»Auf leckere Sahnetorten und gutes Essen müssen Sie nicht verzichten«, »Schnell schlank ohne Diät«, »Natürlich schlank ohne Hunger« – mit solchen Werbesprüchen versuchen Pharmafirmen, ihre Schlankheitsmittel an die Frau oder an den Mann zu bringen. Jedes Jahr werden neue »Wundermittel« zum Abnehmen angepriesen. Und jedes Jahr folgt kurz darauf die Ernüchterung: Es gibt keine Wundermittel zum Abnehmen! In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Medikamente wegen ihrer Nebenwirkungen wieder vom Markt gezogen werden.
Immerhin scheint die Aufklärungsarbeit über den fragwürdigen Nutzen und die eindeutigen Gefahren von Appetitzüglern in den letzten Jahren Wirkung zu zeigen: 1991 wurden noch 5,5 Millionen Packungen verkauft, im Jahr 2000 nur noch 2,6 Millionen und im Jahr 2006 sogar nur noch 800.000.
Das bedeutet allerdings nicht, dass inzwischen weniger schlank machende oder angeblich schlank machende Mittel geschluckt werden:
Viele Übergewichtige wenden statt gefährlicher Appetitzügler andere Methoden an, die riskant sind:
Längst sind sich Fachleute nicht mehr sicher, ob das einst gepriesene »Idealgewicht« wirklich so erstrebenswert und gesundheitlich notwendig ist. Nach einer genauen Überprüfung der Studien über Vorteile des Idealgewichts – vor allem in den USA – wurde für einige Personengruppen mit leichtem Übergewicht sogar eine Verlängerung der Lebenserwartung festgestellt.
Erst bei einem Übergewicht von mehr als 25 Prozent erhöht sich das Risiko, an Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erhöhung des Blutfettgehalts, Gelenkerkrankungen, Gicht, Gallensteinen etc. zu erkranken.
Um festzustellen, ob man übergewichtig ist, muss man den so genannten Body-Mass-Index (BMI) bestimmen:
Dabei wird das Gewicht in Kilogramm dividiert durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat.
Ein Beispiel: Eine Frau ist 75 kg schwer und 1,70 m groß. Dann gilt die Formel: 75 dividiert durch 1,70 x 1,70 ist gleich 25,95.
Die Frau in unserem Beispiel hat also ein leichtes Übergewicht.
Laut Statistik sind in Deutschland etwa 40 Prozent aller Menschen übergewichtig, etwa 1 Prozent sind extrem übergewichtig.
Entscheidend für den Wert einer Methode ist der Langzeiterfolg. Deshalb sind Werbeaussagen wie »Zwölf Pfund in einem Monat« völlig irreführend.
Folgende »Abspeck«-Maßnahmen bringen überhaupt keinen oder keinen dauerhaften Erfolg:
Bei den meisten angebotenen Methoden der Gewichtsreduktion wird das Ausgangsgewicht im Lauf eines Jahres wieder erreicht. Erfolg versprechend ist lediglich eine Ernährungsumstellung auf eine vernünftige kalorienreduzierte Mischkost, zum Beispiel nach Weight-Watchers-Programmen, zusammen mit sportlicher Betätigung. Damit verliert man im Durchschnitt dauerhaft 15 Kilogramm Gewicht in 32 Wochen.
Es ist wichtig, sich vor jeder Art der Gewichtsverminderung untersuchen zu lassen: Herz und Kreislauf, Leber- und Nierenfunktion sollten überprüft werden. Auch ist zu bedenken, dass jede Form von verminderter Nahrungsaufnahme – das betrifft fast alle Diäten – auch die Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen verringert. Ein Ausgleich mit vitaminreichen Nahrungsmitteln und/oder die gezielte Behandlung mit einzelnen Vitaminen kann oft notwendig sein.
Viele »Wunderdiäten« (Punkte-Diät, Atkins-Diät etc.) beruhen weniger auf verminderter als auf einseitiger Nahrungsaufnahme (kohlenhydratfrei, eiweißreich etc.). Eine dauerhafte Gewichtsreduktion lässt sich damit schwerlich erreichen.
Auch die einseitige Bevorzugung fettreicher tierischer Nahrungsmittel ist nicht risikolos: Es besteht die Gefahr der unzureichenden Versorgung mit anderen lebensnotwendigen Nährstoffen und einer hohen Zufuhr von Cholesterin – was ein zusätzliches Risiko bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutet.
Totales Fasten (Nulldiät) sollte nur im Krankenhaus durchgeführt werden.
Hinweis: In Deutschland bieten alle Verbraucherzentralen das Faltblatt »Betrug bei Diätprodukten« an.
Die beste Diät zielt auf eine Gewichtsverminderung durch Verringerung von schnell verfügbaren Kohlenhydraten. Die Gewichtsabnahme erfolgt langsam, aber anhaltend, um einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden.
Selbsthilfegruppen und Verhaltenstherapie zeigen langfristig die besten Resultate. In einem Vergleich dreier Gruppen, wo eine nur Verhaltenstherapie, die zweite nur Medikamente und die dritte eine kombinierte Pharmako-Verhaltenstherapie betrieb, schnitt die Verhaltenstherapie-Gruppe am besten ab.
Nach einem Jahr hatten Personen dieser Gruppe nur etwa zehn Prozent des verlorenen Gewichts wieder zugenommen. Die anderen beiden Gruppen jedoch 60–70 Prozent, obwohl sie zu Beginn die größeren Erfolge hatten.
Das aus dem Griechischen stammende Wort »diaita« (Diät) bezieht sich nicht nur auf die Ernährung, sondern umfasst die gesamte Lebenseinstellung, sowohl physisch als auch psychisch.
In diesem Sinn sollte eine Diät zum Abnehmen nicht nur eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten, sondern auch eine vernünftige körperliche Aktivität und das Vermeiden schädlicher Verhaltensweisen (kein exzessiver Alkoholkonsum, Aufgeben oder Einschränken von Rauchen) umfassen.
Formuladiäten wie BioNorm, DEM, Modifast oder Slim Fast sind Verkaufsschlager. Das Rezept klingt verlockend: Man rührt Pulver in Milch oder Wasser, und schon hat man eine Mahlzeit, die einerseits alle notwendigen Nährstoffe enthält, andererseits schlank macht.
Wer nur diese Pulvernahrung isst und keine zusätzlichen Mahlzeiten zu sich nimmt, macht damit eine radikale Abmagerungskur durch. Sowohl aus psychologischen als auch aus medizinischen Gründen ist dies jedoch abzulehnen, weil dies zum berüchtigten Jo-Jo-Effekt führen kann:
Wenn der Körper sehr schnell an Gewicht verliert, stellt er sich auf eine vermeintliche Hungersnot ein und senkt den sogenannten Grundumsatz um bis zu 50 Prozent. Das heißt: Er verwertet die eingenommene Ernährung einfach besser und kommt auch mit weniger Kalorien gut zurecht. Wenn anschließend dann wieder normal gegessen wird, läuft dieser Mechanismus noch eine Zeit lang ungebremst weiter.
Die Folge davon ist, dass man vermehrt zunimmt. Dies führt dann oft zu dem Teufelskreis einer erneuten Kur mit Formuladiäten und endet im Extremfall mit Mager- oder Brechsucht.
Jedenfalls bleiben aus Erfahrung 97 Prozent aller eigenständig durchgeführten Diätversuche auf Dauer erfolglos.
Selbst dann, wenn man Formuladiät immer wieder nur kurzzeitig – ein bis drei Tage – verwendet und zwischendurch normal isst, verliert man möglicherweise keine Fettpolster. Denn bei einer Ernährung mit niedriger Kalorienzahl wie bei Fertigdiäten oder Fasten kann es zu einer erhöhten Verbrennung von Stärke und Eiweiß kommen. Dies führt am Beginn zu einer erhöhten Wasserausscheidung und zu Muskelabbau – aber nicht zu Fettabbau.
Vor allem bei Normal- und leicht Übergewichtigen kann der Eiweißverlust auch die Funktion von Herz und Leber beeinträchtigen.
Unsere Empfehlung: Formuladiäten können bei extrem Übergewichtigen (BMI deutlich über 30) sinnvoll sein – nach vorheriger ärztlicher Untersuchung und unter ständiger Betreuung als Auftakt für eine langfristige Ernährungsumstellung. Der langfristige Nutzen bei leicht Übergewichtigen ist sehr fraglich und außerdem mit gesundheitlichen Risiken verbunden.
Die »Stiftung Warentest« warnt vor der Verwendung von Formuladiäten, die im Direktvertrieb, von Tür zu Tür angeboten werden, weil hier oft unhaltbare Werbeversprechungen abgegeben werden.
Ausnahmsweise sind sich sämtliche Wissenschaftler und Lehrbücher bei der Bewertung von Appetitzüglern einig: Sie reduzieren zwar kurzzeitig das Gewicht, nach Beendigung der Therapie wird das Ausgangsgewicht fast immer wieder erreicht. Deshalb warnte das ehemalige Bundesgesundheitsamt auch vor irreführenden Versprechungen in den Medien wie »Sie werden nicht mehr rückfällig«. Aus diesen Gründen und wegen der großen Gesundheitsrisiken dieser Mittel wird von der Einnahme abgeraten.
Die Amphetamin-ähnlichen Wirkstoffe Amfepramon (enthalten z. B. in Regenon) und D-Norpseudoephedrin (enthalten z. B. in Antiadipositum X-112 S) können folgende Beschwerden verursachen:
Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Erregungszustände; bei langfristiger Einnahme Psychosen und möglicherweise tödlichen Lungenhochdruck. Man kann von diesen Mitteln abhängig werden und nach Beendigung der Einnahme schwere Entzugserscheinungen bekommen.
Dieser Wirkstoff (enthalten z. B. in Reductil) soll über das Gehirn die Lust aufs Essen zügeln und gleichzeitig den Kalorienumsatz steigern.
Reductil ist chemisch verwandt mit dem Antidepressivum Prozac. Wegen der gravierenden Nebenwirkungen – Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schlafstörungen, Übelkeit, Menstruationsstörungen – raten wir von der Verwendung ab. Nach Absetzen von Reductil steigt das Gewicht bei den meisten Menschen schnell wieder an (Jo-Jo-Effekt).
(enthalten z.B. in Xenical), soll im Darm das fettabbauende Enzym Lipase blockieren und dafür sorgen, dass etwa 30 Prozent des Fettes unverdaut wieder ausgeschieden wird. Wer zu viel Fett isst, muss damit rechnen, dass das wortwörtlich »in die Hose« geht.
Nebenwirkungen: Stuhldrang, flüssige Stühle, Blähungen, ungewollter Stuhlgang, Kopfschmerzen. Wenn überhaupt, sollte Xenical nur bei einem BMI von über 30 verwendet werden. Nach dem Absetzen von Xenical steigt das Gewicht bei den meisten Menschen schnell wieder an (Jo-Jo-Effekt).
Dieser Wirkstoff (enthalten z.B. in Acomplia) wurde 2007 mit großem Werbetrara auf den Markt gebracht. Nach Absetzen des Medikaments steigt das Gewicht rasch wieder an. In den USA wurde das Medikament wegen des erhöhten Risikos von Suizidalität gar nicht zugelassen. Wir raten ab von der Verwendung.
Acomplia verursacht als Nebenwirkung häufig Übelkeit, grippeähnliche Beschwerden, Schwindel, erhöhte Suizidalität, psychiatrische Störwirkungen wie Angst, Depressionen, Gedächtnisstörungen.
»Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum Meerestiere nie dick werden?« Mit dieser Frage wirbt eine Pharma-Firma für sogenannte »Fettfresser« oder »Fettblocker«.
Die Antwort: »Weil in ihren Körpern jener Stoff eingelagert ist, der jetzt als Diät-Kapsel in die Apotheken kommt.«
Dieser Stoff ist ein Abkömmling des Chitins aus dem Panzer von Meereskrebsen, der auch als Bindemittel für Kosmetika dient. Er soll das Fett in der Nahrung binden, selbst aber unverdaulich sein und mit Stuhl wieder ausgeschieden werden. Eine überzeugend klingende Sache, nur leider gibt es keine nachvollziehbaren, seriösen Belege dafür.
Aus Tierversuchen weiß man, dass Fettblocker Glucose-, Cholesterin-, Triglyzerid-, Vitamin E- und Mineralstoffwerte absenken. Wegen des unbelegten Nutzens und der möglichen Risiken für Vitaminhaushalt und Knochenstoffwechsel ist von einer Verwendung von »Fettblockern« abzuraten. Sie sind übrigens nur als »Nahrungsergänzung« deklariert und nicht als Arzneimittel zugelassen.
Neuerdings werden auch homöopathische Arzneimittel gegen »Fettleibigkeit« beworben, und zwar mit großem Erfolg (z. B. Cefamadar, Gracia Novo Schlankheitstropfen). Bei diesen Mitteln sind zwar keine Nebenwirkungen zu erwarten, wer jedoch glaubt, allein damit Gewicht verlieren zu können, glaubt an Wunder. Wer abnehmen will, muss seine Ernährung langfristig umstellen – an diesem Grundsatz führt leider kein Weg vorbei.
Solche Präparate (z. B. bioNorm, fdH, Guar Max, Jogur, Matricur, Recatol Algin, Sanhelios Topinambur) quellen im Magen auf und füllen ihn. Dadurch wird das Hungergefühl kurzfristig etwas eingedämmt. Ohne Umstellung der Essgewohnheiten wird man davon jedoch nicht schlank werden.
Quellmittel können auch gefährlich sein: Wenn Sie vor und während der Einnahme nicht genügend trinken, besteht die Gefahr, dass Ihnen das Mittel im Hals stecken bleibt oder den Darm verschließt. In diesem Fall besteht Lebensgefahr!