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Medikamentenmissbrauch

Wann ist man süchtig?
Wenn man den unwiderstehlichen psychischen oder körperlichen Drang hat, ein bestimmtes Medikament zu nehmen; wenn man sich selber oder anderen über den Pillenkonsum etwas vorschwindelt; wenn man sich ein bestimmtes Medikament mit allen Mitteln, unter Umständen auch illegalen, besorgt oder besorgen lässt.
Medikamentensucht tritt meistens bei Frauen auf (Männer suchen eher Trost im Alkohol). Die typische Süchtige ist unauffällig, ordentlich, angepasst und fällt sehr lange nicht auf – meist erst dann, wenn durch Beruhigungs- oder Schlafmittelsucht schwerwiegende Stürze oder Unfälle auftreten.

Welche Medikamente werden missbraucht?

Beruhigungs- und Schlafmittel vom Typ der Benzodiazepine
Zum Beispiel Valium u.a. Solche Medikamente sollten normalerweise nicht länger als drei Wochen verwendet werden, weil sonst die Gefahr besteht, davon abhängig zu werden. In Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, solche Mittel länger zu verwenden. Achten Sie bei den Wirkstoffangaben auf Wirkstoffe wie Bromazepan, Doazepam, Oxazepam (= Wirkstoffe vom Typ der Benzodiazepine) und sprechen sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin darüber.

Schmerzmittel mit Koffein und/oder Codein als Zusatz
Zum Beispiel Aspirin forte, Azur, Combaren, Vivimed u.a. Wer nach längerem Gebrauch versucht, solche Mittel abzusetzen, bekommt Entzugskopfschmerzen. Das verführt dazu, das Mittel erneut einzunehmen. Achten Sie bei den Wirkstoffangaben auf den Wirkstoff Koffein oder Codein und sprechen sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin darüber.
Wenn das Medikament eine Kombination verschiedener Schmerzmittel enthält, besteht die Gefahr, dass nach jahrelangem Missbrauch auch die Nieren geschädigt werden. Wenn Sie chronisch an Schmerzen leiden und regelmäßig solche Mittel nehmen, sollten Sie eine Schmerzambulanz aufsuchen und sich beraten lassen.

Migräne- und Hustenmittel mit Codein
Zum Beispiel Bronchicum Mono Codein Tropfen, Codicaps mono, Optipect N u.v.a. Achten Sie bei den Wirkstoffangaben auf den Wirkstoff Codein. Nehmen Sie solche Mittel nur so lange, wie es wegen der Beschwerden unbedingt notwendig ist. Sprechen Sie bei längerem Einnahmebedarf mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin darüber.

Abführmittel mit den Wirkstoffen Bisacodyl oder Sennes Bisacodyl
(enthalten zum Beispiel in Bekunis Dragees Bisacodyl, Dulcolax, Laxans-ratiopharm u.a.) oder Sennes (enthalten zum Beispiel in Agiolax, Depuran Dragees, Midro Abführtabletten u.a.). Diese Mittel sind bei kurz dauernder Verwendung – höchstens 2 Wochen – sinnvoll! Lang dauernder Gebrauch kann aber zu chronischen Veränderungen der Darmwände und Darmflora, zu Darmlähmungen und zu Hämorrhoiden-Problemen führen. Achten Sie bei den Wirkstoffangaben auf die oben genannten Wirkstoffe. Nehmen Sie solche Mittel nur kurz und sprechen Sie bei längerem Einnahmebedarf mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin darüber.

Schlankheitsmittel Antiadipositum X-112 S
Dieses Antiadipositum X-112 S mit dem Wirkstoff D-Norpseudoephedrin (auch als Cathin bekannt) verringert das Hungergefühl und damit kurzfristig das Gewicht, hat jedoch ein hohes Risiko an schweren Nebenwirkungen – unter anderem Abhängigkeit und Sucht. Nach Beendigung der Behandlung wird das Ausgangsgewicht fast immer wieder erreicht. Sprechen sie vor Gebrauch ausführlich mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin über Nutzen und Gefahren.

Schnupfenmittel
Nasensprays oder Nasentropfen wie zum Beispiel Ellatun N, Nasivin, Olynth, Otriven u. a. Diese Medikamente verengen die Blutgefäße der Nasenschleimhaut. Nach dem Absetzen tritt die Schwellung kurze Zeit verstärkt auf. Wenn solche Mittel länger als 1 Woche angewendet werden, kann sich ein medikamentöser Schnupfen entwickeln.

Antibiotika bei Virusinfektionen
Fast alle Grippe- und Erkältungskrankheiten, auch Husten und Schnupfen, sind durch Viren verursacht. Wer in solchen Fällen Antibiotika schluckt, tut sich nichts Gutes. Denn Antibiotika sind Mittel, die nur gegen Bakterien wirken, aber gegen Viren vollkommen wirkungslos sind. Sie können weder die Beschwerden verringern noch die Dauer der Erkrankung verkürzen.
Wer in solchen Fällen Antibiotika schluckt, trägt das Risiko von vollkommen überflüssigen Nebenwirkungen (z. B. allergischen Reaktionen und Magen-Darm-Beschwerden) und erhöht die Gefahr, dass sich resistente Krankheitskeime entwickeln.

Medikamentenmissbrauch – was tun?

Sprechen Sie mit einem Arzt/einer Ärztin Ihres Vertrauens. Aus Untersuchungen weiß man, dass Arzneimittel-Missbrauch vielen Ärzten/Ärztinnen erst auffällt, wenn sie speziell darauf hingewiesen werden.

Die Behandlung von Medikamentenmissbrauch ist eine Sache für Spezialisten, zum Beispiel Psychiater, die Erfahrung auf diesem Gebiet haben.

Weiterführende Informationen, Broschüren und Adressen erhalten Sie zum Beispiel bei der »Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren«, Postfach 1369, D-59003 Hamm, Tel. 0 23 81/9015-0, Fax 0 23 81/1 53 31 (Internet: www.dhs.de).

In Österreich gibt es keine derartige Zentralstelle. Wenden Sie sich an den Hausarzt oder einen niedergelassenen Psychiater oder eine Krankenhausabteilung für Psychiatrie und Neurologie.