Durchblutungsfördernde Mittel

Solche Mittel können bei anfallsweise auftretenden (= funktionell bedingten) Durchblutungsstörungen unter Umständen kurzfristig sinnvoll sein. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um organisch bedingte (z. B. durch Arteriosklerose = »Gefäßverkalkung«) Durchblutungsstörungen, bei denen solche Mittel in der seriösen medizinischen Fachliteratur fast einhellig als »fragwürdig«, »enttäuschend«, »nutzlos« oder »nicht überzeugend nachgewiesen« bezeichnet werden.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ist in ihrer Bewertung solcher Mittel sogar noch schärfer:

Gefäßerweiternde Mittel führen »bei blutdruckneutraler Dosierung zu keiner Mehrdurchblutung«. Und: »Bei höherer Dosierung kommt es ... zu einer unerwünschten Minderdurchblutung der durchblutungsgestörten Region ... « Vernichtendes Urteil der Kommission: Die Verabreichung solcher Mittel »ist deshalb bei organischen Durchblutungsstörungen unangebracht«.

Das Urteil ihres eigenen Fachgremiums beeindruckt die deutschen Ärzte jedoch kaum: Im Jahr 2006 verschrieben sie immer noch 11 Millionen Packungen (im Jahr 1997 waren es noch mehr als 19 Millionen), fast immer bei organischen Durchblutungsstörungen.

Ursachen der Gefäßverengung in Armen und Beinen

Wenn die Gefäße verengt sind, ist die lebensnotwendige Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff gefährdet. Ursachen dafür können sein:

Behandlung bei »Arterienverkalkung«

In neun von zehn Fällen sind Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (periphere Durchblutungsstörungen) durch »Arterienverkalkung« verursacht.

Aufhören zu rauchen, eine sinnvolle Diät, sich nicht extremer Kälte aussetzen, gezieltes körperliches Training, wenn notwendig: Behandlung von Zuckerkrankheit und zu hohem Cholesterinspiegel – dies sind die sinnvollsten Maßnahmen.

Gefäßerweiternde Mittel verursachen nach Meinung der amerikanischen Ärzteschaft bei dieser Erkrankung mehr Schaden als Nutzen.

Auch die sogenannte »Claudicatio intermittens« (zeitweises Hinken) wird durch gefäßerweiternde Mittel nicht verbessert.

Der Claudicatio-Wirkstoff Pentoxifyllin (enthalten z. B. in Claudicat, Generika mit dem Namen Pento oder Pentoxifyllin + Firmenbezeichnung, Trental) ist in Deutschland ein häufig verwendetes Mittel. Die Fachpublikation »Arzneimittel-Kursbuch« bewertet Pentoxifyllin folgendermaßen: Wirksamkeit »nicht erwiesen« und therapeutischer Nutzen »nicht fassbar«. In Schweden erhielt dieses Mittel wegen des fragwürdigen Nutzens gar keine Zulassung. Die Fachwelt diskutiert mögliche Netzhautblutungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Pentoxifyllin.

Auch alle anderen Wirkstoffe, die als durchblutungsfördernd gelten, werden von seriösen Fachleuten als fragwürdig bezeichnet:

Diese Mittel sind, wenn überhaupt, nur bei anfallsweise auftretenden (funktionell bedingten) Durchblutungsstörungen möglicherweise sinnvoll.

Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium von Arterienverkalkung kommen unter Umständen chirurgische oder angioplastische Maßnahmen in Frage, etwa wie die Erweiterung der Arterien mittels Ballonkatheter.

Ginkgo-Präparate

Arzneimittel, die Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baumes enthalten (z. B. Cefavora, Craton, Gingiloba, Gingobeta, Gingopret, Generika mit dem Namen Ginkgo + Firmenbezeichnung, Kaveri, Rökan, Tebonin), sind in Deutschland Umsatzrenner und sollen gegen Hirnfunktionsstörungen und bei »Claudicatio intermittens« (zeitweises Hinken) nützen.

Sowohl die deutsche Fachpublikation »Arzneimittel-Kursbuch« als auch die österreichische Fachzeitschrift »Pharmainformation« stufen die Wirksamkeit von Ginkgo-Extrakten als fragwürdig ein. Wegen des geringen Risikos – als Nebenwirkungen können in seltenen Fällen Kopfschmerzen, allergische Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden auftreten – ist die Einnahme vertretbar.

Therapie bei anfallsweise auftretenden Durchblutungsstörungen (funktionell bedingt)

Gefäßkrämpfe treten meist in den Fingern auf. Sie werden blutleer und fühlen sich taub an. Diese Krämpfe sind oft durch psychischen Stress verursacht, können aber auch durch Kälte oder Substanzen wie Betablocker, das Kopfschmerz- und Migränemittel Ergotamin, das blutdrucksteigernde Mittel Dihydroergotamin oder das Parkinsonmittel Bromocriptin ausgelöst werden.

Anfälle von Gefäßkrämpfen können oft durch Vermeidung von Kälte und psychischem Stress verhindert werden. Beruhigung und Entspannung sind ebenfalls hilfreich.

Bei schweren Fällen, bei denen diese Maßnahmen nichts nützen, können gefäßerweiternde Mittel hilfreich sein. Sie sollten jedoch nur kurzfristig verwendet werden.

Therapie bei Durchblutungsstörungen des Gehirns

Generell gilt, dass

a) alle nichtmedikamentösen Behandlungsformen (aufhören zu rauchen, körperliche Bewegung, Ernährungsumstellung) nach übereinstimmender Meinung fast aller Fachleute Vorrang haben

b) durchblutungsfördernde Mittel, die beim akuten Schlaganfall im Krankenhaus eingesetzt werden können, nicht unbedingt zur Dauerbehandlung in Tablettenform geeignet sind. In vielen Fällen genügt eine »Ausklingphase« von drei bis sechs Monaten

c) eine Dauerbehandlung vor allem mit jenen Mitteln durchgeführt werden soll, für die ein Nutzen für die Anwendung: »Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalls« nachgewiesen wurde (z. B. Acetylsalicylsäure, z. B. Thrombo ASS).

Schmerzen bei Durchblutungsstörungen

Bei Schmerzen kann die kurzfristige Einnahme von Mitteln wie Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin, Generika mit dem Namen ASS + Firmenbezeichnung) oder Codein (siehe z. B. in Dolviran N) sinnvoll sein. Die bei manchen durchblutungsfördernden Mitteln beobachtete Besserung der Krankheitserscheinungen beruht möglicherweise auf einer leichten schmerzlindernden Wirkung dieser Substanzen.

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