Schilddrüse

Die Schilddrüse reguliert die Stoffwechselvorgänge des Körpers, indem ihre Hormone die Oxidationsprozesse (= Sauerstoffaufnahme) der Zellen im ganzen Körper beeinflussen.

Ein großer Teil des Enzym- und Hormonhaushaltes und der Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel wird von den Schilddrüsenhormonen geregelt und im Gleichgewicht gehalten. Sie sind auch für Knochenwachstum und Reifevorgänge unentbehrlich.

Für die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist Jod notwendig. Um die Jahrhundertwende waren Störungen der Schilddrüse mit ihren Folgen (Kropf, Kretinismus bei Kindern) in den Gebirgsländern weit verbreitet. Auch heutzutage sind Schilddrüsenkrankheiten relativ häufig.

Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Messungen haben ergeben, dass die Deutschen durch die Ernährung nicht ausreichend Jod zu sich nehmen. Die Folge davon ist, dass sehr viele Menschen einen Kropf haben – man schätzt, dass mehr als zehn Millionen Deutsche behandlungsbedürftig sind.

Die hauptsächlich durch Jodmangel verursachten Krankheiten konnten in Ländern wie Österreich und der Schweiz durch die Beimengung von Jod in Nahrungsmitteln (jodiertes Speisesalz) deutlich eingedämmt werden.

Zu viel Jod kann der Schilddrüse ebenfalls schaden und zu einer Überproduktion von Hormonen führen. Es gilt auch als gesichert, dass psychische Spannungen zur Schilddrüsenstörung führen können.

Es gibt drei Krankheitsformen:

Achtung: Schilddrüsenhormone werden manchmal zur Behandlung von Übergewicht missbraucht. Diese »Schlankheitstherapie« ist sehr riskant. Es können schwere, unter Umständen lebensbedrohliche Störeffekte auftreten, vor allem dann, wenn gleichzeitig Appetithemmer eingenommen werden.

Einfacher Kropf (Struma)

Der Kropf ohne Funktionsstörung der Schilddrüse ist die häufigste Form der Schilddrüsenerkrankungen. Als Ursache gelten Jodmangel oder die Störung der Hormonbildung. Das Erkrankungsrisiko steigt, wenn das Trinkwasser sehr viel Nitrat enthält, bei Rauchern und bei Menschen, die viel Blumenkohl oder Rettich essen.

Ein Kropf kann auch das Ergebnis der Behandlung mit Medikamenten sein. Antibiotika vom Typ der Sulfonamide, Tabletten gegen Zuckerkrankheit und bestimmte schmerz- und entzündungshemmende Mittel (z. B. Metamizol, Propyphenazon, Phenazon) können die Bindung von Jodid hemmen.

Die vorbeugende Einnahme von Jod (z. B. als jodiertes Salz oder Jodtabletten) ist in Gegenden mit ausgeprägtem Jodmangel unbedingt erforderlich. Dadurch könnten viele Kropfoperationen in Deutschland unterbleiben.

Behandlung

Üblicherweise wird mit Jod behandelt, z. B. Jodetten, Jodid, Jodid Hexal, Jodid-ratiopharm. Wird Jod nicht regelmäßig eingenommen oder sogar abgesetzt, vergrößert sich der Kropf rasch wieder.

Nur bei ganz bestimmten Formen des Kropfes – bei so genannten Knotenstrumen oder älteren derben Strumen – ist eine Behandlung mit L-Thyroxin (= Levothyroxin, enthalten z. B. in Berlthyrox, Eferox, Euthyrox, Generika mit dem Namen L-Thyroxin + Firmenbezeichnung) sinnvoll.

Medikamente, die den Wirkstoff L-T3 (Liothyronin) enthalten (z. B. Combithyrex, Novothyral, Prothyrid), gelten als überholt, weil es zu überhöhten Hormonkonzentrationen im Blut und damit zu schweren Nebenwirkungen kommen kann.

Kombinationen von Jod und L-Thyroxin (z. B. Jodthyrox, L-Thyrox Jod Hexal, L-Thyrox-Jodbeta, Thyronajod Henning) können bei manchen Erkrankungen sinnvoll sein.

Die Einnahme von Schilddrüsenhormonen erhöht – vor allem bei zu hohen Dosierungen – das Risiko von Herzkrankheiten.

Schilddrüsenunterfunktion

Sie kann in jedem Alter auftreten. Wenn die Funktion schon nach der Geburt gestört ist, kommt es zum Kretinismus (Wachstumsstörungen, Intelligenzmangel).

Bei Erwachsenen tritt meist ein Kropf auf. Sprödes Haar, spröde Haut, verdickte Fingernägel und langsame Sprechweise, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit sind weitere Erscheinungen bei einer solchen Störung.

Häufig ist die Schilddrüsenunterfunktion das Ergebnis der Behandlung einer Überfunktion mit Medikamenten oder die Folge einer abgelaufenen Entzündung (Thyreoiditis). Auch viele andere Arzneimittel, vor allem bestimmte Antidepressiva (Lithiumsalze), können zu Funktionsstörungen führen.

Die vorsichtige Behandlung mit Schilddrüsenhormonen (Berlthyrox, Eferox, Euthyrox, Generika mit dem Namen L-Thyroxin + Firmenbezeichnung) ist bei einer Unterfunktion erfolgreich.

Schilddrüsenüberfunktion (z. B. die Basedow’sche Krankheit)

Etwa 20 von 100.000 Personen leiden an der Basedow’schen Krankheit. Magerkeit, Nervosität, erhöhte Herzfrequenz und Verdauungsstörungen sind die häufigsten Symptome der Überfunktion der Schilddrüse. Oft fallen das Hervortreten der Augen, weite Pupillen, weit offene Lider auf. Auch bei dieser Störung schwillt die Schilddrüse an – gefährlich ist dabei hauptsächlich die Belastung von Herz und Kreislauf.

Die Ursachen sind vielfältig und nicht genau erforscht. Zu einem kleineren Teil werden jodhaltige Medikamente dafür verantwortlich gemacht. Die hohe Rückfallquote der einmal Erkrankten wird in einer Studie auf besonders jodhaltige Nahrungsmittel zurückgeführt.

Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion dürfen vor allem kein jodiertes Speisesalz verwenden. In Ländern, in denen kaum nicht-jodiertes Salz angeboten wird, muss daher auf Titro-Salz (aus der Apotheke) oder auf pflanzliche »Salzmischungen« (aus Reformhäusern) ausgewichen werden.

Behandlung

Zur Hemmung der Hormonproduktion der Schilddrüse gibt es drei Möglichkeiten: Medikamente, Strahlentherapie und Operationen.

1. Die schnellste Möglichkeit, um das Übermaß an Schilddrüsenhormonen loszuwerden, ist eine Operation. Wegen der möglichen, schwerwiegenden Nachwirkungen sollte man sich vom behandelnden Arzt genau aufklären lassen und Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen.

2. Mit einer Strahlenbehandlung – dabei wird ein radioaktives, jodhaltiges Medikament geschluckt und in der Schilddrüse gespeichert – kann etwa die Hälfte aller Schilddrüsenüberfunktionen gestoppt werden. Diese Behandlung ist weniger riskant als eine Operation und erfolgreicher als eine Behandlung mit Schilddrüsenmedikamenten.

3. Mit Medikamenten wird die Schilddrüse daran gehindert, übermäßig viele Hormone zu produzieren. Als zweckmäßigstes Mittel gilt Thiamazol (enthalten z. B. in Favistan, Methizol SD 5, Generika mit dem Namen Thiamazol + Firmenbezeichnung).

Die Wirkung ist erst nach zwei bis drei Wochen merkbar. Nach rund eineinhalb Jahren zeigt sich bei etwa 30 bis 50 Prozent aller Patienten eine Rückbildung der Überfunktion. Als Nebenwirkungen können häufig immunallergische Erkrankungen wie Fieber, grippeähnliche Beschwerden und Blutbildungsstörungen auftreten. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes notwendig.

Carbimazol (enthalten z. B. in Carbimazol Henning, Carbimazol Hexal) ist eine chemische Vorstufe von Thiamazol und wird im Körper vollständig zu Thiamazol umgewandelt. Es hat also dieselben Wirkungen und Nebenwirkungen.

Jod (Jodetten, Jodid, Jodid Hexal, Jodid-ratiopharm) in hohen Dosen wirkt vorübergehend hemmend auf die Schilddrüsenüberfunktion, bei längerer Einnahme muss aber mit einer Verschlimmerung der Krankheit gerechnet werden. Deshalb ist Jod in hohen Dosen nur zur kurzfristigen Anwendung geeignet, z. B. zur Vorbereitung einer Schilddrüsenoperation. In niedriger Dosierung ist Jod zur Vorbeugung gegen Kropf auch langfristig sinnvoll.

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