardis) vergleichbar wirksam ist. Die Kombination der beiden Mittel hat zwar eine etwas bessere Wirkung, ist aber auch mit höheren Risiken verbunden. (Ärztliche Praxis, 18. August 08)


Fluvastatin (z.B. in Cranoc, Locol)

Statin-Therapie verbessert das Ergebnis von Gefäßoperationen. Zwischen Juni 2004 und April 2008 nahmen knapp 500 Patienten an einer Studie teil. Jene Gruppe, die vor und nach einer Gefäßoperation zusätzlich zur herkömmlichen Betablocker-Therapie einen Lipidsenker mit Fluvastatin erhielt, hatte einen klaren Vorteil gegenüber den anderen Patienten. Das Risiko von Herzinfarkt oder Tod innerhalb von 30 Tagen nach der OP war mit 4,8 Prozent nur halb so groß, wie das der anderen. Den DECREASE III-Bericht referierte Prof. Don Poldermans aus Rotterdam beim Münchner Kongress der Gesellschaft für Kardiologie. (September 08)


Statine schützen möglicherweise vor Demenz

Wissenschafter der University of Michigan fanden Hinweise darauf, dass das Demenz-Risiko durch Statine, die normalerweise zur Senkung des Risikos von Herz-Erkrankungen eingenommen werden, gesenkt werde. Sie untersuchten über einen Zeitraum von 5 Jahren mehr als 1.600 Patienten über 60. (Neurology Juli 08)


Statin-Therapie verlängert das Überleben

Patienten, die nach einem Myocard-Infarkt die vom Arzt verschriebene Statin-Therapie unterbrechen, erhöhen ihr Sterberisiko um 88 Prozent. Das stellte sich bei der Auswertung der Daten der General Practice Research Database der UK von 2002 bis 2004 heraus. (European Heart Journal Advance Access online, 29. Juli 2008)


Ayurveda-Mittel

Die Fachzeitschrift JAMA berichtet, dass Forscher 200 verschiedene Medikamente der traditionellen Ayurvedischen Medizin via Internet bestellt haben und feststellen mussten, dass jedes fünfte Mittel – ob in den USA oder in Indien erzeugt - giftige Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Arsen in unerlaubter Höhe enthält. Die Forscher regen die Behörden dazu an, auch für Nahrungsergänzungsmittel Grenzen für die Belastung mit Schwermetallen vorzuschreiben. (Journal of Amaerican Medicine Assotiation, Bericht August 08)


Champix

Die Liste von gefährlichen Nebenwirkungen der Anti-Raucher-Pille Champix wird immer länger. Im letzten Vierteljahr 2007 erhielt die US-Gesundheitsbehörde FDA nahezu 1000 Meldungen über schwere Nebenwirkungen wie Aufmerksamkeits- und Sehstörungen, Muskelkrämpfe, akuter Herzinfarkt, lebensgefährliche Herzrhytmusstörungen, schwere Hautreaktionen, Krämpfe, Diabetes, plötzliche Ohnmacht, Verhaltensstörungen und psychiatrische Erkrankungen.
Von Mai bis Dezember 2007 wurden 227 Suizidversuche und Suizide bekannt, 397 Fälle von Psychosen und 525 Meldungen von Aggressionshandlungen. Darüber hinaus kam es zu 173 Unfällen mit schweren Folgen. Die Risiken treffen nahezu jeden vierzehnten der Champix-Nutzer. Weil nur einer von vier Rauchern mit Hilfe des Medikamentes ein Jahr das Rauchen bleiben lässt, und schon bisher zahlreiche Nebenwirkungen bekannt waren, haben wir in der Bittere-Pillen-Ausgabe 2008-10 bereits von der Verwendung abgeraten.
Die Berliner Fachzeitschrift „ arznei-telegramm “ sagt ebenfalls klar und deutlich:„ Bei dürftigem und riskanten Sicherheitsprofil raten wir dringend von der Anwendung ab. “


Antibiotika vom Typ der Gyrasehemmer (Fluorchinolone)

Die US-Gesundheitsbehörde FDA forderte im Juli 2008 von den Herstellern von Antibiotika vom Typ der Gyrasehemmer, in den Beipackzetteln vor dem hohen Risiko von Sehnenentzündungen und Sehnenabriss zu warnen. Zu den gängigen Gyrasehemmern in Deutschland zählen die Wirkstoffe Ciprofloxacin (z.B. in Generika mit dem Namen Ciprox oder Ciprofloxazin + Herstellername), Levofloxacin (z.B. in Tavanic), Moxifloxacin (z.B. in Actimax), Norfloxacin (z.B. in Firin) und Floxacin (in Generika mit dem Namen Oflox oder Ofloxacin + Herstellername). Personen über 60, die Kortisonmedikamente einnehmen oder ein Nieren-, Herz- oder Lungentransplantat haben, sollten Antibiotika vom Typ der Gyrasehemmer bei Schwellungen oder Sehnenschmerzen absetzten und sich mit dem Arzt beraten. Die Warnung gilt nicht für Augenmittel, in denen diese Wirkstoffe enthalten sind.


Multiple Sklerose-Mittel Tysabri

Sowohl die europäische als auch die Amerikanische Arzneimittelbehörde haben daraufhingewiesen, dass das gegen Multiple Sklerose verwendete Mittel Tysabri bereits nach den ersten Infusionen die Leber schädigen kann. In den Zulassungsunterlagen gab es noch keine Hinweise auf diese Nebenwirkungen.


Neuroleptika

Warnung vor der Behandlung bei Patienten mit Demenz
1.Neuroleptika werden nicht nur gegen Schizophrenie, für die sie zugelassen sind, sondern auch bei Demenz-bedingten Symptomen verschrieben. Die US-Gesundheitsbehörde FDA warnte im Juni 2008 vor dieser Verwendung: Sowohl die älteren, konventionellen als auch die neueren „atypischen“ Neuroleptika erhöhen bei Dementen die Todesrate.


Avelox

Warnung des Herstellers Bayer. Aufgrund einer Routine-Analyse
vorliegender Daten hat der Pharmakonzern Bayer – nach einer ersten Warnung im Jahr 2007 - nun neuerlich in Briefen an europäische Ärztegewarnt, dass das Antibiotikum Avelox zur Behandlung von Infektionen der Atemwege in sehr seltenen Fällen zu schweren Leber- und Hautschäden führen kann. (Meldung vom Februar 2008). Avelox ist eines der von Bayer meistverkauften Medikamente mit einem Umsatz von 400 Millionen Euro im Jahr 2006, der 2007 weiter gestiegen ist.


Enbrel

Warnung der US-Gesundheitsbehörde FDA (Meldung vom Mai 2008)
Enbrel, ein Mittel gegen rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), kann schwere Infektionen fördern. Ärzte sollten vor der Verschreibung eine latente Lungenentzündung ausschließen. Bei Infektionskrankheiten sollte das Mittel abgesetzt werden.


Actos und Avandia

Warnung vor Knochenbrüchen
Eine Kontrolle der Krankheitsdaten von 5000 Diabetikern in Großbritannien hat ergeben, dass Patienten, die Langzeittherapie mit den Wirkstoffen Risoglitazon (in Avandia) oder Pioglitazon (in Actos) erhalten, ein 2,4faches Risiko haben, einen Knochenbruch zu erleiden. Andere Antidiabetika erhöhen das Knochenbruchrisiko nicht. (Meldung in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine, April 2008). In den Bitteren Pillen wurde schon in der vorigen Ausgabe beiden Medikamenten wegen zweifelhafter Wirkung abgeraten.


Aranesp

Warnung der US-Gesundheitsbehörde FDA vom März 2008
Das bei Krebstherapien oder Nierenversagen häufig verwendete Mittel Aranesp gegen Blutarmut steigert bei hoher Dosierung das Todesrisiko beziehungsweise die Gefahr, dass Tumoren wachsen. Das Mittel sollte keinesfalls mehr als Therapie gegen Krebs, und nicht gegen Anämie bei Brustkrebs und Gehirnkrebs eingesetzt werden.


Phenytoin

Hinweis auf Knochenschwund bei Frauen
Frauen vor den Wechseljahren, die mit dem Antiepileptikum Phenytoin (enthalten z.B. in Phenhydan, Zentropil) behandelt werden, haben ein stark erhöhtes Risiko von Knochenschwund. Andere Antiepileptika haben keine derartige Nebenwirkung. Dies ist das Ergebnis einer Beobachtungsstudie an 93 Frauen, die ein Jahr lang unterschiedliche Antiepileptika erhielten. Ergebnisse dieser Studie wurden im April 2008 in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.


Betablocker

Hinweis auf erhöhtes Sterbesrisiko
Betablocker sind seit Jahrzehnten erprobte Mittel zur Senkung des Herzinfarktrisikos. Manche Ärzte geben Risikopatienten vor Operationen auch Betablocker, um einen Herzinfarkt zu vermeiden. Dahinter liegt der Gedanke, dass Betablocker die Folgen von Stresshormonen lindern, die bei Operationen entstehen. Die englische Fachzeitschrift Lancet berichtete im Mai 2008 über eine Studie an 190 Krankenhäusern mit über 8000 Patienten, bei denen eine Hälfte 30 Tage vor der Operation Betablocker, die andere nur Placebos (Scheinmedikamente ohne Wirkstoff) erhielten. Es stellte sich heraus, dass Patienten, die Betablocker erhielten, zwar seltener Herzinfarkte erlitten, aber ihr Risiko, nach der Operation zu sterben, dreimal so hoch war wie für die Kontrollgruppe. Das Ergebnis erinnert an den bekannten Arztwitz: Operation gelungen, Patient tot.


Spiriva

Hinweis auf mögliche Risiken
Spiriva ist ein noch wenig erprobtes Mittel gegen obstruktive Lungenerkrankungen (COPD). Im März 2008 warnte die US-Gesundheitsbehörde FDA Ärzte vor einem möglicherweise erhöhten Schlaganfallrisiko beim Medikament Spiriva.


Cellcept

Neuerliche Warnung der FDA wegen Abortgefahr und Missbildungen im Mai 2008
Cellcept ist geeignet, um die Abstoßung eines Organimplantats zu verhindern, wird aber auch eingesetzt zur Behandlung von Lupus erythematosus und rheumatoider Arthritis. Nehmen Schwangere das Mittel ein, besteht die Gefahr von schweren Missbildungen beim Kind.


Paracetamol

Paracetamol künftig auf Rezept
Der deutsche Bundestag stimmte einer Gesetzesänderung zu, nach der ab 1. April 2009 das Schmerz- und fiebersenkende Mittel Pracetamol rezeptpflichtig wird, wenn eine Medikamentenpackung mehr als 10 Gramm des Wirkstoffs enthält. Der Hintergrund dieser verschärften Regelung: Weil bei diesem Mittel die Bandbreite zwischen unschädlicher und gefährlicher Dosierung besonders schmal ist, treten häufig Leberschäden auf. Besonders gefährdet sind Übergewichtige mit einer Fettleber.


Schmerzpflaster

Warnung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Mai 2008)
Schmerzpflaster sollten nie zerschnitten werden, denn wenn der halbflüssige Inhalt auf die Haut gelangt, kann es zu schweren, lebensbedrohlichen Vergiftungen kommen. Auch verbrauchte Schmerzstoffpflaster enthalten Reste der Arzneien und sollten sorgfältig entsorgt werden.


Husten- und Erkältungsmittel

Warnung der US-Gesundheitsbehörde FDA: Kinder unter zwei Jahren sollten auf keinen Fall rezeptfreie Husten- oder Erkältungsmittel erhalten, weil sie nicht wirksamer sind als Placebos (Scheinarzneimittel ohne Wirkstoff) und folgende lebensgefährliche Nebenwirkungen haben können: Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinstrübungen, epileptische Anfälle. Zahlreiche Todesfälle sind dokumentiert. Die US-Konsumentenschutzorganisation „Public Citizen’s Health Research Group“ fordert sogar ein Verbot aller rezeptfrei erhältlichen Husten- und Erkältungsmittel für alle Kinder unter 12 Jahren.


Tamiflu

Meldung des Robert-Koch-Instituts in Berlin: Etwa 20 Prozent aller Grippeviren sind immun gegen das Grippemittel Tamiflu. Das bedeutet, dass Tamiflu bei etwa jedem fünften Patienten/jeder fünften Patientin keine Wirkung hat.


Verhütungspflaster Ortho Evra

Warnung der US-Gesundheitsbehörde FDA: Bei diesem in den USA erhältlichen Pflaster, das einmal wöchentlich auf die Haut geklebt wird und einen ähnlich zuverlässigen Empfängnisschutz bietet wie Antibabypillen, besteht ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko von Venenthrombosen. In Deutschland und Österreich ist ein ähnliches Pflaster mit dem Namen Evra auf dem Markt. Dessen tägliche Hormonabgabe ist laut dem Hersteller von Evra genauso hoch wie bei Ortho Evra. Experten der deutschen Fachzeitschrift arznei-telegramm äußern den Verdacht, dass deshalb auch bei Evra ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko von Venenthrombosen besteht.


Botox

Warnung der US-Konsumentenschutzorganisation „Public Citizen’s Health Research Group“: Das Nervengift Botulinum, das unter dem Markennamen Botox hilft, Falten zu glätten und spastische Muskelverkrampfungen zu lösen, kann nach der Injektion in andere Körperteile wandern und lebensgefährliche Nebenwirkungen verursachen. In den USA wurden 160 Fälle von Atemlähmungen, schwer wiegenden Schluckbeschwerden und Lungenentzündungen dokumentiert. Solche Reaktionen können noch Wochen nach der Injektion auftreten.


Antiepileptika

Warnung der US-Gesundheitsbehörde FDA: Bei allen Antiepileptika besteht ein erhöhtes Risiko von suizidalem Verhalten.