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Ältere Menschen

Älter werden
Je älter wir werden, umso größer wird das Risiko von Nebenwirkungen. Das hat mehrere Ursachen: Die Fähigkeit der Leber, ein Medikament zu verarbeiten, sodass es im Körper wieder unschädlich wird, verringert sich mit zunehmendem Alter. Die Nieren, die für die Ausscheidung des Medikaments aus dem Körper sorgen, altern ebenfalls. Ihre Leistung ist oft eingeschränkt. Das kann zu gefährlichen Anreicherungen des Medikaments im Körper und damit zu einem erhöhten Risiko an Nebenwirkungen führen. Auch das Nervensystem, das Gehirn und das Immunsystem reagieren im Alter sensibler auf Medikamentenwirkungen.
In einem Medikamentenlexikon der angesehenen amerikanischen Johns Hopkins University wird darauf hingewiesen, dass Nebenwirkungen bei alten Menschen insgesamt etwa siebenmal häufiger auftreten als bei jungen. Und dass bei älteren Menschen im Durchschnitt etwa jeder fünfte Klinikaufenthalt durch Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht ist.

Verwirrtheit und Vergesslichkeit
Alte Menschen sind oft verwirrt oder vergesslich. Wenn Medikamente nicht so eingenommen werden, wie sie sollten, kann das zu Überdosierungen, zu einer erhöhten Zahl von Nebenwirkungen und sogar zu lebensbedrohlichen Vergiftungen führen. Unterdosierungen können dazu führen, dass ein Medikament nicht ausreichend wirkt und eine Krankheit nicht ausreichend behandelt wird.

Mehr Wirkung und weniger Nebenwirkung durch

Dosierhilfen
Kaufen Sie in der Apotheke eine Dosierhilfe (= ein Plastikbehälter mit kleinen Fächern) und füllen Sie alle Medikamente ein, die Sie in einer Woche Tag für Tag einnehmen müssen. Oder lassen Sie sich die Medikamente in der Apotheke oder von Angehörigen oder Bekannten einfüllen. So haben Sie eine gute Kontrolle, ob Sie ein Medikament bereits eingenommen haben oder nicht.

Weniger Medikamente
Alte Leute nehmen viel mehr Medikamente ein als junge – sowohl rezeptfreie als auch rezeptpflichtige. Durch die Wechselwirkungen zwischen den vielen Medikamenten erhöht sich das Risiko von Nebenwirkungen. Außerdem erhöht sich das Risiko von Irrtümern und Verwechslungen beim Einnehmen. Nennen Sie Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin alle Medikamente, die Sie verwenden, auch die rezeptfrei gekauften.
Auch rezeptfreie Mittel – z. B. Johanniskraut - können bewirken, dass rezeptpflichtige Mittel unwirksam oder in der Wirkung verstärkt werden. Und wenn Sie bei mehreren Ärzten in Behandlung sind, erhalten Sie vielleicht zu viele Medikamente, weil die Ärzte nichts voneinander wissen.

Behandlung ohne Medikament
Fragen Sie den Arzt/die Ärztin bei jedem einzelnen Medikament, ob es als Alternative dazu eine Behandlung ohne Medikamente gibt, z.B. Änderung von Essgewohnheiten.

1 × täglich
Fragen Sie den Arzt/die Ärztin, ob Ihnen Medikamente verschrieben werden können, die möglichst einfach einzunehmen sind – also z. B. nur 1 × täglich anstatt 3 × täglich. Diese Möglichkeit gibt es bei vielen Krankheiten!

Dosis verringern
Fragen Sie den Arzt/die Ärztin, ob die Dosis verringert werden kann.

Absetzen von Medikamenten
Fragen Sie den Arzt/die Ärztin, ob Sie ein Medikament ganz absetzen können – es kann beispielsweise sein, dass Ihr Blutdruck nach einiger Zeit auch ohne Medikamente normal bleibt.

Achten auf Nebenwirkungen
Verwirrtheit und Müdigkeit sind häufige Nebenwirkungen bei alten Leuten. Das wird fälschlicherweise oft als Zeichen für den natürlichen Alterungsprozess gedeutet. Fragen Sie Ihren Arzt, ob das vielleicht die Nebenwirkung eines Medikaments ist. Oft ist es möglich, die Dosis zu verringern und damit solche Nebenwirkungen auszuschalten. Für alte Leute können relativ harmlose Nebenwirkungen wie Benommenheit, Schwächeanfälle oder Schwindel gefährliche Auswirkungen haben - dadurch erhöht sich das Risiko, zu stürzen und sich die Knochen zu brechen.
Solche Nebenwirkungen sind häufig bei Diuretika (Wasserpillen/harntreibenden Mitteln), blutdrucksenkenden Mitteln, Schlaf- und Beruhigungsmitteln und Neuroleptika.

Achten auf verspätete Nebenwirkungen
Manche Nebenwirkungen können auch erst Wochen oder Monate später auftreten, nachdem Sie das Medikament schon lange Zeit ohne Probleme eingenommen haben!

Riskante Medikamente für ältere Menschen (erhöhtes Risiko gefährlicher Nebenwirkungen):


  • Bluthochdruckmittel mit dem Wirkstoff Reserpin
  • Depressionsmittel mit dem Wirkstoff Amitriptylin
  • Depressionsmittel mit dem Wirkstoff Doxepin
  • Rheumamittel zum Schlucken mit dem Wirkstoff Indometacin
  • Rheumamittel zum Schlucken mit dem Wirkstoff Phenylbutazon
  • Schlafmittel mit dem Wirkstoff Flurazepam
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Chlordiazepoxid
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Diazepam

Lesen Sie bei den Wirkstoffangaben Ihres Medikamentes stets nach, ob es die oben genannten Wirkstoffe enthält und sprechen Sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin darüber.