Aktuelles
Industrie schönt Studienergebnisse
Eine Studie, die in den Annals of Internal Medicine erscheinen ist, bestätigt erneut den Verdacht, dass von der Pharmaindustrie bezahlte Untersuchungen eher zu positiven Ergebnissen führen als solche, die von unabhängigen Institutionen finanziert werden. Die Forscher überprüften 546 Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit bestimmter Medikamente –Antidepressiva, Neuroleptika, Magenmittel vom Typ der Protonenpumpenhemmer und gefäßerweiternde Mittel –, die zwischen 2000 und 2006 in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Es stellte sich heraus, dass Industriebezahlte Studien zu 85 Prozent positive Ergebnisse brachten. Im Vergleich dazu waren es bei den von Regierung finanzierten nur 50 Prozent. (PMlive, 4. August 2010)
Grünes Blattgemüse senkt Diabetes-Risiko
Ach, wie viele von uns wurden als Kinder von den Eltern bedrängt mit dem Satz: Iss mehr Obst und Gemüse, das ist gesund! Wissenschaftler der Universität Leicester in Großbritannien haben nun mehrere Studien ausgewertet, die sich mit der speziellen Frage befassen, ob das Essen von viel Obst und Gemüse vor Diabetes schützt. Es stellte sich heraus, dass nur grünes Blattgemüse wie etwa Spinat und Kraut, aber auch Blumenkohl und Brokkoli eine gewisse schützende Wirkung haben. Wer davon rund 100 Gramm pro Tag isst, senkt das Diabetes-Risiko um 14 Prozent. - Warum das so ist? Dazu gibt es bis jetzt nur Vermutungen. (British Medical Journal 2010; 341: c4229)
Gefälschte pflanzliche Mittel
Wieder ist ein Fall aufgeflogen, bei dem ein angeblich pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel, das per Internet bestellt werden kann, einen chemischen Wirkstoff enthält. Eine Laboranalyse hat in Slim-30, einem Mittel zum Abnehmen, N-Desmethyl-Sibutramin und Spuren von Sibutramin entdeckt. Dieser Wirkstoff ist im Medikament Reductil enthalten, das erhebliche Nebenwirkungen hat und dessen Verwendung für Herzkranke sehr riskant ist. In Bittere Pillen lautet deshalb die Empfehlung: Abzuraten! Auf der Verpackung von Slim-30 fehlen entsprechende Warenhinweise. (FDA Medwatch, 19. Juli 2010)
Radikale Mediziner
Es gibt Mediziner, die in ihren Vorschlägen zur Vorbeugung von Krankheiten offenbar jedes Augenmaß verlieren. Eine heftige Diskussion entfachte der Rat englischer Mediziner, die Fastfood-Kette McDonald’s solle neben Salz, Pfeffer, Majonäse und Ketchup auch Fettstoffsenkende Pillen vom Typ der Statine anbieten. Damit, so lautete das schöne Argument, könne das Gesundheitsrisiko von Pommes-Portionen und fetten Big-Macs quasi neutralisiert werden. In Fachkreisen stieß dieser Vorschlag allerdings auf heftige Ablehnung: Erstens sei fettes Essen nur einer von mehreren Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und ein derartiges „Angebot“ würde Mc Donalds-Kunden wohl zu noch mehr ungesundem Essen motivieren und in falscher Sicherheit wiegen. (theheart.org, 13. August 2010)
Homöopathie einsparen?
Mehr als die Hälfte der gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Leistungen der Homöopathie – obwohl es bislang keinen überzeugenden Nutzennachweis für dieses Medizinkonzept gibt: Homöopathische Arzneien werden so stark verdünnt, dass sie kaum mehr ein Molekül des Wirkstoffes, wohl aber etliche Moleküle von Lösungsmittel- Verunreinigungen enthalten. Wenn Globuli oder Tropfen „Wirkung“ zeigen, dann deshalb, weil sich Patienten das erwarten. Solange es keinen überzeugenden Nachweis gibt, muss man davon ausgehen, dass Homöopathie lediglich ein Scheinarzneimittel ist - ein Placebo. Laut „Spiegel“ bezeichnet der neue Leiter des Mainzer Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin“, Jürgen Windeler, die Homöopathie als „spekulatives, widerlegtes Konzept“. Und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, dass Homöopathie von den Kassen nicht mehr bezahlt wird. Bereits im Frühjahr 2010 hatte sich die britische Ärztevereinigung „British Medical Association“ gegen die Verwendung von Homöopathika im öffentlichen Gesundheitssystem ausgesprochen. Einsparungspotenzial auch für das deutsche marode Gesundheitswesen – doch deutschen Ärzten scheint das noch kein Anliegen zu sein. (Spiegel online, 10. Juli 2010)
Kalzium-Medikamente gegen Osteoporose – fragwürdiger Nutzen
In vielen ärztlichen Leitlinien wird Kalzium zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose empfohlen - obwohl damit das Risiko von Knochenbrüchen nur geringfügig sinkt. Eine neue Analyse von neuseeländischen Ärzten über Nutzen und Risiken von Kalzium-Behandlungen stellt nun generell den Sinn einer regelmäßigen Kalziumtherapie bei Osteoporose in Frage. Denn als Nebenwirkung zeigt sich ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko von Linksherzschwäche (Mitralklappeninsuffizienz). Die Autoren der Studie raten Medizinern, ihren Patienten klarzumachen, dass die Risiken von Kalziumtabletten für ältere Personen meist höher sind als ihr Nutzen und es genügt, sich Kalziumreich zu ernähren. Kalziumreiche Nahrungsmittel sind beispielsweise Milchprodukte, Lauch, Brokkoli, bestimmte Mineralwässer. (theheart.org, 8. August 2010)
Schlechte Mundhygiene bedroht das Herz
Nahezu 12.000 Erwachsene in Schottland wurden über ihre Mundhygiene befragt und in den acht darauf folgenden Jahren beobachtet. In diesem Zeitraum erlitten 555 eine akute Herzerkrankung, 170 davon waren tödlich. Es stellte sich heraus, dass Personen, die ihre Zähne seltener als einmal im Tag putzten, ein um 70 Prozent (Teaserende) höheres Risiko für eine Herzerkrankung hatten, als jene mit zweimal täglicher Mundhygiene. Die Mediziner vermuten, dass das Risiko von chronischer Zahnfleischentzündung ausgeht, die als eine systemische Entzündung das Herz beeinträchtigt. (Physician’s First Watch, 28.05.2010)
Pestizidbelastung kann Hyperaktivität bei Kindern (ADHS) verursachen
Mit Lebensmitteln können Pestizidrückstände in den Körper gelangen. Wie hoch die Belastung ist, kann anhand von Urinproben ermittelt werden. In einer amerikanischen Studie an 1.100 Kindern im Alter von acht bis fünfzehn Jahren wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und Hyperaktivität (ADHS) gibt. Etwa zehn Prozent dieser Kinder wurden nach den geltenden Kriterien als hyperaktiv eingestuft. Die Untersuchungen konnten zeigen, dass bei ansteigender Pestizidbelastung im Urin das Risiko ansteigt, dass die Kinder hyperaktiv sind und ADHS diagnostiziert wird. (Pediatrics 2010; 125:e 1270-1277, 18. Mai)
Antibiotika bewirken nachweislich Resistenzen bei Behandelten
Eine neue Übersichtsstudie hat erneut bestätigt, dass mehrfache oder länger dauernde Behandlungen mit Antibiotika das Risiko erhöht, dass Krankheitskeime resistent werden und Antibiotika dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Empfehlung der Fachzeitschrift „British Medical Journal“: Möglichst wenig Antibiotika und nur für möglichst kurze Zeit verschreiben! (Physician’s First Watch, 15.05.2010)
HIV-Behandlung ist auch eine wirksame Vorbeugung gegen HIV-Ansteckung
Mediziner untersuchten 3400 heterosexuelle Paare in Afrika, von denen jeweils ein Partner HIV-1-positiv war, aber nicht mit wirksamen Medikamenten behandelt wurde. In den folgenden zwei Jahren begannen zehn Prozent der Infizierten eine Therapie. Es stellte sich heraus, dass sich durch die Behandlung auch das Risiko einer Partner-Infektion dramatisch auf fast Null verringerte. (Physician’s First Watch, 28.05.2010)
Pfizer wegen Pharmatests an Kindern vor Gericht
1996 trat im afrikanischen Staat Nigeria bei Kindern eine Epidemie von Gehirnhautentzündungen auf. Der Pharmakonzern Pfizer bereitete zu diesem zeitpunkt die Zulassung für sein neues Antibiotikums Trovan vor. Weil solche Erkrankungen in den USA sehr selten sind, nahm der Konzern die Gelegenheit wahr, flog eine Gruppe von Medizinern nach Nigeria und benützte die erkrankten Kinder als Versuchskaninchen. Elf von ihnen starben, andere wurden, blind, taub oder erlitten Hirnschäden.
Ein US-Gericht hat nun nach langer Verzögerung die Klage von Angehörigen der verstorbenen Kinder zugelassen und Pfizer muss sich nun vor Gericht verantworten.
Wegen schwerer Leberschäden ist Trovan in den USA nur zur Verwendung bei Erwachsenen zugelassen. In Europa war dieses Medikament in der 1990er nur kurze Zeit am Markt und wurde 1999 verboten.
Duogynon-Opfer reichten Klage ein
In den 1960er und 70er Jahren bot der deutsche Pharmakonzern Schering unter den Namen Duogynon, Cumori und Primodos hormonelle Schwangerschaftstests an, die bei den Kindern zu fatalen Fehlbildungen führten, darunter Herzfehler, fehlende Gliedmaßen, Gaumenspalten und Nierenschäden. Obwohl es schon frühzeitig Warnungen vor den Nebenwirkungen dieser Hormontests gab, beließ Schering beispielsweise das Mittel Primodos noch lange auf dem Markt. Geschädigte fordern nun von der Firma Bayer, die im Jahr 2006 Schering übernommen hatte, Schadenersatz. (Der Spiegel, 07.06.2010)
Verwarnungen und Strafen für Pharmakonzerne
Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer wurde von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA verwarnt, weil er mehrmals „vergessen“ hat, aufgetretene Nebenwirkungen beim Epilepsiemittel Lyrica und beim Potenzmittel Viagra an die Behörde zu melden. Pfizer wurde außerdem beschuldigt, manche Nebenwirkungen zu verharmlosen.
Der britische Pharmakonzern AstraZeneca wurde in den USA zu einer Strafe von 520 Millionen Dollar verdonnert, weil er das Antipsychotikum Seroquel für nicht zugelassene Krankheitsgebiete beworben hatte.
Und der amerikanische Pharmakonzern Johnson&Johnson wurde wegen des Epilepsiemittels Topamax mit einer ähnlichen Begründung zu einer Strafzahlung von 81 Millionen Dollar verpflichtet. (PMlive online 10.06.2010; IMS Health, World Pharmaceutical Market Summary 01.06.2010)
Marketingtricks der Pharmaindustrie II
Als der Pharmakonzern Ely Lilly sein Neuroleptikum Zyprexa in fünf verschiedenen Studien mit dem Konkurrenzprodukt Risperdal des Konzerns Jansson verglich, ging Zyprexa fünfmal als Sieger hervor. Konkurrent Janssen ließ ähnliche Studien durchführen, bei denen das hauseigene Risperdal mit Zyprexa vergleichen wurde. Und siehe da: In drei der vier Studien schnitt Risperdal besser ab als Zyprexa. Wenn es um Fußball ginge, würde man diese Studien-Ergebnisse im ersten Fall als 5:0 und im zweiten als 1:3 darstellen. Wer hat nun gewonnen? Zyprexa oder Risperdal? Offenbar ist das nur eine Frage der Finanzierung. Wir die Studie vom Zyprexa-Hersteller finanziert, gewinnt Zyprexa, wird die Studie vom Risperdal-Hersteller finanziert, gewinnt Risperdal. Mit seriöser, unabhängiger Wissenschaft hat das nichts zu tun.
- Neue Mittel werden nicht gegen bereits bewährte Medikamente, sondern gegen Placebos geprüft.
- Treten bei höherer Dosierung mehr Nebenwirkungen auf, werden in Studien niedrigere Dosierungen gewählt, als die in der Praxis empfohlene Dosis.
- Kommen bei längerer Anwendung mehr Nebenwirkungen vor, wird die Studiendauer verkürzt.
- Fallen die Resultate schlecht aus, werden sie meist selektiv oder gar nicht publiziert.
- Ghostwriter (= firmeneigene Wissenschaftler) „schönen“ die Daten und pharmafinanzierte ärztliche Meinungsbildner verbreiten die geschönten Ergebnisse auf medizinischen Fachsymposien.
Das Kölner „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ (IQWIG) hat viele derartige Tricks entdeckt, besonders bei Studien über Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Rheuma- und Schmerzmitteln sowie Medikamenten, die in der Psychiatrie verwendet werden. Als mögliches Gegenmittel wird die weltweit verbindliche Registrierung aller Studien vor Beginn gefordert. (Trials 2010, 11:37)
Der Pharmakonzern AstraZeneca muss wegen irreführender Werbung Strafe zahlen
Seroquel ist ein bekanntes Medikament zur Behandlung von Schizophrenie und schweren manisch-depressiven Erkrankungen. In den USA wurde der Hersteller AstraZeneca beschuldigt, Seroquel illegal auch für weitere Krankheitsbereiche wie Angststörungen, Alzheimer, Demenz und posttraumatische Stress-Störung zu bewerben und Ärzte dafür zu bezahlen, ihre Namen für hauseigene Veröffentlichungen bereitzustellen, ohne sich in irgendeiner Form an der Veröffentlichung beteiligt zu haben. Diese Art von Marketing erwies sich für die Firma als höchst erfolgreich – der Umsatz betrug allein im Jahr 2009 in den USA 3,4 Milliarden Dollar. Nun wurde AstraZeneca in einem gerichtlichen Vergleich zu einer Bußgeldzahlung von 520 Millionen US Dollar verdonnert und musste sich verpflichten, alle Ärzte mit einem Schreiben davon zu unterrichten. (Reuters Print 02.05.2010)
Marketingtricks der Pharmaindustrie
„Neu“ bedeutet in der Pharmaindustrie häufig nur, dass der Preis „neu“ und damit sehr hoch ist. Das Medikament selbst weist im Vergleich zu bereits bewährten Medikamenten oft nur geringfügige chemische Veränderungen auf, die für (Teaserende) die Patienten keinen zusätzlichen Nutzen bringen.
Die amerikanische Konsumentenschutz-Organisation „Worst Pills, Best Pills“ hat eine Liste von „neuen“ Medikamenten veröffentlicht, die sich von herkömmlichen Mitteln nur in der räumlichen Anordnung ihrer Atome unterscheiden.
Ein prominentes Beispiel ist das Magenmittel Esomeprazol (enthalten z.B. in Nexium), das exakt dieselben chemischen Einzelteile (Atome) enthält wie das Magenmittel Omeprazol (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Omeprazol + Firmenbezeichnung). Nexium ist inzwischen weltweit die Nummer 3 der meistverkauften Medikamente. Ob ein Medikament erfolgreich ist, hängt im Wesentlichen nicht von seinen Wirkungen und Nebenwirkungen, sondern vom Marketing ab.
Ein weiteres prominentes Beispiel ist das relativ „neue“ Allergiemittel Levocetirizin (enthalten z.B. in Xusal), das aus denselben Atomen zusammengesetzt ist wie Cetirizin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Cetirizin + Firmenbezeichnung): Es bringt keinerlei Vorteil, hat es im Verkauf aber schon auf die weltweite Bestsellerliste geschafft. (Worst Pill, Best Pills Newsletter, Mai 2010)
Magenmittel wie Omeprazol erhöhten das Risiko von Infektionen im Krankenhaus
Magenmittel vom Typ der Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (enthalten z.B. in Generika mit dem namen Omeprazol + Firmenbezeichnung), Esomeprazol (enthalten z.B. in Nexium) Lansoprazol (enthalten z.B. in Agopton) oder Pantoprozol (enthalten z.B. in Pantoloc, Pantozol, Rifun, Zacpac) drosseln die Produktion von Magensäure. Experten kritisierten, dass sie viel zu häufig verschrieben werden. Eine Analyse der Daten von Krankenhaus-Patienten hat nun ergeben, dass eine intensive Behandlung mit derartigen Medikamenten das Risiko steigert, an schwer wiegenden Krankenhauskeimen zu erkranken, die Bauchkrämpfe, Fieber und teilweise bedrohliche Durchfälle verursachen. (Archives of Internal Medicine, Vol. 170, Nr. 9, 10.05.2010)
Fischöl ist leider keine Gehirnnahrung
Viele ältere Menschen verwenden Fischöl als Nahrungsergänzungsmittel, weil es den Ruf hat, dass es gut für Gehirn, Herz und Kreislauf sei. Eine große medizinische Studie in London, an der 867 gesunde Männer und Frauen im Alter zwischen 70 und 79 Jahren teilnahmen, hat nun ergeben, dass das leider nicht stimmt. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt und erhielten zwei Jahre lang täglich Kapseln mit unterschiedlichen Ölen:
Die eine Gruppe erhielt die in Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, die andere Gruppe erhielt lediglich ein Placebo, und zwar Olivenöl. Nach zwei Jahren zeigte sich zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied in der geistigen Leistungsfähigkeit. Allerdings litten Personen aus der Fischöl-Gruppe etwas häufiger an Nebenwirkungen wie Rülpsen, Blähungen sowie Stuhlinkontinenz. (American Journal of Clinical Nutrition 21, 2010 online)
Nüsse können Cholesterinwerte senken
Hohe Blutfettwerte müssen nicht immer mit Medikamenten behandelt werden. Sind erhöhte Cholesterinwerte nicht durch Krankheiten verursacht, können sie auch durch eine Änderung von Ernährungsgewohnheiten normalisiert werden. Ein Überblick über mehrere medizinische Studien mit insgesamt 600 Patienten in der angesehenen Fachzeitschrift „Archives of Internal Medicine“ zeigt, dass eine dreiwöchige Diät mit einer erhöhten Menge an Nüssen die Gesamt-Cholesterinwerte signifikant senken kann. Die wirksame tägliche Dosis lag bei etwa 70 Gramm Nüssen, bei größerer Nuss-Konsumation wurde ein noch besserer Effekt erzielt. Die Wirkung war bei allen Nuss-Sorten annähernd gleich. (Physician’s First Watch, 11.05. 2010)
Faserreiche Kost kann das Risiko von Herzerkrankungen verringern
Eine Analyse von 18 medizinischen Studien an insgesamt 45.000 Erwachsenen hat folgendes ergeben: Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren, erleiden signifikant seltener Herz- und Netzhauterkrankungen. Der gute Rat der Mediziner: Für Patienten mit einem hohen Risiko für Herzerkrankungen ist es sinnvoll, sich ballaststoffreich zu ernähren, also beispielsweise mit Vollkornbrot, Müsli und Obst. (Physician’s First Watch, 11.05.2010)
Obst und Gemüse schützen nicht vor Krebs
„Fünfmal täglich Obst und Gemüse“ – diese Formel galt Krebsexperten jahrelang als wirksames Rezept gegen Krebs. Doch nun stellt eine große medizinische Studie fest, dass das ein Irrglaube ist. Neun Jahr beobachteten Mediziner das Ernährungsverhalten von 480.000 erwachsenen Europäern. Lediglich bei Frauen zeigte sich, dass eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse möglicherweise ein klein wenig gegen Krebs schützt. (Physician’s First Watch, 07.04.10)
Alzheimer – derzeit keine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich
Eine hochrangige internationale Expertengruppe der amerikanischen Gesundheitsbehörde hat alle veröffentlichten medizinische Studien zur Vorbeugung und Behandlung von Alzheimer überprüft und ist zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen, dass es derzeit keine wirksame Methode gibt, um Alzheimer zu verzögern, zu verhindern oder bereits aufgetretene Symptome zu verringern. Das betrifft sowohl Medikamente als auch Nahrungsergänzungsmittel, körperliche Aktivitäten wie Sport und Bewegung oder geistiges Training.
Die Leiterin der Untersuchung, Professorin Martha Daviglus von der medizinischen Universität in Chicago erklärte: „Wir hätten uns gewünscht, eine klare Botschaft aussenden zu können, dass eine bestimmte Pille oder eine bestimmte Verhaltensregel oder eine bestimmte Diät wirksam ist. Das ist aber leider nicht der Fall. Derzeit gibt es keine Möglichkeit der Vorbeugung oder Behandlung.“ (NIH News, 29. April 2010, US Department of Health and Human Services)
Vorbeugende Lungenkrebs-Untersuchungen bringen oft falsche Ergebnisse
Die bedeutendste amerikanische Krebsforschungs-Organisation „National Cancer Insitute“ hat an 3.200 Rauchern und Ex-Rauchern den Nutzen und die Risiken vorbeugender Lungenkrebs-Untersuchungen geprüft. Dabei wurde einmal jährlich entweder eine Röntgenaufnahme oder eine Computer-Tomografie (CT) durchgeführt und anschließend eine Diagnose (Lungenkrebs oder kein Lungenkrebs) gestellt – insgesamt dreimal.
Erschreckendes Ergebnis: Nahezu jede dritte Lungenkrebsdiagnose, die aufgrund einer Computer-Tomographie gestellt wurde, war falsch. Mit anderen Worten: Diese Patienten/innen hatte in Wirklichkeit gar keinen Krebs. Einige von ihnen mussten in der Folge jedoch gravierende weitere Diagnoseverfahren wie Bronchoskopien oder Biopsien (= Gewebeentnahmen aus der Lunge) über sich ergehen lassen.
Von jenen Patienten, bei denen als vorbeugende Lungenkrebs-Untersuchung Röntgenaufnahmen durchgeführt wurden, wurde fälschlicherweise nur jeder siebte mit der Diagnose Lungenkrebs belegt.
In Wirklichkeit hatten nur zwei von hundert Patienten Lungenkrebs, der operiert werden musste – und zwar bei beiden Gruppen.
Als wichtige Erkenntnis aus dieser Studie raten die beteiligten Mediziner, dass Ärzte gemeinsam mit ihren Patienten die Vorteile vorbeugender Lungenkrebs-Untersuchungen genau gegen die Nachteile abwägen sollten. (Annals of Internal Medicine; Physician’s First Watch, 20.04.10)
Korrupte Medizin
Im Mai 2010 erscheint bei Kiepenheuer & Witsch die Taschenbuchausgabe des Bestsellers „Korrupte Medizin“ von Hans Weiss. Mit neuen Namen, neuen Fakten und neuem Sprengstoff über die korrupte Zusammenarbeit einflussreicher Ärzte mit großen Pharmaunternehmen. Mit dem Originalbericht eines hochrangigen internationalen Pharmamanagers über anrüchige Geschäftspraktiken. Und mit einem neuen Vorwort, in dem Hans Weiss die teilweise wütenden Reaktionen von Ärzten und Pharmakonzernen auf das Erscheinen der Originalausgabe beschreibt.
Für die Originalausgabe absolvierte Hans Weiss eine sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und baute sich eine respektable Identität als Pharma-Consultant auf, er nahm an brancheninternen Symposien teil, hatte Zugang zu geheimen Marketingdokumenten und brisanten Geheimstudien und wurde zum begehrten Gesprächspartner von Klinikchefs. Im Buch nennt er die Namen prominenter Ärzte aus Deutschland und Österreich, die auf der Zahlungsliste von Konzernen stehen, und stellt dar, wie sie sich zu unethischen Studien an ihren Patienten verführen lassen. Er veröffentlicht konkrete Beispiele für Betrügereien der Konzerne – von der Forschung und Lehre bis zur Durchsetzung neuer Medikamente.
Alle Zahlungen von Pharmakonzernen an Ärzte müssen veröffentlicht werden
Das gilt leider nur für die USA, und zwar ab dem 1. Januar 2012. Der amerikanische Kongress hat im März ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, um mehr Transparenz in die anrüchigen Beziehungen zwischen Ärzten und Pharmaindustrie zu bringen. In Europa wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis die Gesundheitsbehörden derartige Vorschriften erlassen und die wuchernde Korruption zwischen Pharmabranche und Ärzten eindämmen.
Vitamin B bei diabetischen Nierenschäden (Nephropathie) abzulehnen
Eine Spätfolge von Diabetes sind Nierenschäden. Diese werden oft mit Vitamin B behandelt, um den Homocystein-Laborwert zu senken. Eine neue kanadische Studie hat nun ergeben, dass durch Vitamin B wie erwartet sinkt zwar der Laborwert sinkt, dies aber keine Verbesserung für die Nieren bewirkt. Empfehlung der Mediziner: Bei diabetischen Nierenschäden sollte man nicht Vitamin B behandeln, weil das keinen therapeutischen Nutzen hat.
Pharmakonzerne als notorische Gesetzesbrecher
Seit kurzem gibt es in den USA den politischen Willen, den großen Pharmakonzerne wegen illegaler Marketingmethoden, irreführender Werbung, Verharmlosung von Nebenwirkungen und Preismanipulationen auf die Finger zu klopfen. Sie stehen deshalb auch immer wieder vor Gericht und werden zu enormen Strafzahlungen verdonnert. In Europa können die Firmen jedoch nach wie vor schalten und walten, wie sie wollen.
Seit der Wahl von Barack Obama vor eineinhalb Jahren wurden in den USA für Pharmakonzerne folgende Strafzahlungen ausgesprochen:
- Pfizer (weltgrößter Pharmakonzern): Anfang 2009 insgesamt 2,3 Milliarden Dollar wegen illegaler Marketingmethoden
- Eli Lilly (zehntgrößter Pharmakonzern): Anfang 2009 insgesamt 1,4 Milliarden Dollar wegen illegaler Marketingmethoden
- GlaxoSmith Kline (GSK; zweitgrößter Pharmakonzern der Welt): Anfang 2010 insgesamt 400 Millionen Dollar wegen illegaler Marketingmethoden und kickbacks = Bestechung
- AstraZeneca (drittgrößter Konzerne der Welt): Anfang 2010 insgesamt 550 Millionen britische Pfund wegen Preismanipulationen; der Konzern hat in seinem Budget Anfang 2010 außerdem 500 Millionen Dollar auf die Seite gelegt, um wegen illegaler Marketingmethoden und kickbacks (= Bestechung) eine erwartete Strafe in dieser Höhe bezahlen zu können.
- Novartis (viertgrößter Pharmakonzern der Welt), hat Anfang 2010 in seinem Budget 185 Millionen Dollar auf die Seite gelegt, um wegen illegaler Marketingmethoden eine erwartete Strafe in dieser Höhe bezahlen zu können.
- Bayer musste Ende des Jahres 2008 insgesamt 97 Millionen Dollar wegen illegaler Marketingpraktiken (unter anderem kickbacks = Bestechung) bezahlen.
- MarkSharp&Dohme musste 2008 insgesamt 650 Millionen Dollar wegen illegaler Marketingaktivitäten bezahlen
Rückenschmerzen oft falsch behandelt
Wenn Patienten mit akut schmerzender Lendenwirbelsäule den Arzt für Allgemeinmedizin aufsuchen, werden sie oft falsch behandelt. Das hat eine neue australische Studie ergeben, bei der 3533 Patientenbesuche überprüft und mit den geltenden ärztlichen Leitlinien verglichen wurden. Laut Leitlinie sind etwa Röntgenaufnahmen als erste Diagnosemaßnahme nicht sinnvoll – trotzdem wurde jeder vierte Patient röntgenisiert. Und obwohl laut Leitlinie zunächst nur mit einfachen Schmerzmitteln behandelt sollte, verschrieben Ärzte/Ärztinnen in den meisten Fällen starke Schmerzmittel vom Typ der Opioide oder stark wirkende Rheumamittel. Dass sich Ärzte nicht an ihre eigenen Leitlinien halten, bedeutet für Patienten erhöhte Nebenwirkungsrisiken. (Archives of Internal Medicine, 2010; 170(3): S. 271-277)
Religion bietet keinen Schutz vor Herzkreis-Erkrankungen
Amerikanische Mediziner haben die interessante Frage untersucht, ob Religiosität vor Herz-Kreislauferkrankungen schützt. Die Studie umfasste nahezu 5500 Patienten – Weiße, Schwarze, Hispanics und Chinesen im Alter zwischen 45 und 84 Jahren. Diese wurden nach der Häufigkeit der Teilnahme an religiösen Veranstaltungen befragt, nach Gebeten und Meditation, nach Gefühlen von Nähe zu Gott oder Transzendenz und entsprechenden Erfahrungen. Ernüchterndes Ergebnis: Religion bietet keinen Schutz vor Herzkreislauferkrankungen. Es zeigte sich jedoch, dass religiöse Menschen weniger rauchten, jedoch übergewichtiger waren – je gläubiger, desto mehr. (Circulation 2010;121: S.659-666)
Vitamin C, E und Magnesium bieten keinen Schutz gegen Augenschäden infolge von Diabetes (= diabetische Retinopathie)
Weil manche Mediziner immer wieder behaupten, dass bestimmte Nährstoffe einen Schutz gegen Augenschäden bei Diabetes bieten, hat eine niederländische Forschergruppe fünfzehn entsprechende medizinische Studien überprüft. Es stellte sich heraus, dass weder Vitamin C noch Vitamin E einen Schutz bietet. Bei Magnesium zeigten sich widersprüchliche Ergebnisse. (Ophtalmology 2010;117:71-78)
Wucherpreise für deutsche Medikamente
Bittere-Pillen-Autor Hans Weiss war am 7. März 2010 als Pharmaexperte in der Talkshow bei Anne Will, bei der es auch um Arzneimittelpreise ging.
Am 12.3.2010 gab er im Deutschlandradio ein Interview über „Pharmaindustrie und Medikamentenpreise“
Sport hält das Gehirn fit
Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein sportlicher Lebensstil dem geistigen Abbau vorbeugen – darauf weisen zwei aktuelle amerikanische Studien hin. Eine kleine Untersuchung an 33 Personen zwischen 55 und 85 Jahren zeigte, dass regelmäßige Bewegung wie flottes Gehen oder Schwimmen, im mittleren Alter durchgeführt, geistigen Abbau stoppen und die Konzentration sowie Organisations- und Planungsfähigkeiten sogar verbessern kann. Die Ergebnisse einer zweiten Studie, an der 1.324 Personen beteiligt waren, belegten, dass regelmäßige, mäßige sportliche Betätigung in der Lebensmitte das Risiko von Gedächtnisstörungen deutlich, in späteren Lebensjahren immer noch merkbar verringern kann. (Archives of Neurology, Vol. 67 Nr.1, Januar 2010)
Schweinegrippe-Wahn im Internet
Es fällt auf, dass im Internet immer wieder Verschwörungstheorien verbreitet werden - auch rund um die Schweinegrippe. So hieß es zum Beispiel, dass H1N1-Impfstoffe deshalb entwickelt wurden, um die Grippe zu verbreiten, anstatt sie zu stoppen. Angeblich gab es bei der Weltgesundheitsorganisation WHO und Pharmafirmen einen Plan, um mit vergifteten Impfstoffen die Weltbevölkerung zu reduzieren. Außerdem hieß es, der Wirkverstärker von Pandemrix habe das Golfkriegssyndrom ausgelöst. Weit verbreitet war auch die Ansicht, das H1N1-Virus sei bloß eine Erfindung der Pharmaindustrie und die WHO werde demnächst weltweit eine Zwangsimpfung verordnen, die mit Polizei und Militär durchgesetzt werden soll. Seriöse Mediziner kommentieren das alles als „haarsträubender Unsinn“. Solche Verschwörungstheorien sind wohl auch Ausdruck eines wachsenden Unbehagens von Patienten mit unethischen Marketingpraktiken der Pharmaindustrie und mit Medizinern, die dabei mitspielen.
Autistische Kinder brauchen keine Diät
Im Rahmen einer großen Untersuchung über die Behandlung von Verdauungsproblemen bei Kindern mit Autismus wurde festgestellt, dass eine Gluten-freie oder Casein-freie Diät keinen Einfluss auf Autismus-Symptome und die Kommunikationsfähigkeiten hat. Auffallend war jedoch, dass einige Eltern subjektiv positive Wirkungen feststellten, obwohl diese objektiv nicht nachweisbar waren. Chronische Bauchschmerzen oder Durchfälle sowie Reflux scheinen bei autistischen Kindern eher Verhaltensprobleme zu sein. (Pediatrics,125, Januar 2010, S.19-29)
Bei Einnahme atypischer Neuroleptika Stoffwechsel regelmäßig kontrollieren
Bei Patienten, die atypische Neuroleptika einnehmen, sollten laut ärztlichen Leitlinien regelmäßig die Zucker- und Fettstoffwerte kontrolliert werden. In den USA wurde bei 100.000 Patienten überprüft, ob die verschreibenden Ärzte sich an diese Empfehlung halten. Das Ergebnis war ernüchternd: Bei weniger als einem Drittel aller Patienten wurden die Zuckerwerte und nur bei 15 Prozent die Fettstoffwerte überprüft. (Physician’s First Watch, 8.01.2010, Archives of General Psychiatry)
WHO lehnt Homöopathie bei schweren Krankheiten ab
Die WHO hat in einer Aussendung darauf hingewiesen, dass homöopathische Methoden bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie HIV, Tuberkulose, Malaria, Grippe und Durchfall bei Kindern eindeutig abzulehnen sind, und hat an die Gesundheitsminister aller Länder appelliert, die Förderung der Homöopathie bei lebensbedrohlichen Krankheiten zu bekämpfen. (Skeptiker 4/2009, S. 198)
Keine Blumen am Krankenbett?
Hartnäckig hält sich der Mythos, dass von einem Blumenstrauß und dem Wasser in der Vase am Bett von Patienten Infektionsgefahren ausgehen. Deshalb ist es in manchen Spitälern verboten, derartige Zeichen der Zuneigung mitzubringen. Eine britische Untersuchung widerlegt diesen Irrtum. Bei der Befragung von Krankenschwestern stellte sich jedoch heraus, dass das Spitalspersonal Blumen ablehnt, weil Wasserwechseln Mehrarbeit bedeutet. (British Medical Journal, 16. 12.2009, 339; b5257)
Antidepressiva wirken nur bei schweren Depressionen
Eine Übersicht über sechs hochwertige medizinische Studien aus den Jahren 1980 bis 2009, die mehr als 700 Patienten mit unterschiedlich starken Depressionen umfassten, ergab, dass Antidepressiva ihre beste Wirkung bei sehr schweren Depressionen entfalten: Je stärker die Depression, desto wirksamer die Arznei. Bei der großen Gruppe der Patienten, die nur leicht depressiv sind, wirken Antidepressiva kaum bzw. nicht besser als Scheinmedikamente (Placebo-Mittel). (Journal of the American Medical Association 2010; 303 (1):S. 47-53) Haare weder von Lebensstil noch Umweltfaktoren beeinflusst wird – es ist genetisch bedingt und wird vererbt. (Public Library of Science ONE, 4 (12), Dezember 2009)
Silberhaar ist genetisch bedingt
Manche Menschen wirken für ihr Alter erstaunlich jung, weil ihre Haare erst in späten Jahren ergrauen. Wissenschafter haben 102 eineiige und nicht-eineiige weibliche Zwillingspaare im siebenten und achten Lebensjahrzehnt untersucht und festgestellt, dass das Ergrauen der Haare weder von Lebensstil noch Umweltfaktoren beeinflusst wird – es ist genetisch bedingt und wird vererbt. (Public Library of Science ONE, 4 (12), Dezember 2009)
Impfungen und Autismus – manipulierte Daten
Der Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln könne bei Kindern Autismus verursachen. Das behauptete 1998 der angesehene britische Mediziner Andrew Wakefield und belegte dies mit einer Studie, die im selben Jahr in der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurde. Als Folge davon verweigerten weltweit Millionen von Eltern die Impfung an ihren Kindern.
Nun stellt sich heraus, dass der verantwortliche Mediziner Honorare in der Höhe von rund einer halben Million Euro von Impfgegner-Gruppen erhalten und die Daten manipuliert hatte. Jetzt ist klar: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Impfen und Autismus.
Die britische Gesundheitsbehörde GMC, welche die Hintergründe diese Skandals untersuchte, stellte zusammenfassend fest, dass der Mediziner Andrew Wakefield „unehrenhaft“ und „verantwortungslos und gegenüber den in der Studie untersuchten Kindern mit „gefühlloser Gleichgültigkeit“ gehandelt habe. Er habe die Fachzeitschrift „Lancet“ und deren Leser in die Irre geführt. Daraufhin entschuldigte sich die Fachzeitschrift „Lancet“ am 2. Februar 2010 bei ihren Lesern und zog Wakefields Veröffentlichung aus dem Jahr 1998 zurück.
Empfehlung zur Schweinegrippe-Impfung
Es gibt nach wie vor keinen Grund, die in unseren letzten Newslettern geäußerte Empfehlung zu ändern: Derzeit abzuraten.
Die Infektionszahlen sinken, die angekündigte Gesundheitskatastrophe findet nicht statt. Die Bevölkerung war klüger als viele Experten und Pharma-Lobbyisten und leistete Widerstand gegen die hysterische Impfkampagne. Bis Ende des Jahres 2009 hatten sich in Deutschland etwa 200.000 Infizierte mit dem Schweinegrippenvirus infiziert. Im Zusammenhang damit sollen etwa 130 bis 160 Personen gestorben sein. Das für die Überwachung der Krankheit in Deutschland zuständige Robert Koch Institut weist jedoch darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Infektion und Tod nicht immer nachgewiesen werden kann. Die Mehrzahl der Verstorbenen litt an erheblichen Vorerkrankungen. Entgegen der ursprünglichen Empfehlung, dass man sich zweimal impfen lassen müsse, heißt es nun, dass eine einzige Impfung genüge. Weil Deutschland nun – so wie viele andere Länder auch – auf riesigen Mengen unverbrauchter Impfmittel sitzt, erklärte sich die Herstellerfirma GSK nun großzügig zu einem Storno bereit. (arznei-telegramm 12/09, S.103f; RKI-Bulletin 50/09)
Vitamin D-Mangel erhöht das Sterberisiko
Amerikanische Forscher beobachteten 27 000 Personen mit einem Alter über fünfzig und fanden heraus, dass jene mit einem sehr niedrigen Spiegel an Vitamin D im Blut (unter 15 Nanogramm pro Milliliter), ein um 77 Prozent höheres Risiko hatten, an einer Herzerkrankung bzw. an einem Gehirnschlag zu sterben, als jene mit normalem Vitamin D-Spiegel (mehr als 30 Nanogramm pro Milliliter). Sie hatten außerdem ein erhöhtes Risiko, eine Erkrankung der Herzarterien oder ein Herzversagen zu erleiden. Ein besonders hohes Risiko zeigte sich bei Älteren (weil ihr Blut eine geringere Menge an Vitamin D-Vorstufen enthält und weil sie weniger Zeit im Freien verbringen), Übergewichtigen, Pflegebedürftigen, Eingesperrten, Schwangeren, Stillenden, Dunkelhäutigen, sowie Menschen, die in höheren Regionen leben. Zwei groß angelegte Studien sollen in den nächsten Jahren die ideale Dosis von Vitamin D klären.
Die beste Nahrungsquelle für Vitamin D ist Fisch und fünf bis zehn Minuten in der Sonne reichen für den täglichen Vitamin-D-Bedarf. (The Heart Organisation, 24.11.09)
Sichtbare Placebo-Wirkung
Scheinmedikamente (Placebos) können bei manchen Erkrankungen beträchtliche Wirkungen verursachen – einerseits durch bedingte Reflexe, andererseits durch Erwartungen an den Arzt/die Ärztin. Eine Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt beschreibt, dass Placebowirkungen auch mit Computertomographie, mit Röntgenuntersuchungen und MRT nachgewiesen werden können. Die Autoren schreiben: „Placeboeffekte machen sehr wahrscheinlich einen Teil, wenn nicht die Gesamtheit der Wirkung von Alternativverfahren und Komplementärmedizin aus.“ (Deutsches Ärzteblatt Int. 2009; 106(46): S. 751-55)
Frauen – schwer krank und allein
Wenn bei Frauen eine schwere Krankheit auftritt, wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Gehirntumor, ist ihr Risiko, vom Partner verlassen zu werden, sechsmal höher als für Männer. Das ergab eine amerikanische Studie der Universität von Washington. Die Forscher hatten mehr als 500 verheiratete Frauen und Männer mit derartigen Erkrankungen fünf Jahre lang begleitet. 21 Prozent der Patientinnen standen nach der Diagnose ohne Beziehung da, doch nur 3 Prozent der Männer wurden von ihrer Partnerin im Stich gelassen. (Cancer, 2009; 15. Nov.; 115 (22): S.5237-42)
Medien-Wirbel um eine Neurodermitis-Salbe
Am 18. Oktober des vergangenen Jahres konnten Fernsehzuschauer ein Lehrstück über geschickte Medikamenten-Werbung beobachten. Zunächst lief im Hauptabendprogramm der ARD ein Film über die angebliche Verschwörung der Pharmabranche gegen einen unkonventionellen Medikamentenhersteller. Die Vermarktung der neu entwickelten, besonders gut wirksamen Neurodermitis-Salbe Revigiderm werde aus Konkurrenzgründen von den großen Pharmafirmen behindert. Im kurz darauf folgenden Interview der Sendung „Hart aber Fair“ wurde dem Hersteller erneut Gelegenheit geboten, auf die gute Wirkung des Produkts hinzuweisen. Er verschwieg jedoch, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vertriebsnummer beantragt hatte – allerdings nicht für die Vermarktung als Medikament, sondern als Medizinprodukt. Dadurch benötigt er keinen Nachweis, dass das Medikament wirkt. Kritiker des Wundermittel-Herstellers zeigten auf, dass das angebliche Wundermittel bei jedem zweiten Patienten unangenehme Nebenwirkungen verursacht. (Stationäre Aufnahme. Revigiderm: Chronik eines Medienskandals. http://gesundheit.blogger.de/stories/1511299 und www.scienceblogs.de, Zugriff 17.12.09)
Gefahr durch „Nanosilber“?
In letzter Zeit wird Silber in fein verteilter Form wegen seiner desinfizierenden Wirkung vermehrt eingesetzt – etwa in Verpackungen für Lebensmittel, in Medizinprodukten zur Desinfektion und Schutz vor Keimen, etwa für die Wundbehandlung, in Haushalts- und Bürogeräten, in Anstrichen, Lacken und Farben, in Textilien mit antibakteriellen und Geruch hemmenden Eigenschaften. Der BUND für Umwelt und Naturschutz warnt in einer kürzlich vorgestellten Studie vor der inflationären Verwendung von Nanosilber und fordert gesetzliche Regelungen zum Verbraucherschutz. (http://tinyurl.com/yjhgk4f, Dezember 2009)
Sport fördert Arthrose des Kniegelenks
Bewegung ist gesund, Überbeanspruchung nicht. Die von der US-Gesundheitsbehörde geförderte Osteoarthritis-Initiative untersucht derzeit eine Gruppe von beinahe 5.000 Menschen über einen längeren Zeitraum auf Schäden an Kniegelenken. Bei vielen der 45-55-jährigen Teilnehmer zeigten sich erste Zeichen einer Arthrose, wie Meniskusverletzungen oder Schäden an den Knochenbändern (Ligamenten).
Bei drei von vieren war ein Knochenmarködem erkennbar. Bei Personen, die regelmäßig Sport betrieben oder Gartenarbeit leisteten, waren deutlich mehr Schäden erkennbar. Besonders schädlich für die Kniegelenke sind offenbar hohe Belastungen, wie sie beim Laufen und Springen auftreten. Gesünder sind wahrscheinlich Schwimmen und Radfahren. Die Studie wird noch sieben Jahre lang weiter geführt. (noch nicht publiziert; zit. in: www.ärzteblatt.de/nachrichten/3914/ Sport_foerdert_Gonarthrose.htm, 2.12.09)
Empfehlung zur Schweinegrippe-Impfung
Es gibt nach wie vor keinen Grund, die in unseren letzten Newslettern geäußerte Empfehlung zu ändern: Derzeit abzuraten.
Die Infektionszahlen sinken, die angekündigte Gesundheitskatastrophe findet nicht statt. Die Bevölkerung war klüger als viele Experten und Pharma-Lobbyisten und leistete Widerstand gegen die hysterische Impfkampagne. Bis Ende des Jahres 2009 hatten sich in Deutschland etwa 200.000 Infizierte mit dem Schweinegrippenvirus infiziert. Im Zusammenhang damit sollen etwa 130 bis 160 Personen gestorben sein. Das für die Überwachung der Krankheit in Deutschland zuständige Robert Koch Institut weist jedoch darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Infektion und Tod nicht immer nachgewiesen werden kann. Die Mehrzahl der Verstorbenen litt an erheblichen Vorerkrankungen. Entgegen der ursprünglichen Empfehlung, dass man sich zweimal impfen lassen müsse, heißt es nun, dass eine einzige Impfung genüge. Weil Deutschland nun – so wie viele andere Länder auch – auf riesigen Mengen unverbrauchter Impfmittel sitzt, erklärte sich die Herstellerfirma GSK nun großzügig zu einem Storno bereit. (arznei-telegramm 12/09, S.103f; RKI-Bulletin 50/09)
Virtueller Zigarettenknick kann entwöhnen
Ein kanadisches Forscherteam entwickelte eine neue Methode zur Raucherentwöhnung. 90 Raucher wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe zerstörte einmal wöchentlich eine halbe Stunde lang vor dem Bildschirm auf virtuelle Art und Weise Zigaretten, während die andere angewiesen wurde, vor dem Bildschirm auf virtuelle Art und Weise nach Bällen zu greifen. Nach zwölf Wochen waren 15 Prozent der Zigarettenzerstörer 15 Prozent abstinent, aber nur zwei Prozent der Ballfänger. Nach einem halben Jahr gaben sogar 39 Prozent der ersten Gruppe an, nicht mehr zu rauchen. In der Vergleichsgruppe – die mit den Bällen - waren es nur 20 Prozent. (Cyberpsychology & Behaviour 2009, Vol 12,Nr. 5, online) Laut einer Meta-Analyse sind Computergestützte Entwöhnungsprogramme durchaus wirksam. (Archives of Internal Medicine 2009;169: 929-37)
Warnung vor Antibabypillen der dritten Generation
Empfängnisverhütende Tabletten, welche die Wirkstoffe Desogestrel oder Drospirenone enthalten, gelten als Pillen der „dritten Generation“. Zwei große Studien – eine aus den Niederlanden, die andere aus Dänemark – zeigen, dass Frauen, die eine Pille dieser dritten Generation einnehmen, gegenüber denen der „zweiten Generation“ das doppelte bzw. 1,8-fache Risiko einer Thrombose haben. Zu den Drospirenon-haltigen Pillen gehören unter anderem Aida, Petibelle, Yasmin und Yasminelle. Zu den Pillen, die Desogestrel enthalten, gehören unter anderem Biviol, Cerazette, Desmin, Lamuna, Lovelle, Marvelon, Mercilon, Novial und Oviol. (Worst Pills Best Pills Newsletter, Dezember 2009)
Wie wirksam ist Osteopathie?
Der Vorstand der deutschen Bundesärztekammer beauftragte seinen wissenschaftlichen Beirat mit einer Bewertung von Nutzen und Risiken osteopathischer Behandlungsmethoden. Das Ergebnis intensiver Literaturrecherche: Wirksam sind jene Griff-Techniken, die auf Muskeln und Bindegewebe einwirken, und zwar meist bei chronischen Schmerzen der Wirbelsäule. Hinweise auf positive Wirkungen gibt es auch bei eingeschränkter Funktionsfähigkeit älterer Personen, bei Weichteilrheumatismus (Fibromyalgie), bei wiederkehrender Mittelohrentzündung, bei jugendlichem Asthma und bei Dreimonatskoliken. Die Risiken osteopathischer Behandlungsmethoden seien zwar gering, sollten aber durch eine ärztliche Untersuchung und Differenzialdiagnose ausgeschlossen werden. Für die sogenannte Craniosakraltherapie gibt es keinen Nachweis, dass sie wirksam ist. (Deutsches Ärzteblatt 106/ 46, 13.11.09)
Risikohinweis bei Hormon-Therapie
Seit Veröffentlichung einer großen amerikanischen Studie an 17.000 Frauen im Jahr 2002 ist bekannt, dass Hormontherapie im Klimakterium das Brustkrebsrisiko erhöht. Aus weiteren Untersuchungen an Frauen dieser Studie haben Mediziner nun Hinweise gefunden, welche Frauen besonders gefährdet sind. Wenn innerhalb eines Jahres nach Beginn einer Hormontherapie die Brust empfindlich wird, ist das ein deutlicher Hinweis dafür, dass diese Frauen ein stark erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. (Physicians’s First Watch, 13.10.09)
Diabetes Typ2 – maßgeschneiderte Therapie gefragt
Das Ziel einer Typ2-Diabetes-Behandlung ist Durchblutungsstörungen und ihre dramatischen Folgen auf die Organe möglichst zu verhindern. Umstritten ist in Fachkreisen nach wie vor, wie weit der Blutzucker gesenkt werden soll. Der entsprechende Wert (HbA 1c) beträgt im Durchschnitt bei Gesunden 5 Prozent. Einig ist man darin, dass bei Diabetes-Patienten unter 60 Jahren intensiv behandelt werden sollte, um den Wert möglichst nahe an die 5 Prozent heran zu bringen; bei ältern Patienten besteht dabei ein höheres Risiko einer tödlichen Unterzuckerung, deshalb werden individuell angepasste Therapien angestrebt und Werte von unter 6,5 bis 7 Prozent toleriert. (Tagungsbericht „The Heart Organisation“, 9.10.09)
Behandlung bei Nervenschmerzen (Neuropathie)
Folgende Medikamente sind bei Neuropathie wirksam:
- Die antiepileptischen Wirkstoffe Carbamazepin (enthalten z.B. in Tegretal) oder Gabapentin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Gabapentin + Firmenbezeichnung)
- Trizyklische Antidepressive wie etwa Generika mit dem Namen Amitriptylin + Firmenbezeichnung oder der Wirkstoff Nortriptylin (enthalten z.B. in Nortrilen)
- Der antidepressive Wirkstoff Duloxetin ( enthalten z.B. in Ariclaim)
- Mittel zum Auftragen auf die Haut, die Cayennepfeffer bzw. Capsaicin enthalten (z.B. Capsamol).
- In schweren Fällen kann eine Kombinationsbehandlung mit dem Antidepressivum Nortriptylin (z.B. in Nortrilen) plus Gabapentin (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Gabapentin + Firmenbezeichnung) sinnvoll sein. (Lancet, 10. Oktober 2009; 374: 1252)
Zusätzliche Einnahme von Vitamin D kann Stürze verhindern
Ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko, zu stürzen und sich dabei Verletzungen zuzuziehen. In einer britischen Studie hat sich gezeigt, dass die tägliche Einnahme von 700 Einheiten Vitamin D das Sturzrisiko wesentlich verringert. (British Medical Journal, Oktober 2009; 339: b3692)
Empfehlung zur Schweinegrippe-Impfung
Es gibt nach wie vor keinen Grund, die in unseren letzten Newslettern geäußerte Empfehlung zur Impfung zu ändern: Derzeit abzuraten.
Nach wie vor verläuft die Schweinegrippe in Deutschland milde. „Eine Massenimpfung mit den in Europa (verwendeten) Impfstoffen könnte die größere Gefährdung bedeuten“, schreibt die Berliner Fachzeitschrift arznei-telgramm (10/09, S. 86). Die ständige Impfkommission STIKO rät Schwangeren von einer Impfung mit Pandemrix ab und empfiehlt, einen Impfstoff ohne sogenannten Wirkverstärker zu verwenden. Das Problem bei dieser Empfehlung: Der in Deutschland erhältliche Impfstoff Celvapan, der keinen Wirkstoff-Verstärker enthält, ist bis jetzt an Schwangeren nicht ausreichend untersucht worden.
Das Geschäft mit der Panikmache
Das Schweinegrippe-Virus dominiert derzeit die Grippeerkrankungen weltweit. Wie es sich ausbreiten wird, lässt sich laut Experten der WHO und der US-amerikanischen Behörde CDC (Center of Desease Control) nicht voraussehen (MMWR weekly, 13.11.09). Im den USA und Großbritannien geht die Infektionsrate seit Anfang November deutlich zurück.
In Deutschland lag die Zahl der Neuerkrankungen laut Robert-Koch-Institut Mitte November bei etwa 15.000 pro Woche. Bis Ende März 2010 werden geschätzte 300.000 Personen erkranken – das entspricht 3,75 Promille der Bevölkerung.
Ende November berichtete das Robert-Koch-Institut von 61 Todesfällen im Zusammenhang mit Schweinegrippe-Infizierten waren – meist Personen mit Vorerkrankungen. Offen bleibt, ob sie an Schweinegrippe oder an der Vorerkrankung gestorben sind. Jeder Todesfall, der in zeitlichem Zusammenhang mit einer Schweingrippe-Infektion steht, muss gemeldet werden, egal, ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht oder nicht. Ganz anders ist die Zählweise der deutschen Behörden im Zusammenhang mit Schweinegrippen-Impfungen stehen: Da muss ein Todesfall nur dann gemeldet werden, wenn ein ursächlicher Zusammenhang nachgewiesen ist – ein zeitlicher Zusammenhang genügt nicht.
Viele Mediziner kritisieren diese unterschiedliche Zählweise, die dazu führt, dass die Zahl der Schweinegrippe-Toten wahrscheinlich überschätzt und die Zahl der Impftoten wahrscheinlich unterschätzt wird. Ende November gab es laut Robert-Koch-Institut zehn Impftote.
Für Pharmafirmen sind die Impfungen ein gutes Geschäft. Die Investmentbank Leerink Swan schätzt den Umsatz der bisher bestellten Impfdosen bereits auf sieben Milliarden Dollar. Dazu kommen noch die wachsenden Umsätze etwa des Grippemittels Tamiflu. Der schweizerische Hersteller Roche hat mit diesem Mittel bis Anfang November bereits 1,8 Milliarden Euro umgesetzt.
Doch auch Kriminelle naschen am Schweinegrippen-Geschäft mit. Laut amerikanischer Gesundheitsbehörde FDA sind zahlreiche gefälschte Mittel im Umlauf, die hauptsächlich über Internetshops verkauft werden.
Patienteninformationen aus dem Internet
In der aktuellen deutschen Marktforschungsstudie „Health Care Monitoring 2009“ wurden 2000 Personen ab 16 gefragt, wie sie sich über Gesundheitsfragen informieren. 80 Prozent gingen ins Internet, 72 Prozent fragten einen Arzt oder eine Ärztin, 64 Prozent holten sich Informationen aus Apothekenzeitschriften und 60 Prozent holten sich aus Fernsehen oder Printmedien Rat. Informationen aus dem Internet hinterließen jedoch ein Gefühl von Unsicherheit und jeder zweite Benützer benützte anschließend noch weitere Quellen. (presseportal.de, 29.10.09)
Bei leichter Mittelohrentzündung Antibiotika meiden!
Weil Antibiotika-Resistenzen weiter zunehmen, warnen ärztliche Fachgesellschaften neuerdings davor, Kindern mit leicht schmerzender Mittelohrentzündung Antibiotika zu geben. Oft gehen die Schmerzen, verursacht durch Eiterbildung, nach einigen Tagen von selbst zurück.
Gehen die Schmerzen aber nach einigen Tagen nicht zurück oder werden sie stärker, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um Komplikationen wie eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) zu verhindern. Wenn Antibiotika verwendet werden müssen, sollte die Behandlung mit Amoxicillin (z.B. Generika mit dem Namen Amoxi + Firmenname) beginnen. (Worst Pill, Best Pills, November 2009)
Actimel – falsche Versprechungen
Seit die EU im Jahr 2007 die „Health Claim“-Verordnung verabschiedet hat, unterliegen gesundheitsbezogene Werbeaussagen von Nahrungsmitteln einer europaweiten Regelung. In Großbritannien stoppte die Werbeaufsicht ASA im Oktober die Ausstrahlung aktueller Werbespots für das Danone-Produkt Actimel, in denen eine „wissenschaftlich erwiesene“ positive Auswirkung auf die Gesundheit von Kindern behauptet wurde. Laut ASA fehlt für diese Aussage der Nachweis. (http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/8305918.stm)
Prostataoperation – radikal oder minimal?
Bei der Überprüfung der Daten von 8800 älteren Männern in den USA, die sich zwischen 2003 und 2007 einer Prostataoperation unterziehen mussten, stellte sich heraus, dass minimale Eingriffe zwar mit einem kürzeren Krankenhausaufenthalt verbunden waren als radikale Eingriffe, jedoch den gravierenden Nachteil hatten, wesentlich häufiger Inkontinenz- und Erektionsprobleme verursachten. (Physician’s First Watch, 14.10.09) Anders ausgedrückt: Radikal ist in diesem fall besser als minimal.
Plötzlicher Kindstod: oft im Elternbett
Mehr als die Hälfte aller Säuglinge, die an plötzlichem Kindstod starben, lagen während des Vorfalls bei ihren Eltern im Bett. Das ergab eine Untersuchung in Südwestengland. Auch Drogen- oder Alkoholkonsum der Eltern in den Stunden vor dem Schlafengehen war ein Risikofaktor. Die Forscher raten jungen Eltern: Der Schlafplatz für ein Baby in den ersten sechs Monaten ist ein eigenes Bett neben dem der Eltern! (Journal of the Americam Medical Association, Physicians First Watch, 14.10.09)
US-Konsumentenschutz-Organisation erklärt: Fraglicher Nutzen von Homöopathie
Die US-Konsumentenschutz-Organisation „Worst Pills, Best Pills“ wies im vergangenen Oktober darauf hin, dass es bis jetzt keine seriösen wissenschaftlichen Studien gibt, die über Plazebowirkungen hinaus einen überzeugenden Nutzen von homöopathischen Behandlungen belegen. Homöopathie helfe in der Regel bei Symptomen und Beschwerden, die sich mit der Zeit ohnedies von selbst bessern.
„Worst Pills, Best Pills“ warnt, eine homöopathische Behandlung könne Ärzte und Patienten davon abhalten, notwendige Medikamente zu verwenden, die nachweisbar wirksam sind. So verurteilte etwa ein australisches Gericht im September 2009 ein Elternpaar, dessen Baby an einer schweren Hauterkrankung starb und monatelang nur mit Homöopathie statt mit wirksamen Medikamenten behandelt worden war.
Homöopathika in geringer Verdünnung („Niedrigpotenz“) können Wirkstoffe oder Verunreinigungen enthalten, die schwere Nebenwirkungen verursachen. So hat die US- Gesundheitsbehörde ein Homöopathikum verboten, das Zink enthielt und bei zahlreichen Patienten zum Verlust des Geruchsinns führte. (Worst Pills, Best Pills Newsletter, 2.10.2009)
Zahnimplantate oder Prothesen – was ist besser?
Ist eine Zahnreihe verkürzt, kann sie entweder durch eine fixe oder herausnehmbare Prothese oder durch ein Implantat ergänzt werden. Implantate werden vor allem bei Kieferschwund empfohlen. Zu Recht? - Das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat nun alle veröffentlichten Studien durchforstet und festgestellt, dass wegen der mangelhaften wissenschaftlichen Qualität keine seriösen Aussagen möglich sind - weder zur Funktionstüchtigkeit und Haltbarkeit noch zur Kaueffektivität. Empfehlungen sind erst nach Vorliegen neuer, seriöser Untersuchungen möglich. (IQWiG 30.09.09)
Was hilft bei Alzheimer-Demenz?
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung steigt die Zahl der Alzheimer-Kranken und wird sich nach derzeitigen Prognosen alle 20 Jahre verdoppeln. Zwar gibt es derzeit eine Vielfalt an Behandlungsmethoden, aber nur mangelhafte Wirksamkeitsnachweise. Das Kölner „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ (IQWiG) hat vor kurzem untersucht, welchen Nutzen und möglichen Schaden die verschiedenen Therapieangebote – Medikamente, körperliches oder geistiges Training – für Erkrankte haben können. Ergebnis: Positive Wirkungen sind nur in Teilbereichen und nur bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen dokumentiert. Wie sich die Mittel nach mehr als sechsmonatiger Einnahmedauer auswirken, ist zumeist nicht untersucht:
- Medikamente wie Donezepil (enthalten z.B. in Aricept), Galantamin (enthalten z.B. in Reminyl), Rivastigmin (enthalten z.B. in Exelon) können das Erinnerungsvermögen stärken – allerdings nur bei leicht oder mittelschwer Erkrankten.
- Gingko biloba (enthalten z.B. in Cefavora, Craton, Gingiloba, Gingobeta, Gingopret, Generika mit dem Namen Ginkgo + Firmenbezeichnung, Kaveri, Rökan, Tebonin) können sich bei bei entsprechender Dosierung (mindestens 240 Milligramm täglich) günstig auf die Fähigkeit auswirken, den Alltag zu bewältigen – allerdings nur bei leicht oder mittelschwer Erkrankten.
- Memantin (enthalten z.B. in Axura, Ebixa) wirkt nicht besser als Placebo. Die Studien zu Verfahren, wie Gedächtnis-, Alltags- und Angehörigen-Trainings, sind so mangelhaft, dass über deren Nutzen nichts ausgesagt werden kann, obwohl sie durchaus Potential haben. Das IQWiG fordert Finanzierung seriöser Untersuchungen ein. (IQWiG, September 2009) Bei nichtmedikamentösen Verfahren ist das Forschungsdefizit besonders auffallend. Das „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ weist darauf hin, dass hier ein großer Nachholbedarf existiert. (IQWIG, 11.9.2009
Mittelmeerdiät als wirksame Behandlung bei übergewichtigen Diabetes-Patienten
In einer Untersuchung an 215 übergewichtigen Diabetes-Patienten in Italien hat sich gezeigt, dass allein durch Ernährung mit klassischer Mittelmeerkost – Olivenöl, viel Gemüse, statt rotem Fleisch Fisch und Huhn – bei etwa jedem zweiten Patienten Diabetes-Medikamente überflüssig werden. Außerdem zeigte sich, dass Mittelmeerkost wesentlich wirksamer als eine Diät, bei der es nur darum geht, fettarm zu essen. (Journal Watch General Medicine, 15.09.2009)
Der Nutzen von PSA-Tests zur Früherkennung von Prostata ist fragwürdig
Jahrelang diskutierten Mediziner darüber, ob der PSA-Test (Prostata-spezifischer Antigen-Test) als Mittel der Früherkennung für Prostatakrebs sinnvoll ist. Eine großangelegte, in der britischen Ärztezeitung veröffentlichte schwedische Studie brachte nun Klarheit: Man verglich eine Gruppe von Männern, die sieben Jahre nach Beginn von regelmäßigen PSA-Tests Krebs entwickelten, mit einer zweiten Gruppe, die nach Beginn von regelmäßigen PSA-Tests keinen Prostatakrebs bekamen. Als Ergebnis kamen die Mediziner zu dem Schluss: „Aussagen, Kosten und Nutzen des PSA-Tests erlauben es nicht, ihn als regelmäßige Kontrolluntersuchung zu empfehlen.“ Viele Männer waren aufgrund der Testergebnisse unnötig operiert worden (British Medical Journal, 2009, 339: b3537)
Sport gegen Prostatakrebs
Eine US-amerikanische Studie an der Duke-Universität liefert Hinweise darauf, dass bereits ein leichtes körperliches Training – zum Beispiel dreimal wöchentlich eine Stunde lang zügig zu Fuß gehen - das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, um zwei Drittel senken kann. Außerdem zeigte sich, dass sich bei sportlichen Männern, bei denen bereits ein Prostatakrebs diagnostiziert worden war, im Vergleich zu Männern ohne sportliche Betätigung seltener aggressive, schnell wachsende Tumorform entwickelte. (The Journal of Urology, 16.09.09 online)
Neue Warnungen zur Hormonersatztherapie im Klimakterium
2004 wurde in einer großen, industrieunabhängigen Studie nachgewiesen, dass eine Hormonersatztherapie im Klimakterium mit einem erhöhten Risiko von Brustkrebs, Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall einhergeht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren weltweit Millionen von Frauen routinemäßig behandelt und die Risiken verharmlost worden. Seit 2004 ist die Zahl der Hormonverschreibungen dramatisch zurück gegangen. Manche Mediziner argumentierten aber, dass man die Hormonersatztherapie nicht generell verteufeln dürfe. Es gäbe ein risikoloses, kurzes „Zeitfenster“ zur Behandlung, und zwar gleich zu Beginn des Klimakteriums. Neue Untersuchungen haben nun aber gezeigt, dass ein solches „Zeitfenster“ nicht existiert. Es bleibt also dabei: Eine Hormonersatztherapie im Klimakterium ist riskant. ( Journal Watch General Medicine, 17.09.09)
Unbehandelte Schlafapnoe kann das Herz schädigen
Wird ein Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) nicht behandelt, beeinträchtigt es die Pumpfunktion der Herzkammern und steigert das Risiko, dass sich eine bleibende Herzschwäche entwickelt. Das ergab eine Untersuchung an 174 Patienten am Universitätsklinikum in Bonn. (Clinical Research on Cardiology 98, Suppl. 2, 2.10.2009)
Sonnenstudios sind gefährlich
Wer sich vor dem 30. Lebensjahr in Solarien bräunen lässt, muss mit einem um 75 Prozent gestiegenen Hautkrebsrisiko rechnen. Überdies ist nachgewiesen, dass Sonnenbänke, die UV-Strahlen abgeben, auch das Augenkrebsrisiko fördern. Deshalb stuft die Weltgesundheitsorganisation Sonnenstudios als „für Menschen krebsfördernd“ ein. (Physician’s First Watch, 30.07.09) Das neue deutsche Gesetz zum Schutz vor UV-Strahlen verbietet Jugendlichen unter 18 den Besuch von Solarien. Die deutsche Krebshilfe, die Strahlenschutzkommission und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) fordern verschärfte Sicherheitsvorschriften für Erwachsene. Denn in einem Jahr besuchen 5,2 Millionen Deutsche mindestens einmal im Monat ein Sonnenstudio. Jährlich erkranken 140.000 Menschen neu an Hautkrebs, 3.000 davon sterben an dem besonders gefährlichen Melanom, dem so genannten schwarzen Hautkrebs. Die „weißen“ Hautkrebserkrankungen sind hingegen fast immer heilbar. (Deutsche Krebshilfe, Presseaussendung 25.08.09)
Was bringt eine konsequente Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetes?
Die Ergebnisse von drei neuen medizinischen Studien zur Behandlung von Diabetes widersprechen den Empfehlungen internationaler Diabetes-Fachgesellschaften. Bis jetzt handelten Diabetes-Spezialisten nach der Regel, dass besonders bei älteren Patienten der Blutzucker streng kontrolliert und auf festgelegte Werte gesenkt werden muss. In den neuen Studien hat sich gezeigt, dass sich bei älteren Patienten durch strenge Blutzuckersenkung die Sterblichkeit erhöht. Auch das Risiko schwerer Unterzuckerung und das Körpergewicht nehmen zu.
Jüngere Typ-2-Diabeter/innen hingegen können von einer strengeren Blutzuckereinstellung aber profitieren. Dokumentiert sind Nutzen und Sicherheit aber nur für Behandlungen mit einem einzigen Wirkstoff wie Glibenclamid (enthalten z.B. in Euglucon N und Generika mit dem Namen Glibenclamid + Firmenbezeichnung), Metformin (enthalten z.B. in Glucophage und Generika mit dem Namen Metformin + Firmenbezeichnung) oder Insulin. (arznei-telegramm 8/09, S. 73 ff.)
Elternkonflikte und ein voller Terminkalender fördern Kopfschmerz bei Kindern
Eine Studie an der Universität Göttinger, in die 8.800 Familien einbezogen waren, stellte fest, dass jedes sechste Kind im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren einmal im Monat an Kopfschmerzen leidet. Und jedes vierzehnte Kind einmal in der Woche. Oft tritt Kopfweh zum ersten Mal nach Beginn der Schulzeit auf. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit, besonders bei Mädchen. Die Gründe sind unterschiedlich. Bei Jungen steigt das Risiko, wenn die Eltern jede Woche einmal streiten oder wenn die Kinder nur selten Zeit für sich selbst haben. Mädchen, die über Kopfweh klagen, erhalten von den Eltern mehr Zuwendung und werden bei Kopfschmerzen oft von Schulbesuch und Hausarbeiten befreit – das führt jedoch dazu, dass dann Kopfschmerzen häufiger auftreten. (Deutsches Ärzteblatt Int. 2009, 106 (31-32), S.509-616)
Keine Pflanzenmittel gegen Wechselbeschwerden!
Die Zahl der Frauen, die gegen Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallung und Schwitzen pflanzliche Medikamente einnehmen, ist deutlich angestiegen. Ob Traubensilberkerze, Rotklee, Engelswurz (Dong quai), Nachtweidenröschen (Evening Primrose) oder Ginseng - sie gelten als natürliche Produkte ohne Nebenwirkungen. Das ist ein Trugschluss! Auch pflanzliche Medikamente haben Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
Traubensilberkerze etwa kann die Leber schädigen, Engelswurz erhöht das Risiko von Blutungen und verstärkt die Wirkung von Blutverdünnern, das Nachtweidenröschen erhöht das Risiko von epileptischen Anfällen, Ginseng kann Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Nasenbluten auslösen können. Ginseng verstärkt außerdem die Wirkung gerinnungshemmender Mittel (z.B. Acetylsalicylsäure, enthalten z.B. in Aspirin) und Antipressiva vom Typ der SNRI (z.B. des Wirkstoffs Duloxetin, enthalten z.B. in Cymbalta). Keines der Pflanzenmittel wirkt besser als ein Placebo (Scheinmittel). (Worst Pills Best Pills Newsletter, August 2009)
Grüner Tee zur Vorbeugung gegen Krebs?
Dem grünen Tee werden allerlei vorbeugende Wirkungen zugeschrieben, sogar Krebserkrankungen soll er verhindern. Für die angesehene medizinische Fachgesellschaft „Cochrane Collaboration“ haben Forscher nun eine Übersicht über 451 Studien mit insgesamt 1,6 Millionen Teilnehmern analysiert. Für einen Einfluss von Grüntee auf Tumoren im Verdauungstrakt fanden sie sehr widersprüchliche Ergebnisse:
Ein hoher Teekonsum verringert geringfügig das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.
Für eine vorbeugende Wirkung bei Leber und Lungenkrebs fanden sich nur schwache Hinweise.
Ein hoher Teekonsum erhöht möglicherweise das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken.
Generell gilt: Wer gerne Grüntee trinkt, kann bis zu fünf Tassen am Tag bedenkenlos genießen.
(Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 3. Art. No:CD005004)
Wie bleibt man gesund?
Es klingt sehr einfach: Wenn Sie
- nicht Rauchen
- Übergewicht vermeiden (= Body Mass-Index geringer als 30)
- sich gesund ernähren (viel Obst, Gemüse, Vollkorn und wenig Fleisch)
- und pro Woche mindestens drei Stunden Bewegung machen
verringern Sie das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und Krebs um 80 Prozent gegenüber Menschen, die das alles nicht tun. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie in Deutschland, bei der über einen Zeitraum von acht Jahren der Lebensstil von 23.000 Personen untersucht wurde. (Archives of Internal Medicine 2009; 169(15), S. 1355-1362)
Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrung
Getränke und Nahrungsmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Das betrifft über 300 Arzneimittel-Wirkstoffe. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Wechselwirkungen:
- Bei Mitteln gegen Bluthochdruck, Allergien (Antihistaminika), Schlafmitteln und Immunsuppressiva (das sind Mittel zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen) ist besondere Vorsicht mit Grapefruitsaft geboten. Einerseits kann dieser die Medikamentenwirkung reduzieren; andrerseits hemmt er das Enzym (CYP3A4), das am Abbau der Wirkstoffe in der Leber beteiligt ist. Dadurch kann sich die Medikamentenwirkung um bis zu 70 Prozent verstärken.
- Bei Antibiotika kann es zu bedeutsamen Wechselwirkungen mit Milch beziehungsweise Milchprodukten kommen, denn das in der Milch enthaltene Kalzium blockiert die Aufnahme der Wirkstoffe. Dasselbe gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen. Antibiotika verstärken die Wirkung von Kaffee.
-
Antidepressiva vom Typ der MAO-Hemmer (z.B. Medikamente wie Aurorix) können auch den Blutdruck steigern, wenn sie gleichzeitig folgende Nahrungsmittel einnehmen, die Tyramin enthalten:
Käse, Joghurt, Schokolade, Spinat, Avocados, Tomaten, Orangen, Rosinen, Fisch, Kaviar, Rind- und Geflügelleber, Würste, Salami, Pferdebohnen, Sojasoße, Ginseng Käse, Beeren, Schinken, Sauerkraut, Rotwein, Kaffee, Cola. - Die Wirksamkeit von Eisenpräparaten und die Aufnahme von Eisen aus eisenhältiger Nahrung wird durch Getreide, Reis und Hülsenfrüchte, durch Kaffee, Tee und Rotwein gehemmt.
- Blutdruckmittel vom Typ der Thiazid-Diuretika (z.B. Enalapril-ratiopharm comp, Biso Hexal plus, HCT-Beta) vertragen sich schlecht mit Lakritze und können zu Kaliumverlust führen, der sich mit Durstgefühlen, unüblicher Müdigkeit, Muskelkrämpfen, unregelmäßigem Herzschlag und erhöhtem Blutdruck bemerkbar macht. Bei kaliumsparenden Diuretika dagegen (z.B. Aldactone, Dytide H) sind kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Orangen oder grünes Blattgemüse zu meiden, damit kein Kaliumüberschuss entsteht, der das Herz bedroht.
- Mittel gegen Asthma und Bronchitis, die den Wirkstoff Theophyllin enthalten (z.B. Generika mit dem Namen Theophyllin + angehängter Firmenbezeichnung), können durch Schwarzen Pfeffer, der Piridin enthält, verstärkt werden. Koffein (enthalten in Kaffee, Tee, Cola) führt zu einer wechselseitigen Verstärkung von Theophyllin und Koffein. Ein erhöhter Theophyllinspiegel kann Magenstörungen, Kopfschmerzen, Unruhe, Schlafstörungen, Krämpfe und Herzrhythmusstörungen auslösen.
- Gerinnungshemmer wie z.B. Aspirin können in ihrer Wirksamkeit durch Vitamin K beeinträchtigt werden, weshalb man Vitamin K-reiches Essen wie Rosenkohl, Blumenkohl, Broccoli, Spinat und Hühnerei einschränken sollte.
- Sehr viele Medikamente vertragen sich schlecht mit Alkohol.
(doccheck, 21.08.09, Food and Drug Interactions, FDA, ohne Datumsangabe.)
Empfehlung zur Schweinegrippeimpfung – derzeit: Abzuraten
Im Juni 2009 wurde die Schweinegrippe von der Weltgesundheitsorganisation WHO zur weltweit verbreiteten Infektionskrankheit (= Pandemie) erklärt. Viele Gesundheitsbehörden und Medien malten Schreckensszenarien mit Millionen von Toten an die Wand und verbreiteten Panik. Um dem vorzubeugen, werden derzeit in aller Welt Massenimpfungen vorbereitet. Ist das sinnvoll?
Nach Abwägen von Nutzen und Risiken des in Deutschland verwendeten Impfstoffes kommt die Berliner Fachzeit“arznei-telegramm“ zu der klaren Empfehlung: derzeit nicht impfen!
In den deutschsprachigen Ländern ist die Panikmache zur Schweinegrippe derzeit unbegründet. Bis Ende August gab es in Deutschland offiziell etwa 15.000 Erkrankungsfälle, allerdings mit einer hohen Dunkelziffer. Hierzulande verläuft die Erkrankung jedoch milde und unkompliziert und bis jetzt gibt es keine Todesfälle – im Gegensatz zur „normalen“ saisonalen Grippe, der jährlich tausende Tote zugeschrieben werden.
Der in Deutschland vorgesehen Impfstoff, mit dem 25 Millionen Menschen geimpft werden sollen, wurde bis jetzt nicht ausreichend auf Risiken geprüft. Er enthält ein neues, ungebräuchliches Wirkstoff-Verstärkergemisch. Als Nebenwirkungen sind unter anderem Schwellungen und Schmerzen im Injektionsbereich, Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost zu erwarten. Das Risiko seltener, aber möglicherweise bedrohlicher Folgen überschießender Reaktionen des Immunsystems wie aufsteigende Lähmungen lässt sich derzeit nicht abschätzen. Das „arznei-telegramm“ wirft der Zulassungsbehörde „verharmlosende Stellungnahmen zu den Impfrisiken“ vor und bezeichnet die vorgesehene Massenimpfung als „bedenklichen Großversuch“. Kritisiert wird außerdem, dass die entstehenden Kosten – mindestens 700 Millionen Euro – „eine bedenkliche Verschwendung von Ressourcen“ sind.
Einfache persönliche Vorbeugemaßnahmen gegen Schweinegrippe-Infektionen:
- Benutzen Sie Einmal-Taschentücher, die Sie tatsächlich nur einmal benutzen und dann rasch entsorgen
- Waschen Sie die Hände häufiger
- Wenn Sie an einer Grippe erkrankt sind, sollten Sie auf Küsse und Umarmungen verzichten
Achtung: Der Impfstoff gegen Schweinegrippe wirkt nicht gegen die übliche saisonale Grippe und kann deshalb die Grippeimpfung im Herbst nicht ersetzen. (Blitz-a-t, 25. 08. 09)
Kinder profitieren kaum von Grippemitteln
Forscher an der Oxford-Universität analysierten Daten von 2600 Kindern unter zwölf Jahren, die einen grippalen Infekt durchliefen und entweder mit Oseltamivir (enthalten z.B. in Tamiflu) oder Zanamivir (enthalten z.B. in Relenza) behandelt wurden. Sie stellten fest, dass diese Medikamente den Krankheitsverlauf im Durchschnitt nur um einen Tag verkürzten, aber die Beschwerden nicht linderten und den Bedarf an Antibiotika nicht senkten. Sehr viele Kinder litten durch die Behandlung jedoch an Nebenwirkungen wie etwa Erbrechen. Auch zur Vorbeugung gegen Grippe sind diese Medikamente unzweckmäßig. Sie verringern das Risiko einer Ansteckung nur um acht Prozent. Ob diese Ergebnisse auch für die Behandlung der neuen Grippe gelten, bleibt offen. (British Medical Journal, Physicians First Watch, 11.08.09)
Strahlenbelastung durch Röntgen und Computertomographi
In einer medizinischen Studie der US-Universität Emory wurden die Versicherungsunterlagen von 650.00 US-Amerikanern überprüft, die in den vergangenen drei Jahren einer Untersuchung mit Röntgen oder Computertomografie unterzogen wurden. Insgesamt war die Strahlenbelastung zwar gering, allerdings wurde bei zwei von hundert Patienten die erlaubte Jahresdosis eines Atomkraftwerk-Mitarbeiters überschritten. (New England Journal of Medicine/ Pressetext 8.9.09)
Hilft Acetylsalicylsäure (ASS) Diabetespatienten/innen zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall?
Eine häufige Folge von Diabetes sind Blutgerinnsel (Thrombosen) und damit die Gefahr von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Deshalb empfiehlt die Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) zur Vorbeugung eine blutgerinnungshemmende Therapie mit ASS. Inzwischen haben jedoch medizinische Studien gezeigt, dass diese Maßnahme unter Umständen mehr Nachteile als Vorteile hat. Eine schwedische Untersuchung stellte fest, dass bei Diabetespatienten, die noch nie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, die Sterblichkeit durch vorbeugende Verwendung von Acetylsalicylsäure (ASS) anstieg – bei 50-Jährigen um 15 Prozent, bei 85-Jährigen um 29 Prozent (Pharmacoepidemiology Drug Safety, Wiley, London, August 2009). Hingegen verringerte sich bei Diabetespatienten/innen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, durch Verwendung von Acetylsalicylsäure (ASS) die Sterblichkeit. (Informationsdienst Wissenschaft 04.09.09)
Rückenschmerzen oft falsch behandelt
Die „Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes“ kritisiert, dass Rückenschmerzen noch immer viel zu häufig mit veralteten Methoden wie Bettruhe, Schmerzmittel, Spritzen, sowie Wärme- und Kälteanwendungen behandelt werden. Das hat eine Überprüfung von 235 orthopädischen Praxen in Deutschland ergeben. Bei der Befragung der Patienten zeigte sich interessanterweise, dass diese mit der Behandlung zufrieden waren, obwohl sich ihre Beschwerden dadurch nicht besserten. Die herrschende Verordnungspraxis der Orthopäden widerspricht auch den gültigen Therapieempfehlungen. Diese sehen vor, dass der Arzt seine Patienten intensiv über Entstehung und Vermeidung der Schmerzen informiert und zu aktiver Bewegung animiert. (Der Schmerz 2009, 3, S. 284-291)
Neuerliche Warnung vor Raucherentwöhnungsmitteln Chantix und Zyban
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA fordert von den Herstellern der Anti-Rauch-Pillen Champix (Wirkstoff: Vareniclin) und Zyban (Wirkstoff: Bupropion), dass sie auf den Beipackzetteln vor Nebenwirkungsrisiken wie Verhaltensstörungen, Unruhezustände, Depressionen und erhöhtes Suizidrisiko warnen. Treten solche Beschwerden auf, wird dazu geraten, die Einnahme der Mittel sofort zu stoppen. (FDA, MedWatch Safety, 1. August 2009)
Neues zu Amalgam
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat neue Regelungen für die Anwendung von Amalgam in der Zahnheilkunde veröffentlicht. Ein wesentlicher Anteil des Füllmaterials ist Quecksilber. Die FDA stellt neuerlich fest, dass Rückstände dieses Metalls aus Füllungen nicht groß genug sind, um dem Körper zu schaden. Trotzdem rät sie dazu, Amalgam nicht bei Personen anzuwenden, die nachweislich eine Quecksilber-Allergie haben. Zahnärzte sollten bei der Verarbeitung von Amalgam ausreichend Schutzeinrichtungen, wie eine Absaugung, haben, um das Einatmen von Quecksilberdampf zu verhindern. (FDA-News-Release, 28.Juli 2009)
Hormonersatztherapie erhöht die Gefahr von Eierstockkrebs
Zahlreiche medizinische Studien haben bereits ergeben, dass Frauen unter Hormonersatztherapie (HT) ein größeres Risiko haben, an einem Gebärmutterkrebs zu erkranken. Eine neue dänische Studie an 900.000 Frauen im Alter von 50-79 bekräftigt nun dieses Risiko, und zwar bei allen Hormonmitteln, egal welche Wirkstoffe, welche Dosis und welche Anwendungsweise sie haben. Im Beobachtungsraum von acht Jahren wurde bei 2681 Frauen mit Hormonersatztherapie ein Gebärmutterkrebs diagnostiziert – das entspricht einem um 44 Prozent erhöhten Risiko im Vergleich zu Frauen, die keine Hormone einnahmen. Zwei Jahre nach Beendigung einer Hormonersatztherapie sank das Risiko auf 15 Prozent. (Journal of the American Association, 28. Juli 2009, Vol. 303 Nr. 3, S.298-305)
Gesunder Lebensstil = gesundes Herz
Zwei neue amerikanische Studien bestätigen eindrucksvoll, dass der Lebensstil die Entwicklung von Bluthochdruck und Herzinfarkt beeinflussen kann: In einer Untersuchung waren 21.000 amerikanische Ärzte - nur Männer - 20 Jahre lang beobachtet worden. Als Kriterien für gesunden Lebensstil galten: Normalgewicht, nicht rauchen, regelmäßige Bewegung, maßvoller Alkoholgenuss, Verzehr von Ballaststoffen zum Frühstück, sowie Kost mit Obst und Gemüse. Von allen Männern, auf die mindestens vier dieser Kriterien zutrafen, erlitten nur zehn Prozent einen Herzinfarkt, von jenen, auf die keines dieser Kriterien zutraf, erlitten 21 Prozent einen Herzinfarkt.
In einer zweiten Studie wurden 84.000 Krankenschwestern über einen Zeitraum von vierzehn Jahren beobachtet. Diejenigen, die Normalgewicht hatten, nicht rauchten, regelmäßig Sport betrieben, nur maßvoll Alkohol tranken und öfter Obst und Gemüse aßen, hatten im Vergleich zu jenen Krankenschwestern, die einen ungesunden Lebensstil aufwiesen, ein um 80 Prozent geringeres Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln. (Journal of the American Association 2009, Vol. 302, S. 394-400 und S. 402-411)
Sind positive Ich-Mantras wirksam?
In vielen psychologischen Ratgebern liest man die Empfehlung, sich positive Formeln wie etwa „Ich bin klug, ich bin kompetent, ich bin liebenswert“, immer wieder vorzusagen. Damit, so lautet die Hoffnung, könne man das Selbstbewusstsein stärken. Forscher der US-Universität Waterloo in Ontario untersuchten nun, ob das tatsächlich stimmt. An der Studie nahmen 433 Personen nahmen teil, und es stellte sich heraus, dass Personen mit geringem Selbstbewusstsein sich dadurch eher schlechter fühlten. Ausgeprägt selbstbewusste Menschen hingegen wurden durch derartige Sprüche eher noch selbstbewusster. (Psychological Science, Vol. 20, Heft 7, S. 860-866)
Alle Mittel gegen Bluthochdruck verhindern Herz-Kreislauf-Krankheiten
Britische Forscher überprüften in einer Übersichtsarbeit insgesamt 147 medizinische Studien mit 464.000 Patienten, um die Wirksamkeit verschiedener Bluthochdruckmittel festzustellen. Das Ergebnis: Alle Bluthochdruckmittel, egal ob es sich Thiazid-Diuretika (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen HCT + Firmenbezeichnung), Kalzium-Antagonisten (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Nitrendipin + Firmenbezeichnung), Betablocker (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Atenolol + Firmenbezeichnung) oder ACE-Hemmer (enthalten z.B. in Generika mit dem Namen Ramipril + Firmenbezeichnung) handelte, verringern das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten Weise - im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung oder gar keiner Bluthochdruck-Behandlung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patienten bereits vorher an Herz-Kreislaufproblemen erkrankt waren oder nicht. Bluthochdruckmittel verringen auch die allgemeine Sterblichkeit um 13 Prozent, haben aber auf die Entstehung von Krebserkrankungen keinen Einfluss. Zur Vorbeugung von Schlaganfällen sind Kalzium-Antagonisten wirksamer als andere Medikamentengruppen. (Journal Watch General Medicine, 25. Juni 2009)
Sorgen wiegen schwer
Psychosozialer Stress wie etwa Überforderung, wenig Selbstbestimmung im Job, Finanzsorgen und Partnerschaftsprobleme, begünstigen die Gewichtszunahme bei Menschen, die von vornherein übergewichtig sind. Von 1995 an wurden 1.355 Freiwillige von Medizinern der Harvard Medical School in Boston, USA, zehn Jahre lang begleitet. Sie stellten fest: Je höher das Gewicht einer Person zu Beginn der Untersuchung war, umso eher legte sie über die Jahre bei Stress Kilos zu. Eine belastende familiäre Atmosphäre hatte nur bei Frauen diese fatale Folge. Normalgewichtige nahmen jedoch nicht an Gewicht zu. (American Journal of Epidemiology 2009, Vol.170, Nr.2, 181-192)
Jugendschutz in Solarien
Weil eine freiwillige Beschränkung der Solarienbetreiber auf den europaweit geltenden „Code of Practice“ in Deutschland nicht funktioniert, hat der Bundestag am 19. Juni eine gesetzliche Regelung zur Solariennutzung beschlossen. Zukünftig wird Jugendlichen unter 19 der Zugang zu Solarien verwehrt. Hintergrund ist die Tatsache, dass jedes Jahr 22.000 Deutsche an dem lebensgefährlichen Schwarzen Hautkrebs (Melanom) erkranken, und dass das Erkrankungsrisiko für jene, die vor dem 35. Lebensjahr mit der Solariennutzung beginnen, doppelt so hoch ist. Die Deutsche Krebshilfe rät auch Erwachsenen, Solarien zu meiden. (www.krebshilfe.de/aktuelle-themen 21.06.09)
Helfen Kosmetika gegen Cellulitis?
Die österreichische Konsumentenschutz-Organisation VKI testete die Wirkung von neun Kosmetikprodukten gegen Cellulitis, darunter Gele, Cremen, ein Öl und zwei Geräte. 270 Frauen im Alter von 35 bis 60 Jahren mit hautärztlich diagnostizierter, sichtbarer Cellulitis wandten jeweils vier Wochen lang ein Produkt an einem Oberschenkel an, während sie den anderen unwissentlich nur mit einem Placebo behandelten. Während des Untersuchungszeitraumes behielten sie ihren Lebensstil bei. Die Wirkung wurde durch Vorher- und Nachher-Fotos sowie ein Abschlussgutachten dokumentiert: Kein einziges Produkt bewirkte auch nur ansatzweise eine Änderung. (Konsument, Juli 2009)
Alt und geistig fit
Wer eine höhere Bildung hat, Nichtraucher ist, regelmäßig Sport betreibt und sich sozial engagiert, hat gute Chancen, in hohem Alter geistig rege zu bleiben. Das hat eine kanadische Forschergruppe herausgefunden, die acht Jahre lang über 2.500 Senioren im Alter zwischen 70 und 79 Jahren beobachtet hat. Bei 16 Prozent war der Abbau der geistigen Fähigkeiten sehr ausgeprägt, bei 54 Prozent nur mäßig. Bei den restlichen 30 Prozent aller Teilnehmer blieben die geistigen Fähigkeiten erhalten – es war jene Gruppe von Senioren, welche alle oben beschriebenen Charakteristika aufwiesen: Höhere Bildung, Nichtraucher, sportliche Betätigung, sozial engagiert. (Neurology 72/2009, S. 2029-2035)
Sport schützt vor Dickdarmkrebs
Eindeutig war das Ergebnis einer in England durchgeführten Analyse von insgesamt 52 Studien: Wer viel Sport betreibt, hat ein geringeres Risiko, Dickdarmkrebs zu entwickeln. Das gilt sowohl für Männer als für Frauen. (British Journal of Cancer, online 10.02.09)
Rationierung ist in deutschen Kliniken gang und gäbe
Bei einer bundesweiten Umfrage im Jahr 2008 unter 1137 Klinikärzten aus Intensivmedizin und Kardiologie gaben mehr als drei Viertel der Befragten an, schon einmal einem Patienten eine nützliche Maßnahme aus Kostengründen vorenthalten, bzw. eine preiswertere, aber weniger effektive Leistung eingesetzt zu haben. 13 Prozent der Ärzte gaben sogar an, mehr als einmal pro Woche so handeln zu müssen. Die Befragten empfanden diese Situation selbst als unbefriedigend. (Deutsche medizinische Wochenschrift 134/ 2009, S. 1261-1266)
Medikamente, die als Nebenwirkung demenzähnliche Beschwerden hervorrufen können
Opiate/Morphine wirken auf bestimmte Nervenzellen im Gehirn und können deshalb erfolgreich bei schweren Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Schmerzmittel nicht mehr helfen. Aber sie können als unerwünschte Nebenwirkung die geistigen Fähigkeiten verringern und demenzähnliche Beschwerden hervorrufen oder sogar zu einem Delirium führen. Zu diesen Mittel gehören:
| Wirkstoff | enthalten zum Beispiel in folgenden Medikamenten |
|---|---|
| Fentanyl | Durogesic SMAT, Generika mit dem Namen Fentanyl + Firmenname, Matrifen, Ribofentanyl Matrixpflaster |
| Hydromorphon | Hydal |
| Tramadol | Amadol, Amadol retard, Jutadol, Tial ID, Generika mit dem Namen Tramadol oder Tramadolor + Firmenname, Tramadura, Tramagit, Trama KD, Tramal, Tramundal, Tramundin, Travex one, Zaldiar |
| Oxycodon | Oxygesic |
Keine Gesundheitsgefahr durch Mobilfunk
85 europäische Studien zum Thema Mobilfunk und Gesundheit, die 2008 durchgeführt wurden, hat der Wissenschaftliche Beirat (WBF) analysiert. Dieses Beratergremium des Österreichischen Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, das aus Experten verschiedener Disziplinen besteht, kommt zu dem Schluss: (Teaserende) „Werden Grenzwerte für Strahlungen eingehalten, ist nach heutigem Stand der Wissenschaft mit keiner gesundheitlichen Gefährdung durch den Mobilfunk zu rechnen.“ Ob das der verbreiteten Angstmache den Wind aus den Segeln nehmen wird, bleibt offen. (Pressekonferenz Wien, 14.4.09)
Diskussion über Nutzen der Vorsorge-Untersuchungen entflammt
Eine Frage, die in Fachkreisen schon lange zu Auseinandersetzungen führt, hat vor kurzem die Zeitschrift „Der Spiegel“ aufgegriffen: Bringen Reihen-Untersuchungen zur Krebsvorsorge mehr Schaden als Nutzen? Hinterfragt wird, ob Vorsorge-Untersuchungen (sogenannte screenings) einen Sinn haben, wenn es keine sinnvolle Therapie gibt – dann erfahren Betroffene nur früher von Ihrer Krankheit. Die Schattenseite der meisten Vorsorge-Untersuchungen: Fehlalarme bis hin zu unnötigen Operationen.
- Beispiel Untersuchungen auf Brustkrebs für Frauen über 50 Jahren: Wenn 2000 Frauen zehn Jahre lang zur Mammographie gehen, stirbt eine davon weniger an Brustkrebs – aber bei 200 Frauen gibt es einen Fehlalarm und 10 Frauen bekommen eine Krebsbehandlung, obwohl sie keinen Krebs haben.
- Darmkrebs-Vorsorge mit Hilfe des Tests auf Okkult-Blut: Wenn sich 1000 Personen 13 Jahre lang diesem Test unterziehen, sterben ein bis zwei weniger an Darmkrebs. - Darmspiegelung ab 55 alle 10 Jahre: Bis heute gibt es keinen Beleg, dass der Nutzen größer ist als der Schaden; gelegentlich gibt es Blutungen und Darmverletzungen
- Früherkennung von Prostatakrebs durch PSA-Bestimmung: Werden 1410 Männer neun Jahre lang getestet, stirbt einer weniger von ihnen Prostatakrebs.
- Hautkrebsuntersuchung: Von 1000 Personen müssen 340 damit rechnen, einen auffälligen Befund zu erhalten, der sich als Fehlalarm entpuppt. Das Problem ist, dass Ärzte über die Risiken nur selten aufklären und die Patienten aufgrund mangelhafter Informationen nicht frei entscheiden können, ob sie trotzdem testen wollen.
(Der Spiegel 17/ 2009, S.124 ff)
Mangelnde Therapietreue ist teuer
Jahr für Jahr landen verordnete Medikamente im Wert von 2,3 Milliarden Euro im Müll – die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung (DGbG) schätzt, dass die Folgekosten in Form von vermeidbaren Klinikaufenthalten, zusätzlichen Arztbesuchen, Verlust an Einkommen und Lebensqualität sogar 10 Milliarden erreichen könnten. So würden nicht einmal 30 Prozent der chronisch Kranken ihre Mittel einnehmen. (DGbG, 7.04.09)
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte genetisch mitverursacht
Die Fehlbildung trifft rund jedes 700. Kind: Oberlippe, Kiefer und manchmal auch Gaumen wachsen während der Embryonalentwicklung nur unvollständig zusammen. Humangenetiker der Universität Bonn, die das Erbgut von 460 Personen analysiert haben, vermuten, dass genetische Faktoren bedeutsamer sind als bisher angenommen. Das entlastet Mütter vom Vorwurf eigenen Verschuldens während der Schwangerschaft. (Nature Genetics 2009 41, S.473-477)
Joggen günstiger für Knochenaufbau als Krafttraining
Zur Vorbeugung von Osteoporose sind manche Sportarten besser geeignet als andere. Um Knochen aufzubauen, eignen sich Laufen und Ballsportarten wie Basketball, Volleyball oder Fußball besser als Krafttraining. (Journal of Strength and Conditioning Research, 23 /2, März 2009, S.427-435)
Akupunktur unwirksam gegen Hitzewallungen
Auf der Suche nach Alternativen zum Hormonersatz setzen manche Frauen bei Wechseljahres-Beschwerden auf Akupunktur. Dass diese aber bei Hitzewallungen nicht helfen kann, ergab eine Durchsicht von sechs Studien, bei denen echte Akupunktur mit Scheinakupunktur verglichen wurde. (Climacteric, 12/ 1, Februar 2009, S.16-25)
Müssen die ärztlichen Empfehlungen für Insulintherapie hinterfragt werden?
Eine radikale Senkung der Blutzuckerwerte scheint für Diabetiker mit erhöhtem Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen keinen Vorteil zu bringen. Das bescheinigt eine große Studie mit 12.000 Teilnehmern, die weiterlesen vom Nationalen Gesundheitsinstitut der USA organisiert wurde. Bei Diabetikern, deren Zuckerwerte medikamentös auf die niedrigen Zielwerte gesenkt wurden, erhöhte sich die Sterblichkeit um 22 Prozent. (Physician’s First Watch, 26.03.2009)
Gebärmutterschleimhaut-Krebs: Ist die Entfernung der Eierstöcke vor dem Wechsel verzichtbar?
Bisher wurden bei jungen Frauen mit Gebärmutterschleimhaut-Krebs (Endometriumkarzinom) nicht nur die Gebärmutter, sondern auch die Eierstöcke entfernt, um unentdeckte Metastasen sicher auszuschließen und die Produktion von weiblichen Hormonen zu drosseln. Das bedeutete eine frühe Menopause. US-amerikanische Forscher analysierten die Daten von 3200 vergleichbaren Patientinnen über einen Zeitraum von 6 Jahren mit oder ohne Entfernung der Eierstöcke. Und stellten fest, dass sich die Überlebensraten der beiden Gruppen nicht unterschieden. (Journal of Clinical Oncology 2009; 27, S.1214-1219)
Frühe Zeichen von Demenz – medikamentenbedingt?
Eine Gruppe von Arzneimitteln vom Typ der Anticholinergika – diese unterdrücken die Wirkung bestimmter Botenstoffe im Nervensystem – können als Nebenwirkung demenzähnliche Beschwerden verursachen. Derartige Hinweise sucht man in den Beipackzetteln oft vergeblich. Anticholinergika werden vor allem bei bestimmten Gallen- und Harnwegserkrankungen, Magenerkrankungen, Bronchienerkrankungen, Augen- und Herzerkrankungen verwendet. Gefährdet sind vor allem Patienten, die mehrere Mittel mit derartigen Nebenwirkungen einnehmen. Wer unter der Verminderung oder dem Verlust geistiger Fähigkeiten leidet, sollte gemeinsam mit dem Arzt einen Blick auf die folgende Medikamentenliste werfen. Die darin aufgezählten Arzneimittel können demenzartige Beschwerden verursachen.
| Medikamentengruppe | Wirkstoff z.B. in: Name |
|---|---|
| Antidepressiva |
• Amitriptylin (enthalten z.B. in Amineurin, Amioxid-neuraxpharm, Generika mit dem Namen Amitriprilyn + Firmenbezeichnung, Equlibrin, Novoprotect, Saroten) • Amitriptylin + Chlordiazepoxid (enthalten z.B. in Limbitrol) • Doxepin (enthalten z.B. in Aponal, Doneurin, Generika mit dem Namen Doxepin + Firmenbezeichnung, Mareen, Sinequan) • Imipramin (enthalten z.B. in Imipramin neuraxpharm, Tofranil) • Nortryptilin (enthalten z.B. in Nortrilen) |
| Augenmittel | • Atropin (enthalten z.B. in Atropin-POSl) |
| Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen |
• Diphenhydramin (enthalten z.B. in Emesan) • Metoclopramid (enthalten z.B. in Cerucal, Gastronerton, Gastrosil, Generika mit dem Namen MCP + Firmenbezeichnung, Paspertin, Migränerton, Migraeflux MCP) • Scopolamin (enthalten z.B. in Scopoderm TTS) |
| Grippe- und Schnupfenmittel | • Chlorpheniramin (= Chlorpheniramin; enthalten z.B. in Balkin Dr. Henk Schnupfenkapseln Neu, Grippostad C Kapseln, Influbene) |
| Mittel gegen Magen-Darmkoliken | • Atropin (enthalten z.B. in Dysurgal) |
| Muskelentspannende Mittel | • Belladonna (= Butylscopolamin; enthalten z.B. in Buscopan Dragees, Buscopan plus, BuscopanZäpfchen, Butylscopolamin Totexmedica, Spasman scop) |
| Parkinsonmittel | • Trihexyphenidyl (enthalten z.B. in Artana, Parkopan) |
| Prostatamittel | • Tolterodin (enthalten z.B. in Detrusitol) |
| Schlafmittel | • Diphenhydramin (enthalten z.B. in Arbid S, Betadorm D, Dolestan, Dormutil N, Halbmond, Moradorm, Nervo-OPT-N, Sedopretten, Vivinox Sleep) |
(Worst Pills best Pills, March 2009)
Übergewicht ähnlich schädlich wie Rauchen
Nicht zu viel und nicht zu wenig: Diese goldene Regel gilt auch für das Körpergewicht. Am „gesündesten“ ist ein Body Mass Index (BMI = Körpergewicht dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) zwischen 22,5 und 25: Menschen mit diesem Wert haben das geringste Risiko, vorzeitig zu sterben. Steigt der BMI-Wert, steigt auch das Sterberisiko: Bei fünf Einheiten mehr liegt es um 30 Prozent höher. Das ergab eine Durchsicht von 57 Studien mit insgesamt fast 900.000 Teilnehmern, vorwiegend europäische und nordamerikanische erwachsene Männer. Ein BMI von 30 bis 35 verkürzt das Leben um zwei bis vier Jahre, ein BMI von 40 bis 45 um acht bis zehn Jahre: Übergewicht hat vergleichbare Auswirkungen wie Rauchen. (Lancet 373, 2009, S.1083-1096)
Unterzuckerung macht anfällig für Demenz
Typ-1-Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Demenz, insbesondere, wenn sie in den letzten Jahren wegen niedriger Blutzuckerwerte im Krankenhaus aufgenommen werden mussten. Das hat eine Auswertung von 16.000 Krankengeschichten für eine Periode von 26 Jahren ergeben: Das Demenzrisiko steigt mit der Zahl der Klinikbesuche. (Journal of the American Medical Association 301/ 2009, S.1565-1572)
Welche Ernährung schützt das Herz?
Typische Mittelmeerkost – viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte, Brot, Nüsse, wenig Fleisch, öfter Fisch und gelegentlich ein Glas Rotwein - tragen dazu bei, das Risiko für Herzerkrankungen zu senken. Das fanden kanadische Forscher bei der Analyse von 189 Untersuchungen heraus, die sich zwischen 1950 und 2007 mit der Wirkung unterschiedlicher Ernährungsweisen auf die Herzgesundheit beschäftigten. Klassische „westliche“ Kost mit Lebensmitteln, die reich an tierischen Fetten sind, wirken sich dagegen negativ auf die Herzgesundheit aus. (Archives of Internal Medicine 2009; 169 (7); S.659-669)
Das Geschlecht entscheidet über Herztherapie
Die Behandlung einer chronischen Herzschwäche ist abgängig sowohl vom Geschlecht der Behandler/innen als auch dem der Behandelten, das fanden Forscher/innen am Universitätsklinikum Saarland heraus, die Krankenakten von 1800 Patientinnen und Patienten kontrollierten: Ärztinnen behandeln ihre Patienten gleich, egal ob Frau oder Mann. Männliche Ärzte hingegen behandeln ihre weiblichen Patienten deutlich seltener und mit geringeren Dosierungen. (Informationsdienst Wissenschaft, 22.4.09)
Eier-Märchen entlarvt
Falsche Meinungen halten sich oft jahrzehntelang. Beispielsweise besagt ein hartnäckiges Gerücht, dass regelmäßiger Verzehr von Eiern die Cholesterinwerte erhöht. Das ist Unsinn. Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Verzehr auf nur drei Eier wöchentlich zu beschränken. (Nutrition Bulletin 34/2009, S.66-70)
Medikamente, die Demenz und Delirium verursachen können
Wenn Menschen altern, werden sie anfälliger für Demenz, die von einem oder mehreren Medikamenten verursacht werden kann. Oft wird das übersehen, die Probleme werden einer Krankheit oder „dem Alter“ zugeschrieben.
Im letzten Newsletter hatten wir Anticholinergica als Ursache entlarvt, im Folgenden werden weitere Medikamentengruppen und die Wirkstoffe mit den stärksten Nebenwirkungs-Symptomen aufgelistet. Sie sollten möglichst kurzfristig eingenommen - bzw. nach einer Konsultation des Arztes - ganz abgesetzt werden. Bei Benzodiazepinen kann es in diesem Fall zu Entzugserscheinungen kommen.
| Medikamentengruppe | Wirkstoff z.B. in: Name |
|---|---|
| Benzodiazepine in Beruhigungs- und Schlafmitteln, sowie | Amitriptylin (in Amineurin, Amioxid-neuraxpharm, Generika mit dem Namen Amitriprilyn + Firmenbezeichnung, Equlibrin, Novoprotect, Saroten); Chlorazepat (Tranxilium); Chlordiazepoxid (Radpur); Flurazepam (Dalmadorm, Staurodorm neu); Lorazepam (Generika mit dem Namen Lorazepam + Firmenbezeichnung, Tavor, Temesta) Oxacepam (Adumbran, Anxiolit, Normoc, Oxa CT, Praxiten, Generika mit dem Namen Oxacepam + Firmenbezeichnung); Prazepam (Demetrin); Temazepam (Planum, Remestan). |
| in Antidepressiva | Amitriptylin und Chlordiazepoxid (Limbitrol); |
| Mittel gegen bipolare Störungen | Lithium (Hypnorex retard, Quilonum retard) |
| Krampflösende Mittel | Lorazepam (+Firmenbezeichnung); Gabapentin (+Firmenbezeichnung), Garbapentin (+Firmenbezeichnung), Neurontin; Pregabalin (in Lyrica) |
| Antihistamine | Azelastin (in Vividrin akut Azelastin), Desloratadin (in Aerius) |
| Parkinsonmittel | Bromocriptin (Generika mit dem Namen Bromocripptin + Firmenbezeichnung, Kirim, Providel); Entacapon (Comtan, Comtess); Selegilin (Neupro) |
| Antibiotika | Ciprofloxacin (Generika mit dem namen Ciprofloxacin oder Cipro +Firmenbezeichnung); Levofloxacin (Tavanic); Moxifloxacin (Actimax, Avalox); Norfloxacin (Generika mit dem namen Norflox +Firmenbezeichnung, Generika mit dem Namen Norfloxacin +Firmenbezeichnung); Ofloxacin (Generika mit dem Namen Ofloxacin +Firmenbezeichnung, Generika mit dem Namen Oflox+Firmenbezeichnung) |
(Worst Pills, Best Pills, Newsletter, April 2009)
Nutzen der Standard-Asthmabehandlung bei Kleinkindern fraglich
Asthma bronchiale beginnt oft im frühen Kindesalter, aber häufig gehen die Symptome wie etwa Husten, Giemen, Atemnot, und Engegefühl in der Brust zurück, sobald das Kind das Schulalter erreicht. Ob die Kleinen mit den gleichen Methoden behandelt werden sollte, wie sie für ältere Kinder mit Asthma im Desease Management Programm (DMP) festgelegt worden sind, wurde vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen anhand zweier Präparate (Flucticasonpropionat und Montelukast) vergleichend überprüft. Der Nutzen für Kleinkinder bleibt fraglich. (IQWiG Abschlussbericht 46/2009, 6.05.09)
Schmerzen beim Impfen abhängig von Reihenfolge
Während des ersten Lebensjahres ist eine Reihe von Impfungen fällig, deren Injektionen Babys unterschiedlich weh tun. Die Schmerzen können verringert werden, stellte eine kanadische Studie an 160 Kindern fest, die während der Prozeduren beobachtet und gefilmt wurden. Die Forscher folgerten aus dem Ergebnis, immer mit der Impfung zu beginnen, die am wenigsten schmerzhaft ist, dann verspüren die Kleinen insgesamt weniger Schmerz. (Archives of Pediatric an Adolescent Medicine 163 (2009), S. 469-472)
Mehr Transparenz bei Forschung gefordert
In den letzten Monaten hatten US-Medien von großzügigen Zahlungen der Pharmafirmen an forschungsbeteiligte Mediziner berichtet. Daraufhin forderte eine Reihe namhafter US-Wissenschafter mehr Transparenz in Hinblick auf finanzielle Verbindungen zwischen Pharmaindustrie, Forschung und Ärzteschaft in den USA. Es könne zu einem Interessenskonflikt kommen; finanzielle Abhängigkeiten könnten dazu führen, dass Entscheidungen nicht nach objektiven Kriterien gefällt werden. Solche Interessenskonflikte offenzulegen könnte das Vertrauen der Patienten und Patientinnen fördern. (Institute of Medicine, Report Brief 4/2009). Bedenken im Hinblick auf die Unabhängigkeit medizinischer Forschung bringt auch ein Forscherteam der Universität Michigan zum Ausdruck. Es hatte 1.534 Fachartikel zum Thema Krebs aus dem Jahr 2006 ausgewählt, die jeweils in einem der acht angesehenen wissenschaftlichen Journals veröffentlicht worden waren. Siebzehn Prozent der Artikel waren von der Industrie finanziert, zwölf Prozent waren von einem Autor verfasst, der selbst in der Industrie beschäftigt war. (eurekalert.org/pub_releases/2009-05:Cancer.)
Falschpositive Diagnosen bei Krebs-Screenings
Ausgewertet wurden die Daten von 68.000 erwachsenen Patienten im Alter zwischen 55 und 74, die innerhalb von drei Jahren bis zu 14 Untersuchungen nach Lungen-, Prostata-, Darm- und Eierstockkrebs unterzogen worden waren. Das Ergebnis ist erschreckend: Bei nur 4 Tests wurde bei jeder vierten Frau, bei jedem dritten Mann fälschlich Krebs diagnostiziert. Nach 14 Screenings stieg das Risiko sogar auf 49 bzw. 60 Prozent. Anschließend wurden 12 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer einer invasiven Prozedur unterzogen. Hatten die Patienten 14 Screenings, so stieg das Risiko unnötiger Eingriffe auf 22 bzw. 28 Prozent. Die Forscher raten Ärzten, ihre Patienten vor einem Test unbedingt über die hohen Risiken aufzuklären. (Physician’s First Watch, 18.05.09; Annals of Familiy Medicine article)
Bei PMS helfen Antidepressiva nur bedingt
Weit verbreitet sind bei Frauen Beschwerden in der Zeit knapp vor der Menstruation, Prämenstruelles Syndrom (PMS) genannt. Bei schweren Verläufen ist die Einnahme von Antidepressiva (z. B. Sertralin, SSRI) hilfreich. In einer klinischen Studie wurden 174 Frauen einer Gruppe mit Kurztherapie (4 Monate Sertralin, anschließend 14 Monate Placebo) bzw. einer mit Langzeittherapie (12 Monate Sertralin, 6 Monate Placebo) zugeteilt. Patientinnen, die von vornherein an stärker ausgeprägten Symptomen litten, entwickelten nach Absetzen des wirksamen Medikaments, insbesondere bei der kürzeren Behandlung, häufiger Rückfälle. Wenn eine Frau auf SSRI anspricht, sollte sich deshalb die Therapiedauer an der Stärke der Symptome zu Beginn orientieren, folgern die Autoren. (Archives of General Psychiatry 66 (2009), S. 537-544)
Rauchen ist tödlich
30 Jahre dauerte eine Studie, an der 54.000 Personen aus Norwegen teilgenommen hatten, und die 1974 begann. Damals waren sie zwischen 35 und 49 Jahre alt. In diesem Zeitraum starben insgesamt 13.000 Personen: 45 Prozent der starken Raucher – wer mehr als 20 Zigaretten täglich rauchte, wurde als starker Raucher eingestuft – und nur 13 Prozent der Nichtraucher. Unter den Frauen starb jede dritte Starkraucherin, aber nur 13 Prozent der Nichtraucherinnen. Zehn Prozent der Nichtraucher, aber 21 Prozent der Raucher erlitten einen Herzinfarkt. Bei den Frauen war das Verhältnis vier zu elf Prozent. Deutlich zeigte sich auch der Zusammenhang zwischen Rauchen und Schlaganfall sowie Diabetes. (EuroPrevent, Press release; ärztliche Praxis, 8.05.09)
Keine Kompressionsstrümpfe nach Schlaganfall!
Darauf, dass Kompressionsstrümpfe nach operativen Eingriffen das Thromboserisiko verringern, stützen sich die Empfehlungen der Leitlinien, auch nach Schlaganfall Stützstrümpfe anzuwenden. Nun analysierte die so genannte CLOTS-Studie (Clots in Legs Or Teds after Stroke) den Krankheitsverlauf bei 2.500 Patienten aus 64 Zentren in Großbritannien, Italien und Australien. Etwa die Hälfte von ihnen erhielt zusätzlich zur Schlaganfallbehandlung Stützstrümpfe, die andere nicht. Tiefe Beinthrombosen traten ohne Unterschied zu etwa 10 Prozent in beiden Gruppen auf; Hautschäden wie Ulzera, Blasen und Nekrosen waren aber in der Gruppe mit Stützstrümpfen fünfmal häufiger (fünf zu ein Prozent). Die Forscher raten von dieser Versorgung ab. (The Lancet early online, 27.05.09)
Gesunde Fette schärfen die Sicht
Wer regelmäßig fettreichen Fisch, Olivenöl, Nüsse und andere Lebensmittel mit einem hohen Anteil von Omega-3-Fettsäuren verzehrt, kann offenbar das Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration – eine Erkrankung der zentralen Netzhaut, die zum Verlust der Sehschärfe führt – tendenziell senken. Das ergab eine Studie an 2.454 Personen, die an der Universität von Sidney durchgeführt wurde. Die Freiwilligen wurden zwischen 1992 und 1994 nach ihren Essgewohnheiten befragt, und nach fünf und zehn Jahren wurde die Netzhaut der Probanden aufgenommen. In die Auswertung wurden die Faktoren Alter, Geschlecht und Rauchverhalten miteinbezogen, und es zeigte sich, dass der einmal wöchentliche Verzehr von Fisch das Risiko um 31 Prozent, der Verzehr von Nüssen um 35 Prozent verringerte. (Archives of Ophtalmology 2009; 127 (5), S. 656-665.)
Tägliches Training im Kindesalter schützt vor späteren Herzrisiken
188 Leipziger Kinder von elf Jahren wurden in zwei Gruppen geteilt: Die einen hatten in der Schule die üblichen zwei Stunden Turnunterricht, die anderen trainierten intensiv täglich 15 Minuten. Schon nach einem Jahr sank die zahl der übergewichtigen Kinder in der Trainingsruppe von 13 auf neun Prozent, in der anderen stieg sie von 11 auf 13 Prozent. Auch die Risiken für spätere Herzerkrankungen sanken in der aktiven Gruppe deutlich. Die Beobachtungen sollen über weitere Jahre fortgesetzt werden. Die Forscher raten, dieses Programm im Schulunterricht einzubauen. (European Society of Cardiology, EuroPrevent 2009 – Press release, 7. 05. 09)
Keine Protonentherapie bei Brustkrebs
Ein Urteil des Bundessozialgerichts (Az: B 6 A 1/08 R) bestätigt die Entscheidung des GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss der Krankenkassen, Ärzte und Krankenhäuser) bei Brustkrebs keine Preotonentherapie einzusetzen, weil zu wenige Studien zu einem positiven Effekt vorliegen. Damit hat es die Weisungsbefugnis des Bundesministeriums für Gesundheit entscheidend eingeschränkt. (ärztliche Praxis, 6.05.09 )
Auch psychische Krankheit des Vaters beeinflusst Kinder
Bisher hat die Wissenschaft zu wenig beachtet, welchen Einfluss die psychische Gesundheit der Väter auf die Entwicklung der Kinder hat, ihr Fokus lag auf der psychischen Verfassung der Mütter. Eine britische Metastudie hat vorliegende Studien analysiert und festgestellt, dass psychiatrische Krankheiten des Vaters – z.B. Depression, bipolare Störung oder posttraumatisches Syndrom – das Wohlergehen der Kinder, insbesondere von Buben, ebenso beeinträchtigen wie die der Mütter: Die Kinder haben ein erhöhtes Risiko von Verhaltens- und emotionalen Störungen sowie Depressionen. (The Lancet, Online 5.05.09)
Mit Rauch mehr Bauch?
Fettanlagerungen um die Baucheingeweide bergen ein besonderes Gesundheitsrisiko. Ein Forscherteam aus den Niederlanden überprüfte die Daten von 3.000 Personen im Alter um die 50, um zu erforschen, welcher Lebensstil diese Fettentwicklung fördert. Unerwartet war das Ergebnis, dass Raucher – wahrscheinlich über die Beeinflussung des Hormonhaushaltes – tendenziell mehr Bauchfett entwickeln. Bei Männern fördert der Alkoholkonsum tiefliegende Fettschichten, bei Frauen allerdings nicht. Wenig überraschend hat sich bestätigt: Je gesünder der Lebensstil – gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen und geringer Alkoholkonsum – desto unwahrscheinlicher, das sich viscerale Fettpolster bilden. (Diabetes care 32/ 2009, S. 505-510)
Vitamine bei Sportlern nicht sinnvoll
Antioxidantien wie Vitamin C und E haben den Ruf, die Gesundheit zu fördern, weil sie die Sauerstoffradikale, unschädlich machen. Tatsächlich machen sie jedoch die gesundheitsfördernde Wirkung der Bewegung zunichte. Denn freie Radikale, die bei jedem Ausdauersport entstehen, setzen die körpereigene Abwehr erst in Gang und wirken langfristig „wie ein Impfstoff“. Im Lauf eines vierwöchigen Sportprogramms mit 40 Männern haben Forscher der Universität Jena festgestellt, dass sie bei Sportlern, die keine Vitamine eingenommen hatten, sogar den Blutzucker-Stoffwechsel fördern. (Proceedings of the National Academy of Science, online 12.05.09)
Übergewicht ist so gefährlich wie Kettenrauchen
Jugendliche, die überschüssige Kilos mit sich tragen, haben ein ebenso hohes Risiko eines frühzeitigen Todes wie starke Raucher. Forscher haben die Daten von nahezu 50.00 schwedischen, wehrpflichtigen Männern über einen Zeitraum von 28 Jahren erfasst. Dabei lag das Sterberisiko der Normalgewichtigen am niedrigsten. Übergewicht – sowohl bei Nichtrauchern als auch Rauchern – verdoppelte die Gefahr eines vorzeitigen Todes ebenso wie starkes Rauchen allein. Erhebliches Untergewicht (Body Mass Index größer als 17) oder Rauchen von bis zu zehn Zigaretten täglich erhöht das Risiko um 30 Prozent. (British Medical Journal, online 24.02.09)
Unterversorgung bei starken chronischen Schmerzen
Nur vier von zehn Personen, die an starken chronischen Schmerzen leiden, bekommen die benötigten Schmerzmittel vom Typ der Opioide, kritisierten Experten auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag: Einerseits würden Opioide hierzulande zu selten eingesetzt und andererseits die Krankenkassen aus Kostengründen nicht die Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen berücksichtigen. (ProScience Communications / Deutscher Schmerztag 2009)
Strom kann Neuropathie-Schmerz lindern
Nahezu jeden dritten Diabetiker plagt Polyneuropathie. Eine befriedigende Behandlung mit Medikamenten gibt es nicht, aber eine 60-minütige elektrische Muskelstimulation (EMS) an den Oberschenkelmuskeln, zweimal wöchentlich durchgeführt, kann die Schmerzen und Schlafprobleme lindern. (Pain Med 10 (2009) 413-419)
Viele Herzkranke leben riskant
Weil viele Patienten nach einer Herzerkrankung ihren Lebensstil nicht ändern, aber auch nicht richtig beraten und behandelt werden, ist ihre Lebenserwartung bedroht: Einer Übersicht über 9000 Patienten von 76 Herzzentren Europas entsprechend (EUROASPIRE III, 2006-2007) rauchten 17 % der Patienten weiter, 40% bemühten sich nicht um körperliche Bewegung, 35% waren übergewichtig, 53% fettsüchtig, 56% hatten Bluthochdruck über 140/90, 51% weiterhin erhöhte Cholesterinwerte, und 25% waren Diabetiker, von denen nur jeder zehnte richtig eingestellt war. Auch die Versorgung mit vorbeugenden Medikamenten entsprach nicht dem empfohlenen Standard. (European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation, 14.3.2009)
Beim Gewicht entscheidet die Kalorienbilanz
Wer zu schwer ist, muss seine Kalorienzufuhr drosseln und sich mehr bewegen, das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Dabei ist nicht ausschlaggebend, wie die Ernährung zusammengestellt ist: Ob mehr Fett, Protein oder Kohlehydrate - keine Diätform hatte Vorteile, was die Gewichtsabnahme, die Hungergefühle oder die subjektive Zufriedenheit betrifft. (New England Journal of Medicine 360 (2009) 859-873)
Sport beugt Augenerkrankungen vor
Jeder gelaufene Kilometer mindert das Risiko von Augenerkrankungen, das ergab eine Kontrolle von 41.000 Läufern in den USA, die über sieben Jahre andauerte:
- Männer, die mehr als 60 Kilometer wöchentlich liefen, senkten das Risiko, an Grauem Star zu erkranken, um ein Drittel
- Personen, die täglich mindestens vier Kilometer zurücklegten, waren nur halb so oft von der Makuladegeneration betroffen – eine Krankheit, die in Industrienationen am häufigsten zur Blindheit führt.
Insbesondere wird Menschen mit Durchblutungsstörungen empfohlen Ausdauersport zu betreiben. (Investigative Ophtalmology and Visual Science 50 (2009), 95-100 und 101-106)
Ohnmacht und Tod durch illegale Potenzmittel
Innerhalb von fünf Monaten im Jahr 2008 wurden insgesamt 150 Personen, die nicht an Diabetes litten, wegen dramatischer Unterzuckerung (Hypoglykämie) in das Nationale Universitätskrankenhaus in Singapur eingeliefert; sieben Personen fielen ins Koma, vier von ihnen starben in der Folge. Bei den meisten Betroffenen fand sich in Blut und Urin der Wirkstoff Glibenclamid (ein Diabetesmittel; enthalten z.B. in Glibenclamid AL), der offenbar in illegalen Potenzmitteln enthalten war, die sie eingenommen hatten. Bei Überprüfung der Potenzmittel – zum Beispiel Power 1 Walnut, Santi Bovine Penis Erecting Capsule, oder Zhong Hua Niu Bian – fanden sich bis zu 100 mg Glibenclamid, aber auch andere gängige Arzneimittel-Wirkstoffe. (New England Journal of Medicine 7, 12. Februar 09, Vol. 360, S. 734-736)
Häufige medizinische Fehler auf Intensivstationen
Die Europäische Gesellschaft für Intensivmedizin rief weltweit Krankenhäuser dazu auf, Fehler bei injizierten Medikamenten im Zeitraum von 24 Stunden anonym zu melden: 113 Intensivstationen beteiligten sich. Es zeigte sich, dass es in der Intensivbetreuung bei der Verabreichung von Medikamenten häufig zu Fehlern kommt: Ein Drittel der Patienten - 441 von 1.300 - waren betroffen, meist wurde das Mittel zum falschen Zeitpunkt oder in falscher Dosierung gespritzt. Die Hälfte von ihnen erlitt sogar mehr als zwei Fehler, bei sieben Patienten blieben Dauerschäden zurück, fünf fanden den Tod. Die Ursache war in jedem dritten Fall Übermüdung, Stress und Arbeitsüberlastung des medizinischen Teams. In Notfällen war die Fehlerquote geringer als in Ruhephasen. (British Medical Journal, online 14.03.09)
Fernsehen im Kleinkindalter bringt nichts, kann aber schaden
In einer US-amerikanischen Studie wurden 900 Kinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren im Alter von drei Jahren auf Ihre kognitiven Fähigkeiten überprüft, doch es konnte weder in der Sprach- noch in der visuellen Entwicklung ein positiver Effekt gefunden werden. Eine andere Untersuchung an 3100 elfjährigen Kindern, die mit dreieinhalb Jahren keine Atemprobleme hatten, musste feststellen, dass jene, die mehr als zwei Stunden vor dem TV-Gerät verbrachten, doppelt so häufig Asthma entwickelten, wie jene mit weniger Fernsehekonsum. (Pediatrics, 2. März 2009; Thorax in: Physicians First Watch)
Für Sport ist es nie zu spät
Es zahlt sich noch aus, ab 50 sportlich zu leben, das zeigte eine schwedische Studie an 2200 Männern, die vom 50. Lebensjahr an 35 Jahre lang beobachtet wurden. Für jene, die ab 50 aktiver in Bewegung waren, ging das Sterberisiko nach zehn Jahren deutlich zurück bis auf jenes von Männern, die immer schon sportlich lebten. (British Medical Journal, März 2009)
Warnung vor Masern
Das Berliner Robert Koch Institut ruft wegen ansteigender Masernfälle zur Masernimpfung auf: Mehr als 100 der rund 2.300 Masernfälle im Jahr 2006 waren durch Komplikationen belastet, zwei der Patienten starben. Im ersten Vierteljahr 2009 sind bereits 210 Masernfälle registriert. Die Bundesrepublik Deutschland nimmt in einer Rangliste der Staaten, die Maserninfektionen in andere Staaten „exportieren“, den Platz 26 ein – zwei Plätze vor Sambia und dem Tschad. (RKI-Impfseiten, ab März 2009)
Sind nichtmedikamentöse Alzheimer-Therapien erfolgreich?
Das Ziel von Alzheimer-Behandlungen ohne Medikamente ist es, Begleitsymptome wie Depressivität, Unruhe, Schlafstörungen und aggressives Verhalten zu mildern, die Denk- und Merkfähigkeit zu verbessern bzw. die Alltagskompetenz zu stärken. Doch es fehlt an einem Beweis der Wirksamkeit solcher Methoden: Zu diesem Schluss kommt das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), das 27 von 33 Untersuchungen zu solchen Verfahren als mangelhaft einstufen musste. (IQWIG Abschlussbericht März 09)
Kritik der Kinderärzte an Säuglingsnahrung vom Typ der Prä- und Probiotika
Europaweit geht der Trend, gesunden Babys pro- oder präbiotisch angereicherte Säuglingsanfangsnahrung zu geben. Es ist aber nicht zweifelsfrei erwiesen, ob dies Nutzen bringt. Im Fall von gesundheitlich geschwächten Babys raten Ernährungsexperten von solchen Produkten sogar ausdrücklich ab. Das geht aus der Stellungsnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hervor, die gemeinsam mit der schweizerischen und österreichischen Fachgesellschaft erstellt wurde. (DGKJ-Stellungahme, März 09)
Vegetarier haben ein geringeres Krebsrisiko
Eine englische Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährungsweise und allgemeinen Krebsrisiken untersuchte, und in die 63.000 Frauen und Männer einbezogen und über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden, fand heraus, dass Vegetarier seltener an Krebs erkranken als Menschen, die Fleisch essen. Ähnlich gut schnitten auch Personen ab, die zwar kein Fleisch, wohl aber Fisch essen. Allerdings zeigte sich eine unerwartete Ausnahme: Wer sich pflanzlich ernährt, erkrankt im Vergleich zu Fleischessern eher an einem Dickdarmkarzinom. Bis jetzt galten rotes Fleisch und Wurst als Risikofaktor für Darmkrebs – diese Theorie muss überprüft werden.
(American Journal of Clinical Nutrition, 11. März 2009, online)
Vitamin-D Mangel in Deutschland
Die Gesamtbevölkerung sei nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt, stellte eine Expertenrunde beim ersten Hohenheimer Ernährungsgespräch fest. Denn nach neuen Erkenntnissen sollte der Vitamin-D-Spiegel höher liegen als früher gedacht. Besonders betroffen sind Kinder aus sozial schwachen Familien und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, sowie ältere Personen. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Mangelversorgung die Gesundheit beeinträchtigen und in mittleren bis späten Jahren die Sterblichkeit erhöhen kann. Nur fetter Fisch ist eine Nahrungsquelle mit nennenswertem Vitamin D-Gehalt. Ansonsten bildet der Körper selbst das wichtige Vitamin bei Sonnenlicht. (ärztliche praxis,01.04.09) Neue Studien legen nahe, dass Vitamin D vor manchen Krebserkrankungen schützen kann. (Annual Epidemiology 19(2009), 84-86)
Langzeitflüge sind doch riskant
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat ihre Thrombose-Warnung bekräftigt: Einer Übersichtsstudie entsprechend steigt das Risiko einer Thrombose bei Langzeitflügen auf das Vierfache des Durchschnitts. Für Schwangere oder Frauen, die die Antibabypille nehmen, und für Personen, die bereits eine Thrombose hatten oder in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, ist das Risiko besonders hoch. Zur Vorbeugung ist es wichtig, Stützstrümpfe zu tragen, viel zu trinken und mehrmals im Flugzeug auf und ab zu gehen. (ESC Press Office, 24.2.09)
Schmerzforscher als Betrüger
Ein beispielloser Skandal erschüttert die Mediziner in den USA: Ein angesehener Forscher (Anästhesist Scott Reuben) hat mindestens 21 seiner Studien zur postoperativen Schmerztherapie gefälscht. Viele der gefälschten Ergebnisse sind in die Leitlinien für ärztliche Behandlung eingegangen, und wurden im Klinikalltag auch in Deutschland umgesetzt. Zu eng war die Verstrickung des Anästhesisten mit Pharmafirmen. So hat er u. a. seinerzeit das Rheuma- und Schmerzmittel Vioxx (Hersteller Merck Sharpe & Dohme) beworben, das wegen schwerer Nebenwirkungen und unzähligen Todesfällen 2004 vom Markt genommen wurde. Jahrelang hat er auch Fördermittel vom weltgrößten Pharmakonzern Pfizer erhalten, dessen Rheuma- und Schmerzmittel Bextra im Jahr 2005 wegen Nebenwirkungen weltweit vom Markt gezogen wurde. (New York Times, 10.3.2009 sowie http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/03/das-schokierende-lugengebilde-des-scott-reuben-und-dessen-fundamente.php)
Grüner Tee stört Krebstherapien
Als Nahrungsergänzungsmittel sind Grüntee-Extrakte beliebt, auch wegen ihrer offenbar vor Krebs schützenden Eigenschaften. Doch während einer Krebstherapie mit dem Chemotherapeutikum Bortezomib (enthalten z.B. in Velcade) kann ihre Wirkung ins Gegenteil umschlagen. Bei einem Test an Zellen und Mäusen zeigte sich, dass alle Tumorzellen intakt blieben. (Blood 2009, online 08.02.09)
Prostata-Vorsorgeuntersuchung - kann PSA-Screening Leben retten?
Ob der Prostata-Vorsorgetest PSA das Sterberisiko bei Prostatakrebs senken kann, ist fraglich: Das ergab ein Vergleich der aktuellen US-amerikanischen Studie PLCO und der europäischen ERSPC-Studie. Beide hatten Männer im Alter zwischen 50 bzw. 55 bis 74 in zwei Gruppen geteilt, die entweder in ein Vorsorge-Programm aufgenommen wurden oder nicht, und fast acht Jahre lang beobachtet. In den USA wurde der PSA-Wert jährlich bestimmt, in Europa alle vier Jahre. Während sich in den USA die Sterberaten zwischen beiden Gruppen kaum unterschieden, war sie bei der Vorsorgegruppe in Europa um 20 % niedriger. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Bei drei von vier Männern, die sich aufgrund eines erhöhten PSA-Werts einer Prostatabiopsie unterzogen, stellte sich heraus, dass die Prostata normal war. (New England Journal of Medicine (2009) 1310-1319 und 1320-1328, März 09)
Warnung vor Medikamenten-Pflaster bei Magnetresonanz-Untersuchungen (MRT)
Personen, die ein medizinisches Pflaster auf der Haut tragen, das Medikamente abgibt und das auf der Klebeseite eine Metallverbindung enthält, können bei einer Magnetresonanz-Untersuchung an diesen Hautstellen Brandwunden bekommen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde empfiehlt, ein solches Pflaster vor der MRT abzulösen und es erst nachher wieder anzubringen. (Medwatch, FDA 06.03.09)
Kalzium schützt vor Krebs
Frauen mit einer höheren Kalziumzufuhr (bis zu 1.300 Milligramm täglich) haben insgesamt ein geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken, insbesondere an Darmkrebs. Bei Männern zeigte sich ein Vorteil nur bei Krebserkrankungen des Verdauungssystems. Dies war das Ergebnis einer großangelegten Untersuchung von nahezu 400.000 Patienten-Daten, die das USA-Krebs-Institut vornahm. (Archiv of Internal Medicine 169 (2009), 391-401)
Übergewicht bei Schwangeren ist ein Missbildungsrisiko
Hat eine Schwangere einen BMI (Body Mass Index) von 25-30 und darüber (Fettsucht), muss sie selbst mit erhöhten Risiken von Diabetes, Bluthochdruck, Kaiserschnitt oder Geburtsproblemen rechnen. Für das Kind besteht eine erhöhte Gefahr, mit Missbildungen auf die Welt zu kommen, wie Spina bifida (offener Rücken), Defekten des Zentralnervensystems, Wasserkopf, Missbildungen an Enddarm, Gliedmaßen und Herz sowie einer Gaumenspalte, die alle in einer bestimmten Entwicklungsstufe entstehen. Wahrscheinliche Ursache: Übergewicht geht mit verringerten Folsäurewerten im Körper einher. (Journal of the American Medical Association, Watch General Medicine, 12.02.09)
Akupunktur wirkt kaum besser als eine Placebo-Behandlung
Forscher im Nordic Cochrane Centre Dänemarks analysierten 13 Studien von mehr als 3000 Patienten, die mit Akupunktur behandelt wurden. Es stellte sich heraus, dass die Ergebnisse weit voneinander abwichen. In einigen Studien zeigte sich, dass Scheinakupunktur (Nadeln in „falschen“ Punkten oder Nicht-Stechen) genauso wirksam war wie echte Akupunktur. (British Medical Journal, online 30.01.09)
Neurodermitis durch Wasserenthärtung behandeln?
Hartes Wasser enthält viele Mineralstoffe. Möglicherweise reizen sie die Haut oder führen zu vermehrtem Einsatz von Seife – deshalb kann eine Wasserenthärtung helfen, Neurodermitis-Symptome zu lindern. Das zeigte der Zwischenbericht einer Studie der englischen Universität Nottingham. 233 Kindern mit Neurodermitis-Symptomen wurden beobachtet: Die teilnehmenden Familien erhielten für 12 Wochen Ionentauscher zur Wasserenthärtung. Schon nach zwei Wochen konnte bei den Kindern eine entscheidende Besserung der Symptome erzielt werden. Die Studie wird weiter geführt. (British Journal of Dermatology, 159/3; 561-566)
Pflanzenmittel helfen kaum gegen Probleme der Menopause
Wegen der Risiken einer Hormontherapie gegen Wechseljahressymptome greifen immer mehr Frauen zu pflanzlichen Mitteln. Eine systematische Studienübersicht bestätigt jedoch frühere Ergebnisse: Diese Medikamente (aus Silberkerze, Rotklee, Dong quai/Engelswurz, Nachtkerze oder Ginseng) zeigen kaum Wirkung, bringen aber einige Risiken mit sich. (Drug and Therapeutics Bulletin, Physician’s First Watch, 14.01.2009)
Antipsychotika erhöhen das Herztod-Risiko
Mediziner durchforsteten die medizinischen Daten der Bevölkerung des US-Staates Tennessee nach Patienten, die an plötzlichem Herztod gestorben waren: Sie verglichen Patienten, die typische oder atypische Antipsychotika erhalten hatten, mit einer Kontrollgruppe. Dabei stellte sich heraus, dass die Einnahme von Antipsychotika das Risiko eines Herztods verdoppeln und dass die Gefahr mit der Dosis steigt. Die Forscher raten von dieser Medikation bei Kindern und dementen Älteren ab, denn bei diesen Gruppen ist der Nutzen von Antipsychotika fraglich. (Physician’s First Watsch, 15.1.2009, New England Journal of Medicine)
Ob Frau oder Mann – das Geschlecht bestimmt, wie das Herz behandelt wird
Frauen mit Herzproblemen werden medizinisch anders behandelt als Männer - das zeigt eine neue deutsche Studie: Frauen erhalten seltener eine Behandlung, wie sie von ärztlichen Leitlinien empfohlen wird, und sie werden mit niedrigeren Dosierungen behandelt. Außerdem behandeln Ärztinnen Frauen eher nach dem neuesten Erkenntnisstand der Medizin als ihre männlichen Kollegen. Die deutsche Studie umfasste 1857 Patienten/innen und 829 Ärzte/innen. (European Journal of Heart Failure, Jänner 2009)
Herzrhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern werden bei 3 von 10 deutschen Patienten/innen nicht ausreichend behandelt
Patienten/innen mit Vorhofflimmern haben ein hohes Schlaganfallrisiko. Ärztliche Leitlinien schreiben in diesem Fall vor, das mit Blutgerinnungshemmern behandelt werden soll. Laut einem zentralen deutschen Register, in dem solche Patienten erfasst sind, erhalten jedoch nur 70 Prozent aller Patienten solche Medikamente. (Europace Advanced Access , online 18.01.2009)
Nach Brustoperation Nachbestrahlung nicht verzögern
Eine US-Krebsforschungsstelle in British Columbia hat mehr als 6.000 Frauen untersucht, bei denen ein Brustkrebs im Anfangstadium brusterhaltend operiert und als Nachbehandlung eine Strahlentherapie durchgeführt wurde. Wenn die Strahlentherapie erst zwanzig Wochen nach der Operation durchgeführt wurde, stieg die Anzahl der Rückfälle auf das Doppelte und die Überlebensrate sank. Deshalb empfehlen die Studienautoren, mit der Strahlenbehandlung möglichst bald zu beginnen. (Journal of Clinical Oncology 27 (2009) 16-23)
Vitamin C, E und Selen nutzen nichts
Zwei große Studien widerlegen die weit verbreitete Ansicht, dass die Vitamine E, C und das Spurenelement Selen eine vorbeugende Wirkung gegen Prostatakrebs hätten. Die eine Studie erfasste 35.533 Männer über fünfzig, die fünfeinhalb Jahre beobachtet wurden, die andere 14.641 Männer, die acht Jahre lang beobachtet wurden. Es zeigte sich weder in der Erkrankungs- noch der Todesrate ein Unterschied zwischen jenen, die Vitamine E, C oder Selenpräparate eingenommen hatten und anderen: Diese sogenannten Antoioxidantien schützen weder vor Prostatakrebs noch vor anderen Tumoren. (Journal Watch General Medicine, 15.1.2009) Eine Übersichtsstudie, die mehr als 14.000 Männer erfasste, die Vitamin C oder/und E einnahmen, zeigte, dass die Vitamine Herz-Kreislauferkrankungen nicht vorbeugen konnten, Vitamin E aber das Schlaganfall- Risiko erhöhte. (Journal of the American Medical Association, 13.11.2008)
Örtliche Betäubungsmittel sparsam einsetzen
Schmerzlindernde Cremes, Gels und Öle, die auf die Haut aufgetragen werden, enthalten meist Lidocain, Tetracain, Benzocain oder Prilocain. Sie können vom Blut aufgenommen werden und bei unsachgemäßer Anwendung schwere Nebenwirklungen haben, wie Herzflimmern, Atemprobleme. In seltenen Fällen können sie sogar zu Koma und zum Tod führen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt deshalb davor, zu große oder geschädigte Hautareale zu behandeln und diese auch noch einzuhüllen oder mit Wärme zu behandeln. Und sie rät dazu, Mittel mit möglichst geringem Wirkstoffgehalt einzusetzen. (FDA News, 16.1.2009)
Senioren: Risiko von lebensgefährlichen Medikamenten-Wechselwirkungen
3000 amerikanische Senioren über 57 wurden befragt, welche verschriebenen und frei verkäuflichen Medikamente sowie Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Es stellte sich heraus, dass in etwa vier von hundert Fällen wegen möglicher Wechselwirkungen der eingenommenen Mittel Lebensgefahr bestand, wobei das Risiko häufig von rezeptfreien Mitteln ausging – von denen der behandelnde Arzt oft gar nicht wusste, dass sie eingenommen wurden. (Journal of American Medical Association, Physician’s First Watch, 24.12.08)
Rauchverbot schützt vor Herzinfarkt
Im Juli 2003 wurde in der Stadt Pueblo im amerikanischen Bundesstaat Colorado das Rauchen in öffentlichen Räumen verboten. In einer medizinischen Studie über die gesundheitlichen Folgen dieses Rauchverbots zeigte sich, dass innerhalb von 18 Monaten nach Einführung des Rauchverbots die Zahl der Einlieferungen von Patienten mit Herzinfarkten ins Krankenhaus um 27 Prozent zurückging – und in den darauf folgenden 18 Monaten um weitere 19 Prozent. Das beweist, dass Rauchverbote auch langfristig einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Herzkrankheiten und Herztod leisten können. (Morbidity and Mortality Weekly Report, 2.1.2009)
Intensive Zucker-Senkung bei Diabetes Typ II bringt keinen Vorteil
Beim Vergleich von Diabetes-II-Patienten, die eine intensive Therapie zur Senkung der Zuckerwertes erhielten und solche mit Standardtherapie – insgesamt 1791 -, zeigte sich nach fünf Jahren, dass die intensive Zuckersenkung weder die Rate der Komplikationen noch die Todesrate senkte. (New England Journal of Medicine, 8.01.2009; 360: 129)
Neue Leitlinien für Behandlung der Kniegelenks-Arthrose
US-Orthopäden haben neue medizinische Leitlinien zur Behandlung der Kniegelenks-Arthrose veröffentlicht: Wichtig ist, das Fortschreiten der schmerzhaften Krankheit durch Lebensstiländerung zu bremsen: Wer übergewichtig ist und einen Body-Mass-Index von über 25 hat, dem wird empfohlen, mindestens 5 % seines Gewichts abzunehmen. Zusätzlich sollte Sport mit geringer Belastung wie Wandern, Schwimmen oder Fitness, ausgeübt werden. Einen hohen Stellenwert hat die Schmerztherapie mit Medikamenten vom Typ der nichtsteroidalen Entzündungshemmer (das sind Wirkstoffe wie zum beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol und - für die kurzfristige Anwendung - Kortisonspritzen in das Gelenk. Maßnahmen wie eine Knielavage mit Kochsalz, Schuhorthresen oder die Einnahme von Glucosamin und Chondroitin werden abgelehnt. Ob Behandlungen mit Schienen, Hyluronsäureinjektionen oder Akupunktur helfen, ist fraglich, weshalb die Leitlinien sie weder empfehlen noch ablehnen.
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Passivrauchen erschwert Schwangerschaft
Frauen, die in ihrer Kindheit oder im Erwachsenenleben täglich sechs Stunden und länger auf passive Art und Weise Zigarettenrauch ausgesetzt waren, haben gegenüber Frauen, die rauchfrei aufgewachsen sind, ein erhöhtes Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden. Generell beeinträchtigte Passivrauchen die Fruchtbarkeit der Frauen. Das ergab die nachträgliche Auswertung von Fragebögen, die über 4.000 Frauen in den Jahren von 1982 bis 1998 beantwortet hatten. (Tob Control Online laut Ärztliche Praxis 27.11.08)
Passivrauchen für Kinder besonders schädlich
Die Blutproben von 200 Kindern im Alter zwischen einem und zwölf Jahren, die in ihrer Umgebung ständig blauem Dunst ausgesetzt waren, zeigen in einem hohen Maß Hämoglobinmoleküle, die nicht wie üblich an Sauerstoff, sondern an Kohlenmonoxid gebunden waren. Diese Studienergebnisse wurden beim Jahrestreffen der American Society of Anesthesiologists in Orlando präsentiert. Schlussfolgerung der Mediziner: Passivrauchen schädigt Kinder im gleichen Maß wie aktives Rauchen Erwachsene. (American Society of Anesthesiologists laut Ärztliche Praxis, 24.10.2008)
Softdrinks erweichen die Knochen
Je mehr Limonaden - besonders koffeinhaltige Softdrinks - Jugendliche zu sich nehmen, desto geringer ist der Mineralstoffgehalt ihrer Knochen. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) an der Universität Bonn erfasst seit 1985 die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen. Bei 228 von ihnen wurde auch der Mineralgehalt der Knochen gemessen und die Daten in Bezug zum Softdrink-Konsum gesetzt. Als Spätfolge droht Osteoporose. (American Society of Clinical Nutrition 88; 2008; S. 1670-1677)
Bei Reizdarm helfen mit indischem Flohsamen und Pfefferminzöl
Eine systematische Übersicht an Studien über 6.000 Patienten mit Reizdarm ergab: Leichte Abführmittel mit indischen Flohsamen (= Plantago ovata; enthalten z.B. in Agiocur, Flosa, Metamucil, Mucofalk) sowie Pfefferminzöl sind wirksamer als Placebo und lassen sowohl die Schmerzen als auch andere Symptome zurückgehen bzw. verschwinden. (British Medical Journal 2008; 337: Seite 2313)
Folsäure und B-Vitamine schützen nicht vor Krebs
Eine große amerikanischen Untersuchung widerlegt die gängige Vorstellung, dass Nahrungsergänzungsmittel, die Folsäure, Vitamin B6 und B12 enthalten, Krebserkrankungen verhindern können: 5.442 Frauen im Alter über 42 Jahre erhielten entweder einen Mix dieser drei Stoffe oder ein Medikament ohne jeden Wirkstoff ( = Placebo). Das Risiko, Brustkrebs oder einen anderen Tumor zu entwickeln beziehungsweise daran zu sterben war in beiden Gruppen gleich hoch. (Journal of the American Medical Association; 300; 2008; Seite 2012-2021)
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Schwangere sollten Kaffee meiden
Schon zwei Tassen aufgebrühten Kaffees pro Tag verringern das Größenwachstum des Fetus um 10 Prozent, egal in welchem Trimester der Schwangerschaft er getrunken wird. Mediziner einer US-amerikanischen Studie raten Frauen deshalb, ihren Kaffeekonsum möglichst zu verringern, sobald sie eine Schwangerschaft planen beziehungsweise sicher sind, schwanger zu sein. (British Medical Journal laut Physician`s First Watch vom 5.11.08)
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Krebsvorsorge: Viel Bewegung nützt
Ein sportlicher Lebensstil ist die ideale Vorbeugemaßnahme gegen verschiedenste Krebserkrankungen, melden Forscher des US-amerikanischen Krebsinstituts nach Untersuchungen an nahezu 6000 Frauen, die von 1998 an zehn Jahre lang beobachtet worden waren und zu Beginn der Studie über 18 Jahre alt waren. Die sportlichere Hälfte der Frauen hatte ein geringeres Risiko, an Brustkrebs und anderen Krebsformen zu erkranken. (Reuters Health, 25.11.08)
TV-Beitrag des Magazins WISO über Ärztefortbildung
Dieses Mal wagt sich der WISO-Ermittler in die Höhle des Löwen. Er besucht mit versteckter Kamera die „Jahrestagung für Wundheilung“ in Wien, ZDF-Informanten zufolge eine reine Marketingveranstaltung. Die unscharfen und verwackelten Einstellungen gemahnen an eine Reportage aus dem innersten Zirkel eines kolumbianischen Drogenkartells.
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Enthüllung über die Machenschaften der Pharmaindustrie!
Ein Journalist wechselt seine Identität und geht in die Pharmaindustrie. Erschreckendes Resultat seiner Recherchen: Die Medizin steht unter der Kontrolle der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Chefärzte und Klinikchefs machen sich zu Komplizen!
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Video zum Gastauftritt von Hans Weiss im österreichischen Fernsehn
Bei Bluthochdruck am besten Diuretika
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IIQWiG) stellte sich die Frage, mit welchem Blutdrucksenker eine Bluthochdruck-Therapie beginnen soll, um das Leben zu verlängern sowie Herzerkrankungen und Nierenschäden zu vermeiden. Dabei wurde der Nutzen von Diuretika, Betablockern, ACE-Hemmern, Kalziumantagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten verglichen. Auch Aspekte der Lebensqualität und Therapiezufriedenheit sowie die Anzahl der Krankenhausaufenthalte wurden berücksichtigt. Diuretika erwiesen sich als „Therapie der ersten Wahl“. Kritik an dem IQWiG-Vorbericht, der am 18.9.08 erschien, moniert, dass sich unter Diuretika Diabetes entwickeln kann und der Bericht nicht auf die individuelle
Therapie eingeht.
Doppeltes Brustkrebsrisiko durch fettreiche Ernährung
Bei Frauen, die viel tierische Fetten oder Margarine, verarbeitetes Fleisch und Fisch essen, aber wenig Brot- und Obstsaft konsumieren, kann das Risiko von Brustkrebs auf das Doppelte ansteigen. Das ergab eine Kontrolle der Daten von mehr als 15.000 Frauen, die in der europäischen Krebs-Studie EPIC erfasst sind, durch ein Team des deutschen Instituts für Ernährungsforschung. Das Risiko war unabhängig vom Körpergewicht. (in: British Journal of Nutrition (2008), 100:942-946)
Warnung vor Erkältungsmitteln für Kleinkinder
In der Vergangenheit ist es in den USA bei Kleinkindern, die frei verkäufliche Mittel gegen Erkältungskrankheiten erhielten, häufig zu Zwischenfällen gekommen. Deshalb hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA nun erreicht, dass die Hersteller von pädiatrischen Erkältungsmitteln selbst davor warnen werden, sie bei Kindern unter vier Jahren anzuwenden. (Consumer Healthcare Produkts Association statement/ Physicians First Watch, 8.10 08)
Absage an Arthroskopie
Patienten mit Kniegelenksarthrose werden häufig endoskopisch operiert. Dass dies keinen Vorteil bringt, zeigte neuerdings eine US-Studie an 178 60-Jährigen mit moderater bis stark ausgeprägter Gonarthrose. Ausgeschlossen waren Patienten mit Meniskusschäden, entzündlichem Geschehen, vorangegangenem Trauma oder Achsenabweichung des Knies. Eine Gruppe wurde mit einer wöchentlichen Physiotherapie und Medikamenten behandelt, bei der anderen wurde zusätzlich eine Arthroskopie durchgeführt. Das Ergebnis wurde im Verlauf von zwei Jahren mehrmals überprüft: Es konnte kein Unterscheid zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden. (New England Journal of Medicine 359 (2008), 1097-1107)
Nutzen der Grippeimpfung überschätzt
Die Grippeimpfung senkt das Sterberisiko kaum, das ergab eine epidemiologische Studie an 700 Personen mit Lungenentzündung in der Provinz Alberta in Kanada. Zwar ist das Sterberisiko bei Geimpften tatsächlich halb so hoch wie bei anderen, aber die Gründe dafür liegen nicht bei der Impfung: Personen, die das Impfangebot annehmen, sind gesundheitsbewusster als andere, und offenbar lassen sich rüstige Alte eher impfen als kranke Senioren. (American Journal of Respiratory and Critical Medicine (2008) 178: 527-533)
Kopfweh durch Übergewicht?
Übergewicht bei Heranwachsenden scheint ein Risikofaktor für chronische Kopfschmerzen zu sein, das schließt ein US-amerikanisches Forschungsteam, das 913 Kinder und Jugendliche in seine Studie einbezogen hat. Die Kopfwehattacken der Kinder wurden häufiger und stärker, wenn sie an Gewicht zunahmen, aber tendenziell seltener, wenn es ihnen gelang, abzunehmen.(Obesiety in the Pediatric Headache Population: A Multicenter Study; Headache, 09.09.08)
Kein Sulfadiazin-Silber auf Brandwunden!
Verbrennungsspezialisten sind überzeugt, dass Brandwunden nicht mit einer Sulfalazin-Silber-haltigen Creme behandelt werden sollten. Bei der Übersicht über 26 Studien stellte sich heraus, dass diese Salben den Heilungsprozess eher verzögern. (Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4)
Honig hilft nur bei Brandwunden
Traditionell werden dem Honig Heilwirkungen bei Hautwunden zugesprochen. Doch bis heute fehlte ein eindeutiger Nachweis seiner Wirksamkeit. Ein Chochrane-Forscherteam hat nun 19 Studien mit über 2.500 Teilnehmern, die an akuten oder chronischen Wunden litten, ausgewertet. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass ein signifikanter Effekt nur bei Brandwunden erzielt wird: Diese heilen um vier Tage rascher ab. Insgesamt werden offenbar nur leichte bis moderate Wunden durch Honigverbände etwas besser geheilt, bei offenen Geschwüren wirke Honig nicht. (Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4)
Probiotika: Kein Hilfe bei Ekzemen
Bei Kindern mit Ekzemen zeigt sich häufig eine veränderte Darmflora. Probiotika – Mittel mit Lactobazillus, die das Bakterien-Milieu im Darm bessern sollen – helfen gegen dieses Hauptsymptom jedoch nicht. Im Gegenteil: Bei einigen Kindern traten Darmprobleme und sogar Infektionen auf. (Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4)
Vitamin C und Zinktabletten nicht zu empfehlen
Jeder vierte Deutsche nimmt Vitamine ein, viele von ihnen ein Vitamin C- oder ein Zink-Präparat zur Vorbeugung oder Behandlung gegen grippale Infekte Das sei sinnlos, meint die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die ihr Urteil auf mehrere Studien stützt. Nur in Extremsituationen, wie sie für Maratonläufer, Skifahrer oder bei subarktischen Bedingung herrschen, könne Vitamin C das Infektionsrisiko senken. Auch wirkt es nicht vorbeugend gegen Lungenentzündungen. (Bericht: Ärztliche Praxis, 25.10.08)
Neugeborene immer häufiger übergewichtig
Der Trend zum Übergewicht trifft neuerdings auch die Babys: Acht bis zehn Prozent aller Neugeborenen haben mehr als 4000 Gramm. Hauptgründe sind Übergewicht und steigendes Alter der Mütter. Das kann für das Kind die Gefahr von Komplikationen, wie Knochenbruch oder spätere Diabetes, für die Mutter das Risiko von Damm-Verletzungen erhöhen. Abspecken und eine gesunde Ernährung ist die beste Vorbeugung. (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Bericht Ärztliche Praxis, 1. September 2008)
Grippeimpfung senkt Risiko für Lungenentzündung nicht
Forscher aus Seattle analysierten die Daten von 3500 älteren Menschen über 65 mit und ohne Lungenentzündung über einen Zeitraum von drei Jahren. Die nach strengen Maßstäben durchgeführte Untersuchung fand keinen Unterschied zwischen Geimpften und Nichtgeimpften. (The Lancet 2008, August 2; 372:398)
Beste Behandlung bei Prostataleiden
Eine verdickte Prostata macht Beschwerden beim Wasserlassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat die klassische chirurgische Methode der Transurethralen Resektion (TUR) mit 15 anderen chirurgischen Möglichkeiten verglichen, die weniger invasiv sind und daher als schonender bezeichnet werden, wie z. B. die Überwärmung der Prostata oder Entfernung mit Laser. Es wurden 55 Studien mit insgesamt 6000 Männern erfasst mit dem Ergebnis, dass keine der schonenden Methoden Belege dafür lieferte, die Beschwerden besser oder zumindest gleichwertig zu lindern. Sie haben jedoch den Vorteil, den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen und weniger Folgekomplikationen zu verursachen. (Ärztliche Praxis, 1.8.08)
Kein erhöhtes Risiko durch Fieberkrämpfe
Kinder, die an einfachen Fieberkrämpfen leiden, sind vom Tod nicht mehr bedroht als andere Kinder, berichteten dänische Forscher in der Zeitschrift Lancet vom 8. August. Für die Studie wurden die Daten von 55.000 Kindern ausgewertet, die zwischen 1977 und 2004 geboren waren und vor dem 5. Lebensjahr Fieberkrämpfe erlebt hatten, und mit anderen Kindern verglichen. Hatten die Krämpfe nicht länger als 15 Minuten gedauert, zeigte sich kein unterscheid. Bei Kinder mit schweren Krämpfen über 15 Minuten Dauer oder täglich mehrmaligem Auftreten steigt das Sterberisiko zwar in den ersten beiden Jahren, sinkt danach aber wieder auf normales Niveau.
(The Lancet 2008; 372:457-463)
Schlafdefizit lässt Blutdruck bei Teenagern steigen
Für Heranwachsende, die pro Nacht weniger als sechseinhalb Stunden schlafen, steigt das Risiko für Bluthochdruck um das Zweieinhalb-Fache. Bei Schlafstörungen steigt das Risiko sogar um den Faktor 3,5, fand eine Studie an 123 Jungen und 115 Mädchen im Alter von 13 bis 16 heraus, die an der der Case Western Reserve University in Cleveland durchgeführt wurde. (Bericht Circulation online, August 08)
Asthmaentwicklung ist geschlechtsabhängig
Forscher der Harvard Medical School, USA, werteten Daten von über Tausend asthmakranken Kindern aus und entdeckten, dass Jungen während der Kindheit häufiger von Asthma betroffen sind als Mädchen, dass sich bei ihnen aber die Symptome im Lauf der Pubertät auch öfter zurückbilden. (American Journal of Respiratory and Ciritcal Care, Bericht Thorax society, August 08)
Schlafdefizit fördert Übergewicht bei Kindern
Übergewichtige Kinder schlafen im Mittel um 22 Minuten kürzer als andere. Das Risiko, übergewichtig zu werden, steigt vor allem, wenn die tiefen Schlafphasen, die so genannten REM-Phasen, zu kurz oder gestört sind. Das ergab eine Studie an 335 Kindern im Alter zwischen 7 und 17 Jahren. (Archives of General Psychiatry, vol. 65; 8. August 2008)
Untersuchungen auf Prostata-Krebs über 75 nutzlos
Das US-amerikanische Institut für Vorbeugung (U.S. Prevention Services Task Force) rät von Routine-Untersuchungen nach Prostatakrebs bei älteren Männern über 75 ab: Die Risiken der Untersuchung überwiegen ihren Nutzen. Das gilt sogar für jene Männer, die wegen familiären Auftretens von Prostatakrebs zur Risikogruppe gehören. Auch für jüngere Männer ist die Aussagekraft des so genannten PSA-Tests fraglich. (Annual Internal Medicine 2008, Aug 5; 149:192)
Schlaganfall verdoppelt Demenzrisiko
Eine epidemische Untersuchung an der Bevölkerung eines Rotterdamer Vororts durch das Ersasmus Medical Center in Rotterdam hat ergeben, dass infolge eines Schlaganfalls das Risiko, an Demenz zu erkranken, mehr als doppelt so hoch ist als bei anderen Personen, unabhängig von den kognitiven Fähigkeiten vor dem Insult. Ein Schlaganfall kann auch eine bestehende Demenz verschlimmern. (Stroke, 2008; 39:36)
Akupunktur: Keine Hilfe bei künstlicher Befruchtung
Viele Frauen, die durch eine künstliche Befruchtung auf ein Kind hoffen, erwarten sich erhöhte Chancen von einer Akupunktur. Vergeblich. Das haben britische Mediziner während einer europäischen Fertilitätskonferenz in Barcelona im Juli 2008 festgestellt. Eine Analyse von 15 klinischen Studien mit 2.500 Frauen zeigte keinerlei Unterschied in der Schwangerschaftsrate, egal ob die Frauen echte Akupunktur, Scheinakupunktur oder keine Behandlung erhielten. (BBC-News, 8. Juli 2008)
Ginkgo biloba bietet keine wirksame Hilfe gegen Demenz
Viele ältere Menschen und jeder zehnte Demenzkranke nehmen regelmäßig ein Pflanzenmittel mit Ginkgo biloba ein, um ihr Gedächtnis zu unterstützen. Doch eine klinische Studie des Imperal College London mit 176 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz, die über sechs Monate lief, zerstört die Hoffnung: Es gab keinen Unterschied zwischen jenen Teilnehmern, die täglich 120 Gramm Ginkgo und jenen, die ein Scheinarzneimittel (Placebo) eingenommen hatten. Der Pflanzenextrakt fördert das Erinnerungsvermögen nicht und hat auch keinen Einfluss auf die Lebensqualität. (International Journal of Geriatric Psychiatry, 9.6.2008)
Milch ebenso gut wie Röntgenkontrastmittel
Vor Röntgenuntersuchungen des Verdauungstrakts und Computertomographien des Beckens wird Patienten üblicherweise ein Barium-Kontrastmittel verabreicht. Im St. Luke's-Roosevelt Hospital Center in New York wurden Anfang des Jahres 2008 215 Patienten untersucht: 100 von ihnen bekamen vorher das Barium-Kontrastmittel, 115 Vollmilch zu trinken. Zwei Röntgenologen sollten die Magenausdehnung und die Sichtbarkeit der Magenwand beurteilen. Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen: Die Mehrheit der Patienten gab der bekömmlichen Milch den Vorzug. Obendrein ist Milch billiger. (American Roentgen Ray Society, 2008, S. 1307 - 1313)
Geringe Vorteile von Cetuximab bei Lungen- und Brustkrebs
Bei der internationalen Konferenz der US-Gesellschaft für klinische Onkologie im Juni 08 wurde eine Vergleichsstudie vorgestellt, bei der 1125 Patienten mit fortgeschrittenem, kleinzelligem Lungenkrebs entweder mit alleiniger Chemotherapie oder zusätzlich mit dem Krebsmedikament Erbitux behandelt wurden. Unter der Kombinationstherapie konnte die durchschnittliche Lebenserwartung von rund 10 Monaten um fünf Wochen verlängert werden. (American Society of Clinical Oncology, July 2008)
Verhaltenstherapie macht chronisch müde Patienten munter
Das chronische Müdigkeits-Syndrom (CFS) gibt Medizinern noch viele Rätsel auf. Unbestritten ist, dass es die Lebensqualität Betroffener erheblich einschränkt. Eine Analyse von 15 Studien mit 1043 chronisch müden Patienten zeigte, dass Verhaltenstherapie die Symptome stärker verbessern und die Betroffenen zu mehr Aktivität anregen kann, als andere Maßnahmen und Psychotherapiemethoden. (Cochrane Library, 16.7.2008)
Nicht-medikamentöse Verfahren bei Demenz
Das Kölner Insitut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat bei Demenzpatienten den Erfolg sowohl von Therapien mit Medikamenten als auch von nicht-medikamentösen Verfahren untersucht, um Beschwerden wie Depressionen, Unruhe, Schlafstörungen oder aggressives Verhalten abzumildern. Ergebnis: Training von Angehörigen zum besseren Umgang mit Demenzkranken erwies sich sowohl für Patienten selbst als auch für die Lebensqualität der betreuenden Angehörigen als vorteilhaft - dadurch lässt sich die Unterbringung der Patienten in einem Pflegeheim hinauszögern. Allerdings wurden Patienten, deren Angehörige an einem derartigen Training teilgenommen hatten, öfter ins Krankenhaus oder in die Notfallambulanz eingewiesen. Auch von sogenannten kognitiven Verfahren wie Gedächtnistraining können Demenzkranke profitieren: In einem frühen Stadium kann die Merkfähigkeit verbessert werden. Aussagekräftige Studien zu anderen Methoden fehlen bislang. (Bericht des Kölner Institus für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen 23. Juni 2008)
Abnehmen ohne Knochenschwund
Der Nachteil vieler herkömmlichen Diäten besteht darin, dass sie das Risiko für Osteoporose fördern. Eine Diät mit einem höheren Anteil aus fettarmen Fleisch und Molkereiprodukten als Quelle für Protein und Calcium dagegen schützt vor Knochenverlust. Das zeigte eine Studie der US-Universität Illinois, die 130 übergewichtige Personen umfasst, die zusätzlich fünfmal täglich Gemüse und dreimal Obst erhielten. Die Diät wurde vier Monate eingehalten, es schloss sich eine achtmonatige Nachbeobachtung an, und die Knochendichte wurde vorher und nach 4, 6, 8 und 12 Monaten gemessen. Das Ergebnis wird von früheren Studien gestützt und ist wichtig für Frauen über 40, die auf ihr Gewicht achten wollen. (Journal of Nutrition, Juni 2008)
Dement oder nicht dement - das ist die Frage!
Die Diagnose „Demenz“ ist in der Mehrzahl falsch - und zwar in zwei Drittel aller Fälle! Das ergab eine medizinische Studie in den USA, die im Mai 2008 in der Fachzeitschrift der Direktoren der amerikanischen Ärztevereinigung (JAMDA) veröffentlicht wurde. Untersucht wurden 44 pflegebedürftige Patienten, welche die Diagnose Demenz erhalten hatten sowie 19 weitere Patienten, bei welchen der behandelnde Arzt eine Demenz vermutete.
Ganze Meldung Dement oder nicht dement lesenDer Cholesterinsenker Inegy versagt im Test
Inegy ist in Deutschland eines der am häufigsten verwendeten Medikamente zur Cholesterinsenkung. Im Jahr 2006 wurden 850.000 Packungen mit einem Umsatz von 110 Millionen € verkauft. Inegy enthält eine Kombination von zwei verschiedenen Wirkstoffen: Ezetimib und Simvastatin.
Ganze Meldung Cholesterinsenker Inegy weiterlesenSchädliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Rauchen
Rauchen kann die Wirkung mancher Medikamente beeinträchtigen. Tabakrauch enthält - anders als etwa Nikotinpflaster, -tabletten oder -inhalationen - Stoffe, die das Enzym „Cyp1A2“ in der Leber dazu anregen, Medikamente rascher abzubauen. Das kann dazu führen, dass diese weniger oder gar nicht wirken. Dies kann durch eine höhere Dosis meist nicht ausgeglichen werden. Dies betrifft folgende Medikamente:
Ganze Meldung Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Rauchen weiterlesenRauchverbot senkt das Herzinfarktrisiko
Die Zahl der Herzinfarkte ist in der Zeit von Januar 2007, als in französischen Cafés, Restaurants, Hotels und Casinos das Rauchverbot eingeführt wurde, bis zum Februar 2008 um 15 Prozent gesunken. Dies berichtete das nationale französische Gesundheitsinstitut. Ähnliches wurde aus Italien bekannt: Seit 2005 greift dort das Rauchverbot - in dieser Zeit sank die Zahl der Herzinfarkte um 11,2 Prozent.
Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Mineralstoffe ohne gesundheitlichen Nutzen - aber mit Risiken
Nahrungsergänzungsmittel versprechen mehr Gesundheit, Topform im Winter, Power gegen Herzerkrankungen und ähnliche Wunder. Sind die Werbeaussagen von Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten ernst zu nehmen?
Ganze Meldung Nahrungsergänzungsmittel weiterlesen
Diabetesmittel Avandia - Milliardengewinne der Herstellerfirma mit einem fragwürdigen Medikament, das besser verboten werden sollte
Im Juli 2000 brachte der englische Pharmakonzern SmithKline Beecham (inzwischen GlaxoSmithKline) mit viel Werbeaufwand sein neues Diabetesmittel Avandia auf den Markt. Zentrale Aussagen: „wichtiger Durchbruch bei der Kontrolle des Blutzuckers“ sowie: „sehr gut verträglich“. Unsere Bewertung damals wie auch im Jahre 2008 lautet: Abzuraten.
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Neues zu bekannten Medikamenten