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Kinder und Medikamente

Kinder sind Kinder
Kinder gelten oft als kleine Version von Erwachsenen. Bei Medikamenten würde das bedeuten: Man braucht nur die Menge (= die Dosis) zu verringern, je nach Alter oder Körpergewicht. Diese Ansicht ist im Prinzip richtig, aber unvollständig. Man muss zusätzliche Überlegungen anstellen, zum Beispiel über den Reifezustand von Organen wie Leber und Nieren. Außerdem gibt es Medikamente, die bei Kindern gegenteilige Nebenwirkungen haben wie bei Erwachsenen. Zum Beispiel Antihistaminika – das sind Mittel, die bei Allergien oder auch bei Schlafproblemen verwendet werden. Erwachsene werden dadurch gedämpft und beruhigt. Bei Kindern können solche Medikamente manchmal die gegenteilige Wirkung haben – sie werden nervös und aufgeregt. Oder das umstrittene, bei kindlichen Verhaltensstörungen relativ oft verwendete Medikament Ritalin: Überaktive Kinder werden beruhigt, Erwachsene hingegen nervös und aufgeregt.

Wichtige Regeln für die Verabreichung von Medikamenten an Kinder

Bis zum Alter von 2 Jahren
Fragen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin, bevor Sie dem Kind ein rezeptfreies Medikament geben. Überlegen Sie, ob das Kind wirklich ein Medikament braucht oder ob ein Hausmittel genügt.

Bis zum Alter von 5 Jahren
Geben Sie Ihrem Kind – wenn nötig – Medikamente in flüssiger Form (z. B. als Saft) oder als Zäpfchen, weil kleine Kinder oft Probleme mit dem Schlucken von Tabletten oder Dragees haben.

Bis zum Alter von 18 Jahren
Verwenden Sie kein Aspirin oder andere Medikamente, die den Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthalten. Acetylsalicylsäure ist in zahlreichen Schmerz- und Grippemitteln enthalten. Kontrollieren Sie die Gebrauchsinformation oder die Packung. Acetylsalicylsäure birgt für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren das Risiko, dass eine zwar sehr seltene, aber möglicherweise tödliche Nebenwirkung auftritt (Reye-Syndrom).

Vorsicht bei rezeptfreien Medikamenten
Geben Sie Ihrem Kind nicht mehr als 1 rezeptfreies Medikament, außer es gibt gute Gründe dafür. Viele dieser Medikamente enthalten ähnliche Wirkstoffe, und es könnte zu einer Überdosierung (eventuell sogar Vergiftung) kommen.

Auf kindgerechte Dosis aufpassen
Kontrollieren Sie vorsichtshalber in der Gebrauchsanweisung immer die Dosis, die dem Alter und Gewicht entsprechend angegeben ist.

Ausgespuckte flüssige Medikamente
Wenn Ihr Kind ein flüssiges Medikament (Saft, Suspension) wieder ausspuckt: Gehen Sie davon aus, dass es eingenommen wurde. Geben Sie ihm keine zweite Dosis – außer es handelt sich um ein Antibiotikum. In diesem Fall sollten Sie ihm sicherheitshalber noch einmal dieselbe Menge geben.

Ausgespuckte feste Medikamente
Wenn Ihr Kind ein festes Medikament (Tabletten, Kapseln) wieder ausspuckt: Gehen Sie davon aus, dass es nicht eingenommen wurde. Geben Sie ihm noch einmal dieselbe Menge. Sie können eventuell versuchen, das Medikament in Flüssigkeit aufzulösen oder einer Speise unterzumischen.

Einnahme vergessen
Wenn Sie einmal vergessen haben, dem Kind das Medikament zu geben, holen Sie es so bald wie möglich nach. Geben Sie nicht die doppelte Menge! Halten Sie bis zur nächsten Einnahme den üblichen Zeitabstand ein.

Aufwecken zum Einnehmen?
4 × täglich bedeutet nicht, dass Sie für die Medikamenteneinnahme Ihr Kind extra aufwecken müssen – außer Ihr Kind schläft mehr als 8 Stunden durch.

Nebenwirkungen?
Falls Sie den Verdacht haben, dass bei Ihrem Kind eine Nebenwirkung auftritt: Hören Sie nicht auf, das Medikament weiter zu geben – außer es handelt sich um eine offensichtlich schwere Nebenwirkung. Rufen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin an und fragen Sie, was zu tun ist. Viele Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Nervosität sind harmlos und vergehen, wenn die Dosis reduziert wird.

Antibiotika
Geben Sie Antibiotika immer so lange wie vom Arzt/von der Ärztin verordnet. Hören Sie nicht auf damit, wenn sich die Beschwerden bessern. Wenn Sie früher aufhören, kann die Erkrankung erneut auftreten, weil sich noch immer Bakterien im Körper befinden.

Fieber
Behandeln Sie Fieber nur dann mit Medikamenten, wenn es dem Kind erkennbar schlecht geht und wenn das Fieber höher ist als 39 Grad Celsius. 39 Grad Celsius sind für ein Kind keine gefährliche Temperatur! Geben Sie Fiebermittel nicht regelmäßig, sondern nur nach Bedarf. Verwenden Sie den Wirkstoff Paracetamol (z. B. Ben-u-ron), aber nicht Acetylsalicylsäure (also kein Aspirin!)